Dienstag, 24. September 2013

Wenn Überbevölkerung nicht das Problem ist, worum geht es dann?


Hier kommt ein Artikel zu einem weiteren kontroversen Thema: Überbevölkerung. Da gehen die Meinungen quer Beet auseinander – quer durch das linke wie das rechte Spektrum. Das kommt mir wie die Mafiosi vor, die in ihre verroteten Boote immer mehr und noch mehr Flüchtlinge packen, so dass sie notwendigerweise untergehen müssen. Die Ablehnung der Überbevölkerung basiert allein auf der christlichen Moral: Gehet hin und mehret euch. Jawohl, wie die Karnickel haben sich die Christen in den vergangenen Jahrhunderten vermehrt. Sie hatten's ja. Vier Kontinente standen ihnen durch brutale Unterwerfung zur Verfügung, um sich auszubreiten. Und später die Länder der '3. Welt' anzuklagen, dass sie sich hemmungslos vermehrten. Aus altruistischen – nicht etwa rassistischen – Gründen half man ihnen dann mit Geburtenkontrolle. 
Bergman legt den Finger auf etliche Schwachstellen der Propaganda für ewiges Wachstum. Aber er übersieht auch ganz wesentliche Punkte. Schon im sechsten Absatz stellt eine waghalsige Behauptung auf, die von Prof. Polya längst gründlich widerlegt wurde. Die vorhergesagten Daten "sind ohne Mangel und menschliche Katastrophen" vorübergegangen, womit das Argument 'Tragfähigkeit" sich als falsch erwies. Tja, da sollte Bergman sich mal diesen Artikel von Prof. Dr. Gideon Polya zu Gemüte führen, der allen die VERMEIDBAREN Toten seit 1950 aufgelistet hat und auf hunderte Millionen kommt. Waren das keine menschlichen Katastrophen? Und auch heute gehen Milliarden Menschen hungrig zu Bett. Kein Mangel? Gewiss, diese Toten waren vermeidbar, denn es gab Nahrung. Aber man hat es vorgezogen, die Überschüsse zu vernichten und NICHT den Hungernden zu geben. Das Problem ist für ihn nur eine Paranthese wert. Er akzeptiert auch, dass die Technologien Erfolg hatten bei der Erhöhung der Lebensmittelproduktion und Konsumgüter. Aber zu welchen Kosten - auf Kosten künftiger Generationen und wiederum auf Kosten der Hungernden in der Welt. Es gibt also viel zu diskutieren und in Frage zu stellen.


Wenn Überbevölkerung nicht das Problem ist, worum geht es dann?

David Bergman
22. September 2013
In einem Werbespot für Doritos lautete der Konsum fördernde Slogan „Esst so viel ihr wollt, wir machen mehr“*. Diese Linie frei von Schuldgefühl könnte mit leichten offensiven Änderungen auch der Untertitel von Erle C. Ellis Leitartikel in der New York Times „Overpopulation Is Not the Problem“ (Überbevölkerung ist nicht das Problem) sein. Im Grunde sagt er, dass wir so viele Menschen, wie wir wollen, auf der Erde haben können, weil wir immer Wege finden werden, mehr Nahrung zu erzeugen.

Klingt wie Musik in den Ohren eines Öko-Optimisten oder zumindest eines Optimisten, als Beweis, dass Jahrhunderte Angst vor Überbevölkerung falsch waren und die Idee einer „Tragkapazität“ irrelevant ist. Das Problem ist, dass es weder korrekt noch ein Beispiel von Öko-Optimismus ist.
In einer früheren Post widerlegte ich einen Öko-Pessimisten (I refuted an EcoPessimist). Jetzt muss ich einen falschen Optimisten widerlegen.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, als Malthus seinen „Essay on the Principle of Population“ schrieb, hat es eine Kontroverse über das Konzept der „Tragfähigkeit“ gegeben, resp. die Maximalbevölkerung, die ein Ökosystem (oder der Planet als Ganzes) unbegrenzt tragen kann. Tragfähigkeit kann sich auf jede Spezies beziehen, aber worüber wir gewöhnlich sprechen ist die Menschheit – wieviele Menschen der Planet tragen kann.

