Samstag, 17. September 2016

Was bedeutet der Aufstieg Chinas für den Rest der Welt? 2. Folge

Hier muss ich kurz einflechten, dass, was der gute Jeff Brown über die aktuelle Wirklichkeit erzählt, vollkommen korrekt ist, nach allem, was ich darüber in Erfahrung gebracht habe oder was auch hier auf dem Blog ein Kommentator aus eigener Erfahrung bestätigt. Was den Sozialismus angeht, hat er erst 2010 zu lernen begonnen, weshalb man seine theoretischen Lücken verzeihen kann. Es ist natürlich Unsinn zu behaupten, dass China immer sozialistisch oder gar kommunistisch gewesen ist.  Warum hat es dann so viele und noch viel größere Bauernaufstände als bei uns gegeben? Und ebensowenig stimmt es, dass China heute schon im sozialistischen Stadium ist. Es ist in einer staatssozialistischen Gesellschaft (in gewisser Weise mit dem schwedischen, sozialdemokratischen 'folkhemmet' = Volksheim vergleichbar), die die schlimmsten Auswüchse der Kapitalisten  verhindert und ihnen die Zügel anlegt. Xi ist Nationalist, der für sein Land und sein Volk auf seine Weise das Beste tut. Und wie Putin ist er ein harter Gegner des neoimperialistischen USA-Imperiums. Jeff Brown verwechselt Reichtum an Dingen, an stuff (Zeug), wie Carlin so schön sagt, mit dem neuen, dem kommunistischen Menschen, der an Zeug herzlich wenig Interesse hat, dafür umso mehr an dem seelisch, moralisch, kulturell und einem alleits entwickelten Menschen interessiert ist. Andererseits hat er mit seiner Kritik an dem an sich verdienstvollen Professor James Petras Recht, da er in diesem Fall eine doktrinäre Auffassung vertritt.

2. TEIL:
 
KP: Als nächstes die Frage nach dem chinesischen politisch-ökonomischen System. Nominell ist die Volksrepublik China kommunistisch. Daran gab es keinen Zweifel, solange Vorsitzender Mao Zedong sich an die Modernisierung des Landes machte. Der linke Professor James Petras argumentiert jedoch, dass China vom Sozialismus abgewichen ist und dass eine zweite Revolution im Gange ist, die versucht, dem Kapitalismus Moralpredigten zu halten. Er zitiert Deng Xiaoping, der sagte, reich zu sein, ist wunderbar. Das ist unkorrekt. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Deng das jemals gesagt hat. Also steht die Einleitung zur These von Petras unter einem ungünstigen Stern.

Petras schreibt in einem späteren Artikel: „Chinas kapitalistische Entwicklung basierte auf einer Trippel-Allianz von nationalen, ausländischen und staatlichen Kapitalisten, die alle abhängig waren von weit verbreiteter, massiver Korruption der staatlichen Parteibeamten.“

Das war 2015, als die Amtszeit des gegenwärtigen Vorsitzenden Xi Jinping begann. Eins seiner Hauptanliegen ist die Befreiung der Chinesischen Kommunistischen Partei von der Korruption. Er meint, dass das Überleben der KPC davon abhängt (siehe: Xi Jinping 'The Governance of China' von 2014, S. 352). Xi hat klargemacht, dass China eine marxistisch-leninistische Orientierung hat, dass es aber im frühesten Stadium des Sozialismus steckt. In Anbetracht, dass die Korruption seit langem besteht und der wachsenden Zahl chinesischer Milliardäre und angesichts des hohen GINI Koeffizienten, was hältst du da von dem „Sozialismus mit chinesischen Vorzeichen?"

JB: Es gibt einen gut bekannten Stall von kommerziell erfolgreichen „China-Experten“, die nicht dieselben Erfahrungen wie ich in 13 Jahren gemacht haben und immer noch mache. Sie sehen ein China, das sie sich vorstellen oder auf das sie ihre mythischen westlichen Ideale projizieren. Diese Begriffe werden von den örtlichen Kolumnisten der 5. Kolonne, von Typen der Handelskammer, Sinophoben, Kommunismus hassenden Ausländern und Kommunistenhetzern zuhause kultiviert. Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es eine Blase von gleichgesinnten Erziehern und Intellektuellen, die Chinas Annahme von rein kapitalistischen Werkzeugen, die der Marxismus braucht, um zum reichen Kommunismus zu gelangen, ablehnen.

