Freitag, 12. April 2013

Die ökonomische und soziale Krise: Der Zeitgenössische Kapitalismus und der Klassenkampf – der Motor historischen Rückschritts oder Fortschritts


Jetzt hat doch Prof. James Petras auch so einen subjektiven Artikel geschrieben, aber auf einen mehr oder weniger kommt es  jetzt auch nicht mehr an. Er rückt jedenfalls ein paar verschrobene Vorstellungen wieder vom Kopf auf die Füße. Und dafür gebührt ihm von unserer Seite aus Dank. Sicher können einige Punkte diskutiert werden, aber hiermit ist jedenfalls eine Basis geschaffen, auf der sinnvoll diskutiert und nich gelabert werden kann.

Prof. James Petras
10. April 2013


Einer der entscheidensten und doch am meisten vernachlässigten Faktoren des Ergebnisses der ökonomische Krise und der daraus resultierenden tiefer werdenden sozialen Ungleichheiten und Verelendung ist der 'Klassenkampf'. In einer seiner markigsten Metaphern hat Karl Marx den Klassenkampf als 'den Motor der Geschichte bezeichnet'. In diesem Essay wollen wir die zentrale Rolle des Klassenkampfes analysieren, seine Auswirkung und Spiegelung in den ökonomischen Entscheidungen und besonders die verschiedenen Methoden und Formen entsprechend den einzelnen Klassen, die am Klassenkampf beteiligt sind.

Wenn wir die Typen und Methoden des Klassenkampfes geklärt haben, werden wir unz den spezifischen Ergebnissen des Klassenkampfes in verschiedenen Regionen und Ländern widmen: der unerschiedlichen Politik, die als Ergebnis des Klassenkampfes angewandt wird, spiegelt die Balance der Klassenkräfte wider auf sowohl nationaler wie regionaler Ebene.

Im letzten Teil werden wir eine Serie von Fallstudien vergleichen und analysieren und die besondere Klassen-Konfiguration der Macht hervorheben, die sich verändernde Natur des Klassenkampfes (KS) und die konkreten Möglichkeiten, die wir für den 'Klassenkampf von unten' anwenden müssen, damit er effektiv der Klassenoffensive von oben entgegentreten kann.


Die beiden Seiten des Klassenkampfes: 'Von oben und außen' und 'von unten'


Allzu oft betrachten Autoren den Klassenkampf als Aktionen, die von Arbeitern für die Interessen der Arbeiterklasse unternommen werden und übersehen den genauso wichtigen (und in unserer Epoche noch viel wichtigeren) Klassenkampf, der von der herrschenden Klasse durch den Staat organisiert und dirigiert wird.

Die ganze Palette neoliberaler Politik, von den sog. 'Sparmaßnahmen' bis zu Massenentlassungen von öffentlichen und privaten Angestellten, der massiven Überführung von Reichtum an die Gläubiger sind dafür gedacht, die Macht, den Reichtum und die Vorrangstellung verschiedener Sektoren des Kapitals auf Kosten der Arbeiter zu stärken. Um Marx zu interpretieren: Klassenkampf von oben ist der Motor, um die Geschichte zurückzuschieben – um die Fortschritte, die von den Arbeitern in früheren Klassenkämpfen gemacht wurden, zu zerstören.

Der Klassenkampf von oben und außen wird in Vorstandszimmern, Börsen, Zentralbanken, den Abteilungen der Regierungsexekutive, in Parlamenten und Kongressen geführt. Die Entscheidungsträger kommen aus der herrschenden Schicht und sind 'Vertraute'. Die wirklich strategischen Enscheidungen werden von nicht gewählten Beamten und zunehmend von Finanzinstitutionen (wie dem IWF, der EZ und der EU-Kommission) getroffen zu Gunsten der Gläubiger, Aktienbesitzer und Großbanken.

Klassenkampf von oben zielt darauf ab, die Konzentration des Reichtums in der herrschenden Klasse zu vergrößern, die regressiven Steuern für die Arbeiter zu vermehren und die Steuern für die Großunternehmen zu reduzieren, indem selektiv neue Regeln aufgestellt werden, um die Finanzspekulation zu erleichtern und Sozialausgaben für Pensionen, Gesundheit und Erziehung für Arbeiterfamilien zu reduzieren. Auerdem zielt Klassenkampf darauf ab, die kollektive Macht des Kapitals durch restriktive Gesetze gegen Arbeiterorganisationen, soziale Bewegungen und die kollektiven Verhandlungsrechte der öffentlich Angestellten zu stärken.
Mit anderen Worten durchdringt der Klassenkampf viele Bereiche außerhalb des 'Arbeitsplatzes' und der strikten 'ökonomischen Sphäre'. Staatsbudgets und Rettungsaktionen sind Bereiche des Klassenkampfes, Banken sind ein Bereich des Klassenkampfes zwischen Hypothekenhaltern und Haushalten, zwischen Gläubigern und Schuldnern.