Malthus und seine Anhänger schlossen, dass hauptsächlich, weil die Erde ein endliches System ist, sie nur so viel Menschen tragen kann, wie durch ihre Ressourcen ernährt werden können. Das Buch 'The Limits of Growth' (Grenzen des Wachstums) weitete dies aus und sagte vorher, wenn die Bevölkerung und der Konsum zunähmen, würden wir nicht mehr die notwendigen Ressourcen und Nahrung haben.

Als die geschätzten Daten ohne Mangel und menschliche Katastrophen, wie die Autoren sagten, vorübergingen, war das der Beweis, dass das Konzept der Tragfähigkeit falsch war. Ökonomen hatten eine ökonomische Erklärung – dass der Mangel die Preise hochtreiben würde, was seinerseits die Nachfrage schaffen würde nach teureren oder alternativen Quellen. Dies passiert tatsächlich mit den fossilen Treibstoffen; „unkonventionelle“ Treibstoffe wir Teersand waren immer zu teuer, aber jetzt sind sie brauchbar als billigere Quellen, wo das Erdöl zu Ende geht. Die problematische Annahme ist hier, dass es immer austauschbare Alternativen geben wird. Doch einige Ressourcen sind einfach nicht ersetzbar. Versucht, ohne Sauerstoff oder Wasser zu leben.

Andere Gegner hatte eine andere Ansicht. Wissenschaftliche und technologische Fortschritte, sagten sie (und sagen es noch) werden uns weiterhin neue Lösungen bringen, die es uns erlauben werden, die Effizienz zu erhöhen und Alternativen zu finden. Naturressourcen mögen endlich sein, aber das macht nichts, weil unsere Intelligenz immer neue Wege ausfindig machen wird, um die Grenzen zu umgehen.

Dies ist kurz gesagt die These von Ellis. „Es gibt wirklich nicht so etwas wie eine menschliche Tragfähigkeit“, schreibt er. Und fährt fort:
Die Idee, dass die Menschen in den natürlichen Umweltgrenzen unseres Planeten leben müssen, leugnet die Realitäten unserer ganzen Geschichte und wahrscheinlich auch der Zukunft … Wir verwandeln Ökosysteme, um uns zu erhalten. Das ist, was wir tun und immer getan haben. Die menschliche Tragfähigkeit unseres Planeten entspringt den Fähigkeiten unserer sozialen Systeme und unserer Technologien weit mehr als irgendwelche Umweltgrenzen.

Diese inhärent optimistische und ansprechende Ansicht hat jedoch eine Reihe von erheblichen Mängeln. Sie basiert auf der „don't worry, be happy“ (sorgt euch nicht, seid glücklich)-Haltung, dass Technologie immer zu unserer Hilfe kommen wird. Während es zwar stimmt, dass die menschliche Geschichte im großen eine Geschichte der Fortschritte gewesen ist, die zu immensem Wachstum der Bevölkerung (und des Lebensstandards) führte, ist es ein großer Schritt bis zur Annahme, dass, anders als bei den Naturressourcen, unser Potential, uns aus Problemen 'herauszudenken', grenzenlos ist. Ja, die Technologie hat in der Vergangenheit die Tragfähigkeit des Planeten für die Menschen verändert  (vorausgesetzt, wir ignorieren die langen und andauernden Geschichte von Hungersnöten und Überbevölkerung). Unsere Zukunft darauf zu setzen, ist jedoch eine Form von blindem Glauben.

Aber lasst uns so einen Sprung machen und annehmen, dass die Technologie immer zu unserer Rettung kommen und Wege liefern wird, die Nahrungsmenge ständig zu erhöhen, die wir aus der Erde herausholen. Doch Nahrung ist nicht die einzige Grenze für Bevölkerungswachstum. Die Technologien, die moderne industrielle Nahrungsproduktion umfassen, und die uns erlaubten (oder ermutigten), die Bevölkerung von 1 auf 7 Mrd in nur 2 1/2 Jhd. zu erhöhen, erfordern riesige Mengen nicht nur an Land., sondern andere endlicher Ressourcen, vor allem fossile Brennstoffe, Dünger und Pestizide
sowie Frischwasser. (Lasst uns die stark debattierte Frage, ob organische Landwirtschaft uns ernähren kann, für einen anderen Post aufheben.) Sicher, wir haben herausgefunden, wie wir das Land produktiver machen können, aber dazu gehörte sehr viel zusätzliche Energie und Ressourcen. Außerdem gibt es da die entscheidenden Fragen der Verschmutzung durch den massiven Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie der Degradierung des Bodens durch intensiv Monokuluren.

