Dies ist die bislang vernünftigste Analyse der ägyptischen
Situation, die ich kenne. Ein Problem greift er allerdings nicht auf:
dass die anti-Morsi-Front praktisch die Armee um Hilfe gebeten hat.
Das war m. E. ein großer Fehler. Reiche dem Teufel den kleinen
Finger und er ergreift die ganze Hand. Und dass sie Beispiel
klatschten, als die Armee gegen die Moslembruderschaft barbarisch
vorging. Ein korrekter Weg wäre gewesen, Neuwahlen auszuschreiben
und mit – wie Shamus Cooke richtig schreibt – einem vernünftigen und
von der breiten Masse gebilligtem Programm. Er meint, das wäre immer
noch machbar – ich bin skeptisch.
Shamus Cooke
17. August 2013
Bonapartismus: Ägyptens Revolution nachdem sich der Rauch gelegt hat
In Krisenzeiten neigen die Leute zu einfachen Antworten auf
komplexe Situationen. In Ägypten hat das zu absurden Formulierungen
geführt, wo die eine Seite als „gut“ bezeichnet wird (die
Moslembruderschaft =MB), die andere als „schlecht“ (die Armee),
und die Revolution als Ganzes wird als Gräuel verurteilt. Aber die
Situation in Ägypten ist besonders widersprüchlich und um die
sozio-politischen Knoten der Revolution aufzulösen, sollte man
vorgefertigte Schlagworte vermeiden.Entgegen den Behauptungen von vielen sind die Berichte vom Tod der Revolution sehr übertrieben. Jene, die weissagen, dass Ägypten unausweichlich in eine lange Periode einer Militärdiktatur eintreten wird, vergessen, dass Ägyptens Revolution solch eine Diktatur 2011 zerstörte und half, Morsis autoritäre Regierung im Juli zu stürzen. Das Volk in Ägypten ist nicht zur Unterwerfung eingeschüchtert worden, es ist noch in den Straßen, ohne Furcht, seiner Macht bewußt. Auch die ägyptische Armee ist sich dieser Tatsache bewusst, wie ihre Handlungen beweisen.