Die Tatsache, dass 'Klassenkampf von oben' gewöhnlich öffentliche Demonstrationen ausschließt, liegt vor allem daran, dass die herrschende Klasse die Institutionen, wo Entscheidungen fallen, zur Durchsetzung ihrer Klassenpoliti kontrolliert.

Nichtsdestoweniger, wenn die institutionelle Machtbasis schwach ist oder unter Druck durch die Arbeiter gerät, dann haben die herrschenden Klassen sich gewaltsamen außerparlamentarischen Aktivitäten hingegeben wie Staats-Coups, 'Einsetzung technokratischer Regime', Lockouts und finanzieller Einschüchterung und Erpressung, sowie Massenentlassungen von Arbeitern und Kooptierung von Kollaborateuren in die politische Klasse.

In Zeiten ernster Krisen wird die herrschende Natur der politischen Institutionen und Politik transparent und der Klassenkampf von oben intensiviert sich sowohl im Ausmaß als auch in die Tiefe. Billionen Dollar werden vom öffentlichen Schatzamt zur Rettung von Banken transferiert. Hunderte Milliarden an Sozialkürzungen werden den Arbeitern aufgezwungen, was durch alle Sektoren der Wirtschaft geht. In Depressionen nimmt der Klassenkampf von oben die Form eines regelrechten Krieges an, um das Kapital zu retten, indem die Arbeiter in die Armut gestoßen werden, wodurch Jahrzehnte von Einkommenserhöhungen und Zusatzleistungen, gewonnen durch den Klassenkampf von unten, hinweggefegt werden.



Klassenkampf von unten



Klassenkampf von unten reicht von Streiks am Arbeitsplatz wegen Löhnen und sozialen Zulagen bis zu Generalstreiks, um soziale Gesetze durchzusetzen (oder vorhandene zu verteidigen) oder um Angriffe auf den Lebensstandard abzuwehren. In kritischen Momenten führen Klassenkämpfe von unten zu sozialen Erhebungen angesichts  von Systemzusammenbrüchen, destruktiven Kriegen und autokratischer Herrschaft.

Die Methoden, Teilnahme und Ergebnisse von Klassenkämpfen von unten sind sehr unterschiedlich, je nach dem sozio-ökonomischen und politischen Kontext, in dem der Klassenkonflikt entsteht. Was in der gegenwärtigen Periode verblüffend ist, das ist die ungleiche Entwicklung des Klassenkampfes zwischen den Ländern, Regionen, zwischen Arbeitern in den Gläubigerländern und den verschuldeten neokolonialen Ländern. Der Klassenkampf von unten ist besonders intensiv in einigen der mehr dynamischen kapitalistischen Länder, in denen die Arbeiter eine lange Periode intensiver Ausbeutung und die Entstehung einer neuen Klasse herrschender Milliardäre, die mit einer dominanten Ein-Parteien-Elite verbunden ist, erlebt haben – Fälle sind China und Südafrika.