Und dann ist da der nicht so kleine Punkt, dass das Gesamtbild von Ellis nur die Menschentragfähigkeit berücksichtigt, und nicht die Überlebensfähigkeit der anderen Milliarden Spezies auf der Welt. Das ist nicht nur eine altruistische Sorge, denn viele dieser Spezies sind wesentlich für das Funktionieren des Ökosystems – dasselbe Ökosystem, das das menschliche Überleben ermöglicht. Selbst in dem neu gekrönten Anthropozän geht es nicht nur um uns. Wir mögen die einzigartige Fähigkeit haben, den Planeten zu verändern, „die Ökosysteme zu verändern, um uns zu erhalten“, aber das bedeutet weder, dass wir das Recht haben, das nur für unseren eigenen Vorteil zu tun oder die Intelligenz es zu tun ohne hinreichende Voraussicht.

Ellis Begründung ist sowohl anmaßend als auch gefährlich. Er wettet, dass ein historisches Muster weitergehen wird, ohne einzusehen, dass sich das Spiel verändert hat und das Muster nicht mehr anwendbar ist. Eine starke konkurrierende Ansicht meint, dass die industrielle und die landwirtschaftliche Revolution, die daraus erwuchsen, ein einmaliges Ereignis im Leben einer Spezies ist, ermöglicht in einer Welt, die eine Kombination von relativ wenigen Leuten und massenhaft, leicht zugängliche Ressourcen zur Verfügung hatte. Keine dieser Bedingungen besteht noch und letztere wird es auch nicht mehr geben in irgendeiner überschaubaren menschlichen Zukunft.

Es ist nicht so, dass wir Anthros des Anthropozän machtlos sind. Wir haben die Fähigkeit, sowohl den Weg der Erde als auch unseren eigenen zu ändern. Dem können wir zustimmen. Verficht er also, dass wir fortfahren sollen, die Bevölkerung zu vermehren, weil wir ja immer die Fähigkeit hatten zur Innovation und zum „Mehr-machen“, so dass alles gut läuft?

Das ist ein unglaublich großes Glücksspiel und außerdem wirft es die Frage auf, warum wir es machen sollten? Selbst wenn er Recht hat mit seiner reichlich unbegründeten Annahme, dass „es keine Notwendigkeit gibt, mehr Land zum Erhalt der Menschheit zu nutzen – die Erhöhung der Landproduktivität unter Verwendung bestehender Technologien kann den globalen Nachschub erhöhen und sogar mehr Land für die Natur freisetzen“, warum sollten wir wünschen, die Bevölkerung zu vermehren? Wo liegt der Vorteil? Wäre es nicht klüger und nützlicher, nicht einen fragwürdigen Weg einzuschlagen, sondern unsere einzigartigen Fähigkeiten zur Innovation einzusetzen, um sicher zu gehen, dass künftige Generationen nicht nur existieren, sondern auch besser leben können?

Überbevölkerung mag nicht das Problem sein, aber sie ist sicher ein Teil des Problems. Die berühmte Gleichung (in manchen Kreisen jedenfalls) I=P*A*T sagt, dass die Auswirkung auf die Umwelt eine Funktion von Bevölkerung mal die Summe und Art der Dinge, die Menschen konsumieren, ist. Wir haben jetzt eine rapide anwachsende Bevölkerung mit einer rapide wachsenden pro-Kopf-Konsumrate. Ob das Ökosystem der Erde das exponentiell wachsende Niveau der Umweltauswirkung, das wir ihr auferlegen, ertragen kann oder nicht – und ich kann nicht glauben, dass Ellis sagen würde, dass es geht – so muss die Verringerung dieser Auswirklungen eine gute Sache sein. Vielleicht, vielleicht gelingt es uns, Wege zu finden, alle zu ernähren, aber was ist mit all den zusätzliche Bedürfnissen, die mit einer größeren und reicheren Spezies einhergehen?

Wenn wir von der Geschiche extrapolieren, wie Ellis sagt, dass wir es können, ist es offenbar, dass die Nachfrage nach „stuff“ (Zeug, Scheiß), ob es grundlegende Nahrungsmittel und Wohnung sind oder Designer Jeans und die neuesten Elektronik-Dinger sind, mindestens ebenso schnell zunimmt wie die Zahl der Leute, die nach dem Zeug verlangen. Wie das irgendwie zu etwas Nachhaltigem oder „Nicht-Problem“ konstruiert werden kann, ist unverständlich. Die zweifache Lösung umfasst sowohl Reduzierung des Konsums als auch der Bevölkerung, was zu einem durchaus wünschenswerten Szenario führt, das, was ÖkoOptimisten unterstützen, uns alle wohlhabender und glücklicher macht.