Wenn sie hier reisen, dann bewegen sie sich in ihren 5-Sterne-Hotel-Blasen und sie bekommen ihre Information und Ideen von demselben kolonialen/imperialen Milieu einerseits oder von kommunistischen Idealisten andererseits. Ich muss es wissen, da ich ein Mitglied der ersten Gruppe zu sein pflegte, bis ich 2010 nach China zurückkehrte. Ich kann mich in sie hineinversetzen. Die Rückkehr 2010 war der Beginn einer Umwandlungsreise in meinem Leben.




99 Prozent der Westler können nicht die Tatsache akzeptieren, dass heute China kommunistisch ist – das Land, das Volk plus Ökonomie.  Bis ich gründlich forschte und „44 Days Backpacking in China: The MiddleKingdom in the 21st Century, with the United States, Europe and the Fate of the World in Its Looking Glass“ und dann „China Rising: Capitalist Roads, Socialist Destinations“ schrieb, gehörte ich zur großen Majorität. Die Erfahrungen und Kenntnis, die ich in China seit 2010 gewann, erlaubten mir, die westliche Flut von Pavlov'scher Propaganda über die Übel von Kommunismus und Sozialismus zu entprogrammieren.

Was ich lernte ist, dass sich seit Beginn der chinesischen Zivilisation nicht viel verändert hat. China war kommunistisch lange bevor Karl Marx und Friedrich Engels ihn zum Allgemeingut machten. Mit der menschlichen Schwäche, die Selbst-Überheblichkeit auf andere zu projizieren (Rassismus), wird die Annahme  der Markt-Instrumente
durch BabaBeijing, um Reichtum für seine Bürger zu schaffen, als „nachäffen des Kaptalismus“ bezeichnet. Jeder Führer seit Mao bis Xi Jiping haben dies ständig im Einklang mit der marxistischen Theorie klar gemacht.

Wir müssen reich sein, bevor wir in den reinen, reichen Kommunismus eintreten können. Wir werden nicht unsere hart erkämpfte sozialistische Gesellschaft dabei aufgeben. Folglich werden wir gewisse Aspeke des Kapitalismus benutzen, um reich genug zu werden, um in kommunistischer Harmonie zu leben. Dies ist die Definition von Sozialismus mit chinesischen Charakteristika.

Wie viele „China-Experten“ haben Chinas nationale Verfassung gelesen? Die neueste Version wurde vom Westfavoriten und „Freimarktvertreter“ Deng Xiaoping 1982 geleitet. Sie ist ein trotziges, prinzipielles, anti-kapitalistisches, anti-koloniales und anti-imperiales Manifest, voll impliziter Verachtung für das USEU-Land und alles, wofür es steht. [Und darin ist, wie in der bürgerlichen Revolution von 1789 festgeschrieben, dass das Eigentum unantastbar ist. Dies ist wohl kaum mit Sozialismus vereinbar.  D. Ü.]

Die Fahne der VRCh hat fünf goldene Sterne auf rotem Hintergrund. Das solide Rot steht für den Kommunismus, der sich über das ganze Land erstreckt. Der große goldene Stern stellt die KPC dar. Die vier kleineren goldenen Sterne im Umkreis der KPC stehen für die Arbeiterklasse, die Bauernklasse, die Klasse kleiner Geschäftsleute und die große Geschäftsklasse. In der Mao Ära wurden Arbeiter und Bauern den Unternehmerklassen vorgezogen. Nach Mao haben Deng und alle folgenden Führer die letzten zwei Klassen gefördert in Chinas Ökonomie mit gleichzeitiger starker Unterstützung für die städtischen Arbeiter und die ländliche Bevölkerung, um den Reichtum zu schaffen für den reichen Kommunismus. Im vergangenen Jahr hat China dramatisch den Prozess der Lizenzvergabe für Geschäfte vereinheitlicht und Millionen wurden vergeben. Die KPC liebt den Unternehmungs-Geist ihrer Bürger mit der Arbeitsbeschaffung und Aktivität, die er für die Massen schafft.