Der Klassenkampf, kapitalistische Krise: die Offensive der herrschenden Klasse



In Zeiten kapitalistischer Krise mit einem abenhmenden wirtschaftlichen Reichtum, zunehmender Bankrott-Drohung und intensiver Forderung nach staatlicher Unterstützung gibt es keine Basis für Teilung des Reichtums zwischen Kapitalisten, Bankern, Kreditgebern und Arbeitern, Schuldnern und Rentnern. Die Konkurrenz um die kleiner werdenden Ressourcen intensiviert den Konflikt um Anteile am schmelzenden Kuchen. Die herrschende Klasse sieht sich einem Kampf auf Leben und Tod gegenüber und schlägt mit aller Härte mit allen ihren Kräften – staatlichen und privaten zurück - um sicherzustellen, dass ihre finanziellen Bedürfnisse gestillt werden. Das Schatzamt finanziert ausschließlich deren Schulden und stimuliert deren Rettung von Profiten. Der Klassenkampf der Herrschenden bestimmt, wer für die Krise bezahlt und wer von der 'Rettung ...der Profite' gewinnt. Die Krise ist eine vorübergehende Bedrohung des kapitalistischen ökonomischen Systems und dann, im Verlauf der Erholung, ein politisch-ökonomischer und sozialer Vorwand für eine Generaloffensive der Herrschenden zur Kassierung der Arbeiterfortschritte des vergangenen halben Jahrhunderts. Der kapitalistische Klassenkampf wickelt die soziale Sicherheit ab und unterminiert das gesamte legale und ideologische Fundament des 'Wohlfahrts-Kapitalismus'. 'Einsparung' ist der Lieblingsausdruck der Herrschenden, um das Schatzamt an sich zu reißen – ohne Rücksicht auf die sozialen Konsequenzen.

'Einsparung' ist die höchste Form des Klassenkampfes von oben, weil sie die willkürliche und einseitige Macht des Kapitals festlegt, die gegenwärtige und künftige Verteilung zwischen Löhnen und Profiten, zwischen Anstellung und Arbeitslosigkeit und die Rückzahlungen und Zinsraten für die neokolonialen Schuldnerstaaten festlegt.

Sobald die Krise sich in den Schuldnerländern vertieft, intensiviert die herrschende Klasse ihren Klassenkampf gegen die Arbeiter, Angestellten und das Kleingewerbe. Als erstes stürzen die imperialen Gläubiger-Länder (in Europa die Troika von Europäischer Kommission, IWF und EZ) die konstitutionelle Ordnung indem sie die Kontrolle über die Staatsmacht an sich reißen. Dann fahren sie fort, indem sie die Makro-, und Mikro-sozio-ökonomische Politik festlegen. Per Dekret legen sie die Arbeitsrate, die Löhne und die Steuerpolitik fest. Per Dekret auch die gegenwärtige und künftige Verteilung der staatlichen Einnahmen zwischen imperialen Gläubigern und den örtlichen Arbeitern. Der Klassenkampf wird 'global'.

Regionale Organisationen wie die Europäische Union, der formal gleiche Mitglieder angehören, enthüllen sich als imperiale Organisationen zur Konzentrierung des Reichtums unter den herrschenden Banken in den imperialen Zentren.



Klassenkampf von unten in Zeiten der Krise



Die Organisationen der Arbeiter – Gewerkschaften, Pensionärs-Vereine, etc. - sind schlecht darauf vorbereitet, dem offenen und aggressiven totalen Krieg der Herrschenden zu begegnen. Jahrzehnte waren sie an die 'kollektiven Verhandlungen' gewöhnt und gelegentliche Streiks von kurzer Dauer, um kleine Verbesserungen durchzusetzen. Ihre Arbeiter- oder sozialdemokratischen Parteien hatten doppelte Loyalitäten gegenüber den Profiten des Kapitals und sozialer Wohlfahrt und waren tief eingebettet in die kapitalistische Ordnung. Unter dem Druck der 'Krise' haben sie die Sache der Arbeiter ganz aufgegeben und die Formel der herrschenden Klasse angenommen, eine eigene Version von 'Einsparung'. Die Arbeiterklasse war auf sich allein gestellt – ohne Zugang zum Staat und ohne verlässliche politische Alliierte.

Die Gewerkschaften konzentrierten sich engstirnig auf Tagesfragen und ihre Mitglieder und ignorierten die Masse der Arbeitslosen, besondern der jungen Arbeitslosen. Dem Klassenkampf von unten fehlt eine Führung, Vision, Organisation und staatliche Mittel, wie sie die herrschende Klasse hat, um eine Gegenoffensive zu starten.

Klassenkampf von unten war zu Anfang völlig defensiv zur Rettung von Teilen der Arbeitsverträge, Jobs zu retten oder die Entlassungen zu verringern. Das fundamentale Problem in diesem Klassenkampf ist, dass die Gewerkschaften und viele Arbeiter nicht die veränderte Natur des Klassenkampfes erkennen konnten. Die 'Strategie des totalen Krieges' der herrschenden Klasse ging weit über höhere Löhne und Profitreports hinaus und ging zum Frontalangriff gegen Leben, Arbeit, Wohnung, Pension, Gesundheit und Erziehungsbedingungen der Arbeiter über.