Wie beim Doritos Slogan meint Ellis, wir „machen einfach mehr“. Er hat beinahe mit Sicherheit Unrecht – wir können nicht unendlich mehr machen, egal wie imaginativ und innovativ wir sind – und außerdem, mehr zu machen ist die falsche Antwort. Es ist nicht der Weg, „einen Planeten zu schaffen, auf den künftige Generationen stolz sein können“. Wir müssen es besser machen – bessere Dinge, bessere Nahrung, bessere Erziehung, was zu besseren Menschen führt – und nicht mehr.



* Nachdem ich den Slogan checkte, scheint es, dass er vielleicht „Knabbert so viel ihr wollt“ hieß und nicht „esst“, aber massenweise Leute, mich eingeschlossen, erinnern ihn so: „Nur weiter. Esst so viel ihr wollt. Wir machen mehr.“




David Bergman ist Architekt für nachhaltiges Ökodesign. Er schreibt häufig Beiträge für GreenHomeGuide.com. Sein Buch 'Sustainable Design: A Critical Guide' (Nachhaltiges Design. Ein kritischer Führer) ist 2012 bei der Princeton Architectural Press erschienen.

Quelle - källa - source 

Kommentare:

  1. Es wird ja nichts wirklich repariert, sondern es wird allenfalls alles nur geflickt.

    Ein ständig geflickter Reifen oder Fußball wird genau dadurch doch irgendwann unbrauchbar.

    Und nur Kapitalismus fordert Vermehrung, Vergrößerung, weil Kapitalismus davon lebt. Überbevölkerung ist ein Produkt des Kapitalismus.

    Nicht grundlos 'verzehrt' industriell-kapitalistischer Kannibalismus nicht nur alle möglichen irdischen Rohstoffe, sondern auch von ihm verratene und produzierte Menschenmassen: Verhungernde, Fettleibige (Herzkrankheiten), Suizide, Kriegstote, denn nichts ist unbegrenzt, außer vielleicht paranoider Wahn...

    Deshalb kann jemand, der behauptet Überbevölkerung sei kein Problem, einfach nicht ernst genommen werden, denn was nützte es uns, wenn wir so viele würden, dass wir uns nicht mehr bewegen könnten, keinen Platz mehr für Pflanzen hätten und keinen Sauerstoff mehr zum atmen.

    Der moderne Mensch berücksichtigt nicht mehr die Wirkungen der Natur. Die Natur regelte den Ausgleich automatisch.

    Der moderne Mensch wird sich durch Atomkrieg auslöschen - oder durch Kannibalismus.

    Es bleibt aber zu hoffen, dass die derzeitigen - nahe an die dritte Eskalation des Weltkrieges gehenden - Spannungen die Einsicht bringen könnten (die Erkenntnis existiert ja schon lange), dass es so nicht weiter gehen kann.

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  2. Natürlich ist der Kapitalismus die Wurzel allen Übels. Das ganze Produktionssystem - das WIE und WAS, zu 90 % nur überflüssiger Dreck, wozu natürlich in erster Linie die gesamte Kriegsproduktion gehört - muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Es gäbe Arbeit in Hülle und Fülle - aber wie der Bergmann sagt: Besser machen - alles, von A bis Z. Mit Kopf und Verstand und Selbstverantwortung. Und du sagst es: die Erkenntnis gibt es schon lange. Aber es wird ja alles getan, um ihre Ausbreitung zu verhindern. Da sei Gott vor!

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  3. Ändere doch bitte den Link von net-news-global.de in net-news-global.net .
    Dann funktioniert es auch wieder. :-)

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    1. Wo soll ich das ändern? Bei mir funktioniert beides.