Hier in China ist jeder Quadratzentimeter öffentliches Eigentum. Niemand kann Grundeigentum besitzen, nur privates Eigentum. Jede Bank, Versicherung, Fluggesellschaft, Eisenbahn und U-Bahn, Hafen, Lufthafen und alle (Maut) Straßen und Schnellstraßen gehören dem Volk. Alle Medien, Telefon-, Wasser-, Gas-, Strom- und AKWs sind im Volksbesitz. Baba Beijing beherrscht über 100 Schlüsselsektoren der Wirtschaft, wie Chemie, Schiffsbau, Landmaschinenbau, Stahl, Bergwerk, Bau, Luft- und Raumfahrt. Die Liste nimmt kein Ende. Öffentlicher Grundbesitz und massive staatliche Beteiligung an Schlüsselindustrien sind das, was Marx „die Kontrolle der Produktionsmittel“ nennt. Ja, einige staatseigene Betriebe sind an der Börse. Aber lest das Kleingedruckte. Der maximale Anteil beträgt nur 30 % und konsolidierte Kontrolle über diese Aktien wird verhindert.



Während es zehntausende staatliche Unternehmen auf Dorf- und Kreisebene gibt, die „effizienter“ sein könnten vom westlichen, kapitalistischen Standpunkt aus, sind sie doch eine Grundlage sozialer und ökonomischer Stabilität für hunderte Millionen Bürger, die außerhalb der großen städtischen Zentren leben. Baba Beijing ist nicht dumm. Sie stehen in den Büchern, mit Justierungen, Reformen und Konsolidierung, damit die chinesische Gessellschaft harmonisch bleibt und die Massen und kleinen Leute wohlhabend.


Aber je größer Staatsunternehmen werden, umso profitabler und besser geführt sind sie. Wenige Westler wissen, dass China die weltgrößte Bank besitzt (ICBC) und drei weitere unter den zehn größten; zwei von den fünf größten Öl-Konzernen; die größte Eisenbahngesellschaft und einige der größten Fluggesellschaften, Stahl-, Bergwerk-, Autohersteller usw. usw. der Welt. 2015 machten die zehn größten volkseigenen Geschäfte zusammen mehr als 200 Mrd. Profite nach der Steuer. Diese „kommunistisch Unternehmen haben jede Menge Geld und gehen auf Einkauf-Reisen in der ganzen Welt. Ironischerweise verwandeln sie dann private westliche Unternehmen in „rote“ Unternehmen in der Hand der Öffentlichkeit. Manche der Deals verändern den Sektor. ChemChina steht kurz davor, den zweitgrößten Agro-Konzern der Welt Syngenta (nach Monsanto) zu kaufen.


Wie du richtig gesagt hast, Kim, stellt Präsident Xi Jinping sicher, dass Baba Beijing und die 1.4 Mrd. Bürger des Landes dem Geist und der Vision von Chinas inspirierender nationalen Verfassung gerecht werden und auch der Verfassung der Kommunistischen Partei. Dies, obwohl sie kapitalistische Werkzeuge angenommen haben, um den Reichtum des Landes zu vergrößern. Er ist der schlimmste Alptraum des westlichen Imperiums und genau, was der Arzt verschrieben hat nach einer Generation soziokultureller Verwestlichung.

Was die alberne Behauptung von „weitverbreiteter, massiver Korruption von staatlichen Parteibeamten“ angeht, wie kann dann, wäre es in dem Umfang, wie er sagt, wahr, Chinas Ökonomie mit beinahe 7% jährlich von 1949 – 1978 wachsen und beinahe 10 % jährlich seither? Wenn es wahr wäre, wie hätte Baba Beijing eine Milliarde Menschen aus der Armut befreien können, die größte und am schnellsten wachsende Mittelklasse des Planeten schaffen können, ganz zu schweigen von einem Milliardär wöchentlich? Wäre es wahr, wie konnte Baba Beijing in den vergangenen 15 Jahren (und immer noch) 80 % Zufriedenheits-Punkte sammeln in Umfragen, die von westlichen Unternehmen wie Gallup und Pew gemacht werden? Zweifellos ist sie unter den Bürgern der Welt die beliebteste Regierung.

