Freitag, 11. Oktober 2013

Äthiopiens 10-Millionen-Menschen-Tsunami


Thomas C. Mountain

7. Oktober 2013



Seit einem Jahrzehnt haben mehr als eine Million Äthiopier – total 10 Millionen und steigend – jährlich ihre Heimat verlassen oder sind geflohen. Während die Fernsehschirme der Welt mit Bildern von nordafrikanischen Emigranten, die vor der Insel Lampedusa ertranken, überschwemmt wurden, liegen die Knochen von Zehntausenden äthiopischen Flüchtlingen in unmarkierten Gräbern längs Jemens Küsten oder auf dem Grunde des Roten Meeres oder Indischen Ozeans.

Wie kommt es, könnte man fragen, dass dieser 10-Millionen-Menschen-Tsunami beinahe unbekannt in der Welt ist? Und warum nur würden zehn Millionen Äthiopier, einer von 8 Leuten im Land, in vielen Fällen ihr Leben riskieren, um Zuflucht in fremden, meist ungastlichen Ländern zu suchen?


Die Antwort liegt in der Politik des äthiopischen Regimes, die von UN-Untersuchern in lange unterdrückten Berichten mit Worten wie „Nahrungsmittel- und medizinischer Hilfe Blockaden“, „Aufstandsbekämpfungstaktiken der verbrannten Erde“, „Massenmord“ und sogar „Genozid“ beschrieben wurden.

Die meisten äthiopischen Flüchtlinge gehören der Oromo-Nationalität an, mit 40 Mill. die Hälfte von Äthiopiens Bevölkerung, oder sind ethnische Somalier aus dem Ogaden. Beide dieser südlichen Regionen sind seit langem Opfer einer der inhumansten, brutalsten Behandlung, die irgendein Volk der Welt erlebt hat (es wurde geschätzt, dass die Hälfte aller Oromos in der vom Westen unterstützten abbesinischen imperialistischen Kolonisierung Ende des 18. Jahrhunderts durch die Vorfahren des 'Kaisers' Haile Sellasie umkam).

In den vergangenen Jahren gab es die schlimmste Trockenheit und Hungersnot am Horn von Afrika in 60 Jahren, doch beinahe ganz Oromia und der Ogaden, die von der Katastrophe betroffen waren, wurde Nahrung und medizinische Hilfe vom äthiopischen Regime verweigert.

Welchem Land der Welt ist es erlaubt, sowohl das Rote Kreuz als auch die Ärzte ohne Grenzen während solch einer humanitären Krise hinauszuwerfen, ohne von der internationalen Gemeinschaft heftig verurteilt zu werden? Nur Äthiopien.

In Somalia allein starben 250 000 an dieser Hungersnot, wie die UNO zugab, und die Schätzungen für Oromia und Ogaden liegen mindestens ebenso hoch.

500000 Menschen starben Hungers in wenigen Jahren und kein Aufschrei in der Welt? An einem Punkt starben bis zu 1000 Menschen täglich, vor allem Frauen, Kinder und Alte und alles, was wir bekamen, war ein New York Times-Bestseller über die „schmutzigen Kriege“ der CIA am Horn von Afrika, der nicht einmal dieses enorme Verbrechen verurteilte.

Äthiopien ist immer noch einer der größten Empfänger von internationaler, hauptsächlich westlicher Hilfe in der Welt. Neue Quellen aus Addis Abeba aus dem Büro des IWF schreiben, dass Äthiopiens Import beinahe 12 Mrd. Dollar erreichte, während der Export nur 2 Mrd. beträgt. 10 Mrd. $ an „Hilfe“, „Darlehen“ oder „Investitionen“ machen Äthiopien vollständig abhängig vom guten Willen des Auslands, um zu überleben, aber die Welt ist hilflos, den erzwungenen Hungerstod von Hunderttausenden oder die Flucht von über 10 Millionen Flüchtlingen zu verhindern?

In den vergangenen zehn Jahren haben wir viele Berichte gesehen über die 2 Mill. irakischen Flüchtlinge und jetzt über die 2 Mill. syrischen Flüchtlinge. Aber mehr als das Doppelte dieser Zahl an äthiopischen Flüchtlingen ist der Welt unbekannt?

Wenn ich über diese Verbrechen spreche, dann nicht in der Vergangenheit. Denn täglich fliehen etwa 3000 Äthiopier aus ihrer Heimat – beinahe 100 000 im Monat – eine weitere Million in diesem Jahr. Viele fliehen per Boot von Somalias Küsten Richtung jemenitischer Küste in der Hoffnang nach einem sichereren Land. Wie viele Boote mit Mann und Maus sinken oder – schlimmer noch – wieviele Passagiere noch vor der Küste über Bord geworfen werden, wird man nie erfahren. Die internationalen Schiffe, die in dieser Region patrouillieren, scheinen sich wenig darum zu kümmern, die Mafias für Menschenhandel an ihrem schaurigen Geschäft zu hindern, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, die Interessen der großen Schiffahrtsgesellschaften in eben diesen Gewässern zu schützen.

Hat man je von einem Drohnen-Schlag gegen das Hauptquartier der mörderischen Menschenhändler gehört? Wird jemals irgendjemand von diesem Ungeziefer, das mit menschlichem Elend Handel treibt, auf die Liste der 'Meist Gesuchten' gesetzt?

Warum auch, wo doch den kriminellen Herrschenden in Äthiopien nicht nur erlaubt wird, mit 'business as usual' fortzufahren, sondern sie auch sehen, dass Geld weiterhin hereinströmt in Form „westlicher Hilfe und Investitionen“ und seit 2010 sogar um ein Drittel mehr, während zu gleicher Zeit hunderttausende Äthiopier zu Tode hungerten.

Wenn ihr also das nächste Mal mit Bildern konfrontiert werden, wo Reihen von Toten an der Küste Italiens liegen, dann denkt dran, dass dies fast täglich am Horn von Afrika passiert, aber nicht kommentiert wird, von Abscheu und Empörung bei den frömmsten Kommentatoren der internationalen Medien ganz zu schweigen.


Quelle - källa - source


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