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  4. Wollen auch Sie etwas zur Lösung des grössten Problems der Menschheit beitragen, unterschreiben Sie unsere Petition unter der weltgrössten Plattform change.org:
    http://www.change.org/de/Petitionen/weltweite-geburtenregelungen-verbindlich-einf%C3%BChren-introduce-obligatory-worldwide-birth-controls
    Der deutscher Physiker, Raumfahrtmediziner, Schriftsteller und Fernsehmoderator Heinz Haber schrieb bereits 1973, dass ein Planet der Grösse unserer Erde mit nicht mehr als ca. 500 Millionen Menschen besiedelt sein dürfte, um ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu erhalten. Heute (Stand 2013) stehen wir mit offiziell genannten 7,2 Milliarden Menschen beim über 14-fachen dieses Richtwertes, und ein Ende des Bevölkerungswachstums ist nicht abzusehen! Eine gewaltige Massenarbeitslosigkeit und der Zusammenbruch unseres Wohlstands werden weitere Folgen sein. Eine weltweite, verpflichtende Geburtenregelung für alle Länder der Erde ist dringend, wollen wir die drohende Klimakatastrophe noch etwas abschwächen.
    Selbst der UN-Klimarat hat in seinem fünften Weltklimabericht die Gefahr erkannt, verharmlosend jedoch lediglich einen höheren Anstieg des Meeresspiegels als bisher prognostiziert. Der Welt steht jedoch eine nie gekannte Klimakatastrophe bevor, die uns Menschen – auch in Europa! – urweltliche Zustände bringen wird. Gemäss einer aktuellen Kampagne bei der weltgrössten Petitionsplattform "change.org" liegen die Ursachen dafür auf der Hand, werden aber infolge Unwissenheit, Feigheit und aus Machtgelüsten ignoriert und tabuisiert.
    Zitat eines Befürworters der Petition:
    "Die Überbevölkerung der Erde ist eine gewaltige Katastrophe und zeigt das Bild eines egoistisch denkenden Menschen, der sich keinen Deut mehr um seine Umwelt schert und die Erfüllung der eigenen Wünsche zum obersten Prinzip seines Lebens erhoben hat. Die Qualität des zukünftigen Lebens aller Menschen ist untrennbar verbunden mit dem Zustand der Natur. Die ungehemmte Plünderung, Ausbeutung und damit einhergehende Zerstörung, Verwüstung und Vergiftung des Erdreichs, der Luft und des Wassers, ausgelöst durch den gewaltigen Bedarf an Nahrungsmitteln und Gütern aller Art einer immer noch explosionsartig wachsenden Bevölkerung, stellt die Menschen vor unlösbare Probleme. Überbevölkerung ist kein Unwort, sondern die genaue Bezeichnung für eine nicht mehr von der Natur verkraftbare Anzahl von Menschen, hervorgerufen durch vernunftloses und verantwortungsloses Zeugen von Kindern. In jedem Land sollten nur so viele Menschen Leben, wie dieses aus eigener Kraft auch ernähren kann. Daneben müssen auch Fauna und Flora genügend Raum zur Entfaltung haben, um ihre lebenswichtigen Funktionen in einem gut funktionierenden Ökosystem erfüllen zu können. Daraus wird ersichtlich, dass sozusagen sämtliche Länder der Erde überbevölkert sind und etwas dagegen tun müssten. Die Eindämmung der Überbevölkerung bedeutet nicht, dass irgendwelche Menschen weg müssen und hat auch nichts mit Rassismus zu tun, sondern sie fordert vom Menschen, gleich welcher Hautfarbe, dass mit aller Kraft eine vernünftige Geburtenregelung angestrebt und durchgeführt werden muss, zum Wohle aller Menschen und allen Lebens auf unserem Planeten."

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  5. Du hast völlig recht mit Deinen Ausführungen. Das "Warum" und "Wozu" sind in Bezug auf die Reproduktion Tabu-Fragen. Eltern tun so, als wäre Kinderkriegen eine private Angelegenheit. Jedes Kind benötigt gute Ernährung, Bildung, Bekleidung, Wohnung und für 16-18 Jahre die Unterstützung der Steuerzahler (das sind die Anderen, die das nichts angeht). Danach kommt die Verpflichtung einen Job haben zu müssen, der fehlen wird, weil wir alles optimieren und effizienter machen. All das scheint nicht in das Bewusstsein der Menschen vorzudringen. Sie sind an dem "Mehr" erblindet, in welchem sie alle Lösungen suchen. Man sucht gerne dort, wo man noch nicht ist.

