Mittwoch, 23. Oktober 2013

Werbung fürs Imperium: Amerikanische Propaganda und der Krieg in den Philippinen


Hier haben wir ein ausgezeichnetes Beispiel, wie die USA bereits vor über 100 Jahren mit fast identischen Sprüchen ihr Imperium verkauften. Dieser Artikel von Susan Brewer ist sehr gut, dennoch unterlaufen dieser anti-imperialistischen Geschichtsprofessorin Fehler, die beinahe zwangsläufig Amerikanern unterlaufen, weil ihnen das globale Wissen auf Grund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse nicht zur Verfügung steht. Sie schmoren praktisch immer in ihrem eigenen Saft.

Hier ein Beispiel. Sie schreibt, der Krieg in den Philippinen, tausende Kilometer weit weg, „erforderte … einen Bruch mit den anti-imperialen Traditionen“ Amerikas. Weiter unten zeigt sie selbst einen Cartoon von 1899, wie drei Kinder – Kuba, Hawaii und die Philippinen – den Unabhängigkeitstag der USA feiern. Was war die blutige vorausgegangene Eroberung von Kuba und Hawaii? Anti-imperiale Tradition? Oder die noch frühere Eroberung von Texas und einem Drittel von Mexiko? War das kein imperialer Schritt? Oder die noch frühere Eroberung des riesigen Territoriums, das die USA zu einem der größten Länder der Welt machte? Mit gleichzeitiger Ausrottung vieler Völker und Diebstahl ihres Landes? Das war für die Amerikaner nur, dass sie sich nahmen, was ihnen ohnehin gehörte, eine Art Entrée vor dem großen Fressen, unter dem Motto, das Susan Brewer einleitend zitiert.

Hingegen arbeitet Susan Brewer gut heraus, wie frühzeitig und raffiniert die USA modernste Meinungsmache einsetzten. Immer wieder verwendeten sie dieselben Inhalte – mit Erfolg. Die USA hatte stets Feinde, denen sie immer Freiheit brachten; sie waren Befreier, keine Eroberer und sie verbreiteten die christliche Zivilisation (wovon man heute nicht mehr laut spricht, doch im Gepäck hatte man tausende Bibeln wie im Irak etwa). Oder wie 'embedded' die Journalisten schon damals waren. Sie werden vom Präsidenten an der Nase herumgeführt und fühlen sich noch gebauchpinselt, wenn er ein Wort an sie richtet. Und da schwafelt man davon, dass die Presse früher ihrer Aufgabe gerecht geworden wäre. 
Da auch dies wieder ein endloser Essay ist, kann ich nur eine Kostprobe liefern.


Werbung fürs Imperium : Amerikanische Propaganda und der Krieg in den Philippinen


Susan Brewer
22. Oktober 2013


'Und unter allen Rassen hat ER [der liebe Gott natürlich] das amerikanische Volk auserwählt als seine eigene Nation, die schließlich die Regenerierung der Welt leiten wird. Dies ist die göttliche Mission Amerikas, die für uns alle Profite, allen Ruhm und alles nur mögliche Glück fur den Menschen bereithält.'                                                            Senator Albert J. Beveridge, 1900
'Ich dachte, es wäre großartig, den Philippinern eine Menge Demokratie zu geben, aber jetzt meine ich, es sei better, es ihnen zu überlassen, sich Demokratie zu geben.'  Mark Twain, 1900
Die neue Diplomatie

An der Wende zum 21. Jahrhundert kämpften Amerikaner und Philippiner erbittert um die Kontrolle der philippinische Inseln. Die Vereinigten Staaten sahen die Pazifik-Inseln als Sprungbrett zu den Märkten und Ressourcen Asiens.