Die ständige Nebeltröte in den westlichen Medien über Chinas „massive“ Korruption ist eine klassische Propaganda-Strategie, um die Aufmerksamkeit von den stinkenden, giftigen Sümpfen persönlicher, moralischer und finanzieller Verderbtheit abzulenken, die aus beinahe jedem Unternehmen und politischer Institution in Washington, New York, London, Paris, Brüssel und und und quillt.



Natürlich gibt es Korruption hier, wie überall, wo sesshafte Zivilisation seit mindestens 8000 Jahren besteht. In China werden hunderttausende Regierungs- und Geschäftsleute bestraft, von Geldbußen bis zum Jobverlust, hohe Gefängnisstrafen und für die aller verbrecherischsten Exekution. Man möchte nicht gerne ein unternehmens- oder politischer Gauner in China sein. Besser, die Gesellschaft in USEU-Land zu plündern und zu vergewaltigen, wo man im schlimmsten Fall eine bescheidene Strafe bezahlen und nicht mal sich entschuldigen muss, und allen Schmarotzern und Trotteln vom Privatjet oder der Yacht zuwinken kann.


Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Die Demokratie, die Heilige Kuh der modernen Welt, befindet sich in der Krise. Und es ist eine tiefgreifende Krise. Im Namen der Demokratie werden alle Arten von Verbrechen begangen. Aus ihr wurde wenig mehr als ein ausgehöhltes Wort, eine hübsche Schale, jeglichen Inhalts oder Sinns entleert. Sie ist so, wie man sie haben will.

    Die Demokratie ist die Hure der freien Welt, bereit, sich nach Wunsch an- und auszuziehen, bereit, die verschiedensten Geschmäcker zufrieden zu stellen. Man nutzt und missbraucht sie nach Belieben. Bis vor kurzem, noch in die 1980er Jahre hinein, schien es so, als könnte die Demokratie tatsächlich ein gewisses Maß an echter sozialer Gerechtigkeit gewährleisten.

    Aber moderne Demokratien existieren lange genug, und neoliberale Kapitalisten hatten genug Zeit, um zu lernen, wie man sie untergräbt. Sie verstehen sich meisterlich in der Technik, die Instrumente der Demokratie zu infiltrieren - die "unabhängige" Justiz, die "freie"! Presse, das Parlament - und sie zu ihren Zwecken umzuformen.
    Arundhati Roy, indische Schriftstellerin und Globalisierungskritikerin

    http://www.heise.de/tp/artikel/40/40546/1.html

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  2. Also die sozialistischen Modelle Kubas, Birmas, Laos und Vietnams haben mich nicht wirklich überzeugt :-) Besonders von Kuba wahr ich sehr entäuscht, da dort nichteinmal eine Postsystem gibt, keine Bibliothek, das Internet so teuer ist das es bloss ein Reicher benutzen kann und selbst Frauen die Doktoren sind und solch einen misserablen Lohn haben das sie sogar anschaffen gehen müssen, sind mir nicht unbedingt die Errungenschaften die mann fördern sollte. Zudem habe mit einem Freund der seine Eltern aus Kuba hat 1800 km diese Insel abgefahren (von Havana bis nach Santiago de Cuba und zurück) und auch die Kubaner selbst hautnah erlebt und mit ihnen gesprochen und gelebt. Dieses kommunistische Kuba ist wirklich eine Verelendung des Menschen - ich hoffe wir sprechen nicht vom gleichen Kommunismus denn dieser Beitrag hier wiederum als etwas gutes darstellt? Seit meinen Reisen habe ich noch kein System gesehen das nicht mit einer grössen dicken Lüge durch die Dörfer der Menschen getrieben wird! Vom Kaptialismus müssen wir schon gar nicht sprechen - diese Lüge erleben wir täglich immer wieder auf wundervollste Art wie trügererisch er ist......

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