    Ellis sucht Lösungen dort, wo er keine Ahnung vom Fach zu haben braucht. In der Technologie z.B. Er ist ein Priester des Konsumkapitalismus. Allein dass er die Menschheitsgeschichte bemüht zeigt, dass er auch von Ökonomie nicht viel versteht. Um die Exponenzialfunktion zu verstehen, muss man mal folgendes verdfauen: In den letzten 50 Jahren sind mehr Menschen zur Welt gekommen als in der gesamten Geschichte der Menschheit zusammengenommen! Wahr ist, dass weder Ökonomen noch Soziologen irgendein geschichtliches Beispiel dafür parat haben, was passieren wird, weil das was gerade passiert beispiellos ist.

    Für Ellis sind mehr Menschen gleichbedeutend mit mehr Umsatz und mehr Steuereinnahmen. Dass aber das Gegenteil davon passiert scheint paradox, ist jedoch eine Tatsache. Als Beispiel führte Prof. Albert Bartlett Detroit mit seinem immensen Wachstum gegenüber North Dakota mit seinem 0-Wachstum an. Detroit ging pleite während North Dakota mit seiner stabilen Bevölkerungszahl weder in eine Haushaltsverschuldung noch in Engpässe mit seinen öffentlichen Dienste geraten ist ("Growth doesn't pay off" - A. Bartlett).

    Infrastrukturkosten skalieren so potenziert wie das Bevölkerungswachstum. Aber wer will schon jedes Jahr um ein paar % mehr Steuern bezahlen, nur weil seine Nachbarn sich wie die Kaninchen vermehren? Detroit haben die meisten Menschen verlassen, weil die Preise nicht mehr im Verhältnis zur Lebensqualität standen. Das Job-Angebot implodierte - was die Sozialausgaben explodieren ließ. Die Kosten der öffentlichen Dienste konnten nicht mehr voll bezahlt werden. Die Zuwendungen an Feuerwehr, Polizei und Krankenhäuser wurden schmäler und Detroit war dabei wie die Stadt eines Drittweltlandes zu werden. Die Menschen wanderten ab und nahmen die Probleme mit in die nächste Großstadt. Fast alle Städte der USA sind heute bankrott. Kleinstädte verschwinden von der Landkarte. Das ist, was Wachstum letztlich tut. Aber niemand sieht hin.

    Dazu kommt die Inflation von Geld. Wenn die Bevölkerung um 7% pro Jahr wächst, bedeutet das, dass nach zehn Jahren doppelt soviele Menschen mit doppelt soviel Geldbedarf vorhanden sind. Mit anderen Worten, was man sich in bei 0% Wachstum in 10 Jahren hätte ersparen können, ist bei 7% Wachstum zur Hälfte an die Neuankömmlinge abgetreten worden. Das betrifft nicht nur Geld. Der Wohnraum wird kleiner, die Nahrung zusehends verdünnt/gestreckt und die Bildung reduziert. Das einzige das zunimmt ist das Militärbudget. Je mehr Menschen, desto größer das Sicherheitsrisiko.

    Die Produktivität steigt nicht mit wachsender Bevölkerung, sondern mit neuen technologischen Errungenschaften. Wie wir alle bemerken, ist die Menge an Innovationen in den letzten 50 Jahren abgesehen von Informatik und Mechatronik fast stehengeblieben. Nach wie vor betreiben wir unsere Fahrzeuge, Kraftwerke und Maschinen mit fossilen Brennstoffen. Die Verbesserung von Wirkungsgraden kann über diesen wissenschaftlich-technischen Stillstand nicht hinwegtäuschen.

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  6. "Nachhaltigkeit" bedeutet Dinge so zu unternehmen, dass man sie de facto ewig weiterführen kann. Jedes Wachstum über 0% ist immer der klassische Fall eines exponenziellen Wachstums gegen begrenzte Ressourcen. Wachstum und Nachhaltigkeit schließen einander aus. Das Aussterben der vielen Arten auf der Erde (ca. 95%) liegt meiner Meinung nach in der explosionsartigen Vermehrung besonders "erfolgreicher" Spezies begründet, nicht in Killer-Kometen-Szenarien.

    Die Grenze des Wachstums zieht die Natur. Wir können uns aussuchen, ob wir sie einladen unser Wachstum mit Seuchen, Ressourcenengpässen und den daraus resultierenden Kriegen zu begrenzen, oder ob wir das mit Vernunft und schmerzlosen Mitteln tun.

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