Die Philippinen, die drei Jahrhunderte lang zu Spanien gehörten, wollten Unabhängigkeit, nicht einen neuen imperialen Herrscher. Für die Amerikaner erforderte der Erwerb einer Kolonie tausende Kilometer von ihren Küsten entfernt einen Bruch mit ihren anti-imperialen Traditionen. Um diesen Bruch zu rechtfertigen, erklärte die Verwaltung von William McKinley, dass ihre Politik sowohl den Amerikanern als auch den Philippinern helfen würde, die Freiheit, die christliche Nächstenliebe und den Wohlstand zu erweitern. Die Mehrheit des Kongresses, der Presse und der Öffentlichkeit scharte sich um die Fahne, begrüßte den Krieg mit offenen Armen als ein patriotisches Abenteuer und  zivilisatorische Mission. Jedoch gab es auch eine Minorität mit abweichender Meinung, die anti-Imperialisten genannt wurden. Und McKinley legte Präzedenzfälle fest für alle Kriegs-Präsidenten, die folgen sollten, indem er die Macht des Regierungschefs vergrößerte, um einen öffentlichen Konsens herzustellen zur Unterstützung einer expansionistischen Außenpolitik. (1)

Dieser Artikel erforscht die Verwendung von Kriegspropaganda, die nationalen Fortschritt und die Einheit priesen, um den erfolgreichen Kurs des Übergangs der USA zu einem Großmachtstatus zu begünstigen. Der Präsident und seine Anhänger portraitierten die USA nicht als eine imperiale Macht nach europäischer Art. Um Unterstützung zu gewinnen für die weitreichenden Änderungen der Außenpolitik, erklärte McKinley die Expansion in Übersee in Begriffen amerikanischer Tradition und stützte sich auf vertraute Themen aus der Vergangenheit.

Der letzte Veteran aus dem Bürgerkrieg, der als Präsident diente, feierte das Zusammenwachsen von Nord und Süd, um einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Er stellte die amerikanische Expansion im Pazifik als Fortsetzung vom 'manifest destiny' (offensichtliche Bestimmung) dar. Er verglich die Philippiner mit den indigenen Amerikanern, nannte sie wilde Krieger oder 'kleine braune Brüder'. Er appellierte an bekannte Verhaltensweisen seiner Zeit und ermutigte die Amerikaner, ihre männliche Pflicht zu erfüllen und die christliche Zivilisation zu verbreiten. Die USA, so versicherte er, waren Befreier, nicht Eroberer. (2)
Hawaii, Kuba und die Philippinen feiern den US-Unabhängigkeitstag (Cartoons vom Spanisch-amerikanischen Krieg von Bart, Minneapolis: Journal Printing Co, 1899).




Um Unterstützung zu gewinnen, hatte McKinley meisterhaft die neueste Kommunikationstechnologie angewandt, um durch die damaligen Medien den Krieg darzustellen. McKinley war der erste, der seine Amtseinsetzung filmen ließ und einen Sekretär hatte, der täglich die Presse traf für „eine Art familiäres Gespräch“, wie die Journalistin Ida Tarbell es nannte. Die Reporter erhielten einen Tisch und Stuhl im äußeren Empfangsraum des Regierungsgebäudes, wo sie mit bedeutenden Besuchern sprechen konnten und sogar mit dem Präsidenten, wenn er sich an sie wandte. McKinley beachtete besonders die Pressevertreter mit telegraphischer Verbindung Radiodienste, jene Nachrichtenagenturen, die ihre Stories per Telegraph an viele abonnierte Zeitschriften im ganzen Land schickten. Der Stab des Präsidenten, der von sechs auf 80 anwuchs, checkte täglich die öffentliche Meinung in hunderten von Zeitungen. Um sicherzustellen, dass die Reporter die Ansichten des Präsidenten akkurat wiedergaben, verteilte der Stab Presse-Erklärungen, die kurz vor der Deadline an die Reporter verteilt wurden, so dass sie nur die offizielle Story schicken konnten. Durch ihr Nachrichten-Management verbreitete die McKinley-Verwaltung Kriegspropaganda, die auf Fakten, Lügen, Ideen, patriotischen Symbolen und emotionalen Appellen beruhte. (3)


Quelle - källa - source
Die Fußnoten stehen am Ende des Originalartikels in der
Quelle unten.

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