Die Politik des 'Sozialpakts' zwischen Arbeit und Kapital wurde von der herrschenden Klasse völlig aufgegeben. Sie verlangte die bedingungslose Aufgabe aller sozialen Forderungen und ergriff die exekutiven Vorrechte des Staates, um die massive Neukonzentration des Einkommens und der politischen Macht zu erzwingen und einzuführen.

Unter diesen Bedingugen, wie sie in Europa und den USA vorherrschten – wie soll man da vom 'Klassenkampf von unten' reden? Mehr denn je hat sich der Klassenkampf ungleich entwickelt zwischen den neuen imperialen Gläubiger-Zentren und den Regionen der verschuldeten Arbeiterklasse. Die fortgeschrittensten Kampfformen dem Umfang nach sowie den Forderungen und der Intensität nach, findet man in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und in geringerem Maße in Frankreich und Irland. Die am wenigsten entwickelten Formen des Arbeiterkampfes findet man in den USA, Kanada, Deutschland, England, Skandinavien und den Niederlanden. Unter den BRICS-Ländern intensiviert sich der Klassenkampf in China und Südafrika und in geringerem Maße in Indien, Russland und Brasilien.

Die Forderungen in jeder Region sind äußerst verschieden. In China verlangt die Arbeiterklasse socio-ökonomischen Veränderungen und hat positive Verbesserungen bei den Arbeits- und Lohnbedingungen, den Wohn- und Gesundheitsprogrammen durch 'offensive' Kämpfe erzielt. In Brasilien konnte die Arbeiterklasse das Armuts- und Arbeitslosenniveau senken. In Südafrika haben die Bergwerksarbeiter, trotz blutiger Massaker, erhöhte Löhne und Gehälter durchgesetzt.

Was den Rest angeht, so sind die Klassenkämpfe defensiv und in vielen Fällen bei der Verteidigung von Arbeitsplätzen, Arbeiterrechten, Sozialversicherung und Festanstellung erfolglos. Die intensivsten militanten Arbeitskämpfe finden in Ländern statt, in denen die Offensive des Kapitals - der 'Klassenkampf von oben' – am längsten dauert, am umfassendsten ist und mit den tiefsten Einschnitten in den Lebensstandard.

Der Kampf der Arbeiterklasse ist am schwächsten in den anglo-amerikanischen Ländern, wo die Traditionen des Klassenkampfes und der Generalstreiks schwächer sind. Ihre Gewerkschaften haben sinkende Mitlgiederzahlen, deren Führer sind eng mit den kapitalistischen Parteien verbunden und es gibt nur eine sehr schwache oder nicht-existente Identifizierung mit der Klassen-Solidarität selbst angesichts der Massentransfers von Steuern in die Privatkoffer der Kapitalisten und der Verdienste der Arbeiter zum Kapital.



Klassenkampf: Fallstudien



Die anhaltendsten und erfolgreichsten Fortschritte in sozialer Wohlfahrt und öffentlichen Diensten in dem vergangenen Jahrzehnt sind in Lateinamerika eingetreten, wo die Krise des Kapitalismus zu militanten, breit basierten Klassenbewegungen führte, die neoliberale Regime stürzten, dem spekulativen Kapital und den Schuldenzahlungen an die imperialen Zentren Beschränkungen auferlegten. In der Folge haben nationalistische Regime mit Hilfe ihrer Ressourcen die Staatseinnahmen benutzt, um Arbeits- und Sozialgesetzgebung zu finanzieren.

Der Reihe von Revolten des Volkes und politischer Intervention folgte in den meisten Fällen die Wahl von nationalistisch-populistischen Regimes, die die Krise milderten und fortlaufend eine Politik führten, die allmählich die Interessen der Arbeiterklasse verbesserte.

In Südeuropa dagegegen führte der Kollaps des Kapitalismus zu einer kapitalistischen Offensive, geführt von den imperialen Kreditoren. Sie setzten die rückschrittlichsten neokolonialen Regime durch, begannen einen wüsten Klassenkampf – während die organisierte Arbeiterklasse auf defensive Strategien und große soziale Mobilisierung innerhalb des institutionellen Rahmens des existierenden kapitalistischen Staates zurückgriff. Keine politische Offensive, keine radikale politische Veränderung und keine soziale Offensive folgte.

Bewegungen, die nicht vorwärts marschieren, bewegen sich rückwärts. Jeder defensiver Kampf kann bestenfalls zeitweilig ein neues Paket von sozialen Umkehrungen aufhalten, und setzt den unaufhaltsamen Vormarsch des 'Klassenkampfes von oben' in Gang.

Die herrschenden Klassen haben Jahrzehnte von Schuldenzahlungen erzwungen und gleichzeitig die Budgets auf absehbare Zukunft geplündert. Das Ergebnis wird die Senkung der Lohnstrukturen und der sozialen Ausgaben sein. Neue Anstellungsverträge sind so ausgeformt, um einen größeren Anteil des Reichtums in den Händen der Kapitalistenklasse zu konzentrieren. Die Politik, die durch den 'Klassenkampf von oben' erzwungen wird, demonstriert, dass Wohlfahrts-Programme und Sozialverträge nur zeitweilige, taktische Konzessionen sind – die definitiv abgeschafft werden, sobald die Kapitalistenklasse die exklusiven Machtvorrechte in die Hände bekommt und per Exekutiv-Dekrets regiert.

Die Finanzklassen des Westens sind gerettet worden und die Profite sind in die Banken zurückgekehrt, aber die Stagnation der 'realen Ökonomie' geht weiter. Die arbeitenden Klassen haben theoretisch und durch militante Aktionen gemerkt, dass das 'kollektive Verhandeln' tot ist.

Der Staat, insbesondere der ausländisch/imperiale Kreditor-Banken-Staat hat nun die Macht ohne ein Wahlmandat oder den Anschein einer breiten Repräsentation. Die Fassade von parlamentarisch gewählten Parteien ist nur noch eine leere Schale. Gewerkschaften, in den militantesten Teilen, veranstaltet beinahe rituelle Massenproteste, die von der imperialen Herrscherklasse der Banken und ihren politischen Kollaborateuren total ignoriert werden.

Die Troika verstopft sich die Ohren und verbindet ihre Augen und singt 'noch mehr Sparmaßnahmen' für Arbeiter; während auf den Straßen das Mantra der Verelendeten 'Basta' hallt.



Abschließende Überlegungen zu den beiden Gesichtern des Klassenkampfes



Unglücklicherweise haben die herrschenden Klassen, besonders in den imperialen Ländern, das Diktum von Karl Marx, dass 'Klassenkampf der Motor der Geschichte' ist, in viel konsequenterer Weise angenommen als die Arbeiterbewegung und ihre Bürokraten. Sie sind die besseren Studenten von Marx.

Indem die herrschenden Klassen den Klassenkampf von oben und außen als ihre hauptsächliche strategische Waffe aufgriffen, haben sie den umfassendsten, intensivsten Ansturm auf die Arbeiterklasse der modernen Geschichte in Gang gesetzt. Sie haben Jahrzehnte sozialer Gesetzgebung sowie Lohn- und Anstellungsrechte rückgängig gemacht. Sie haben dramatisch den Lebensstandard gesenkt und einen neuen Rahmen geschaffen, um auf Jahrzehnte hinaus den Transfer von Reichtum festzuschreiben und zu vertiefen.

All jene, vor allem in der Arbeiterschaft und der Linken, die sich weigerten, den Klassenkampf als den zentralen Drehpunkt für politische Aktion anzuerkennen, haben einen tödlichen Schlag auf den Kopf bekommen. Der anhaltende Klassenkampf von oben zeigt keine Grenzen und keine Zwänge: jedes soziale Recht wird geleugnet und jede ökonomische Ressource ist Gegenstand einer umfassenden, langfristigen Plünderung. Eine neue radikale Ideologie der herrschenden Klasse ist aufgetaucht, die erklärt, dass alles von Wert genommen werden sollte und genommen wird, und die Bauern können Kreide fressen.

Obwohl sie mit dieser extremistischen Ideologie und Praxis konfrontiert sind, fahren die Praktiker des Klassenkampfes fort, dieselben Methoden anzuwenden, die für die 'pragmatischen', 'Konsens'-Zeiten der begrenzten Kämpfe um schrittweise Gewinne oder Verluste galten. Das Versagen, die radikalen Veränderungen zu erkennen, ist strukturell und angeboren. Die Arbeiterbewegung weigert sich, den neuen Klassen/Realitäten ins Auge zu sehen, die sie versagte vorherzusehen, und einer Realität, die sie kategorisch zurückgewiesen hat. 'Klassenkampf' wurde den up-to-date Reden der 'Gewerkschaftsbürokraten' zufolge überlagert von 'modernem pragmatischem Verständnis der gemeinsamen Interessen von Arbeit und Kapital'.

Was radikal und dramatisch ist, das ist der massive Auftritt von entschlossenen Akteuren einer neuen sozialen Klasse. Sie umfassen den Aufstieg von nicht-gewählten Beamten in entscheidende Machtpositionen, die die 'Troika' bilden (EZ, IWF und EU), das Äquivalent von imperialen Vizekönigen, die sich daranmachen, die Ökonomien der Schuldnerländer zu plündern; eine Masse arbeitsloseer Jugendlicher, die 50 % der Arbeiter unter 25 repräsentieren; ein großer Teil von niedrig bezahlten Teilzeitarbeitern ohne Sozial- und Arbeitsschutz; eine Mehrheit einer abwärtsmobilen Mittelklasse, insbesondere unter Angestellten und Berufstätigen des öffentlichen Sektors – im Prozess der Proletarisierung – verlieren ihre langjährige Betriebszugehörigkeit, Pensionsrechte, und haben erhöhtes Pensionsalter zu erwarten; Leuten in bankrotten Kleinunternehmen ('Kleinbourgeoisie') droht Arbeitslosigkeit, Verlust von Eigentum und Ersparnissen; und abwärtsmobile angelernte Arbeiter werden gefeuert, ihre Gehälter und Löhne und die sozialen Zuschüsse werden herabgesetzt.

Die sich verschlechternden Bedingungen dieser sozialen Klassen können nicht durch gewerkschaftliche Aktivität am Arbeitsplatz geändert werden oder durch 'kollektives Verhandeln' – sondern nur durch eine politische Lösung, ein Wechsel des politischen Regimes kann die ökonomischen Ressourcen von Schuldenzahlungen weg in produktive Investitionen zur Arbeitsplatz-Beschaffung einsetzen. Die sogenannte 'Eurozone' ist im Grund ein Mini-Imperium von tributären Vasallen und imperialen Staaten. Aber Imperien zu reformieren ist ein vergebliches Unterfangen, wie die Geschichte gezeigt hat.

Die politische Klasse, die das Imperium unterstützt oder als Opposition im imperialen Rahmen fungiert, ist organisch unfähig, die Veränderungen rückgängig zu machen, die aus der Offensive der herrschenden Klasse resultieren. Das historische Erbe dieser Offensive und das Auftauchen der neuen systembedingten 'Bruchlinien' verlangen neue politische Bewegungen, die das Gewicht der neu enterbten Klassen reflektieren: die spezifischen Forderung der abwärtsmobilen Mittelklasse, der Geschäftsleute und Arbeiter, die desperaten Forderungen nach Arbeit von der riesigen Armee arbeitsloser Jugendlicher ohne Zukunft.

Was muss getan werden? Parlamentarische Opposition und Wahlpolitik liefern keine Antworten für die Millionen, die ihre Wohnungen und ihre Geschäfte verlieren.Es gibt Dutzende Millionen, die niemals eine Anstellung hatten. Nur Aktionen, die auf die Mobilisierung der Arbeitslosen zielen, um die Zirkulation von Gütern und Dienstleistungen zu paralysieren; nur kollektive Aktionen gegen die Räumung von Eigenheimen und Wohnungen; nur Forderungen nach öffentlichen Arbeiten, um Jobs zu schaffen; nur Fabrikbesetzungen können Jobs retten; nur Arbeiterübernahmen und Betrieben und Fabriken können Alternativen schaffen und Unterstützung für einen Regime-Wechsel schaffen; eine politische Revolution und ein Bruch mit dem tributpflichtigen Imperium.

Kurzfristig kann es internationale Solidarität nur unter Arbeitern in den Vassallenstaaten geben: die Arbeiter in den imperialen Ländern – USA, Deutschland, die nordischen Länder und England - sind noch gebunden und gefesselt an ihre jeweiligen herrschenden Klassen.

Die Zukunft liegt im Bau von Brücken innerhalb und zwischen den Millionen Ausgebeuteten, Ausgeschlossenen und Enteigneten, die alles verloren haben und schließlich eingesehen haben, dass sie nur auf dem Weg des Klassenkampfes ihre Humanität und einen würdigen Lebensstandard zurückgewinnen können.



Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. und nur darum geht es, Kapital / Proletariat.
    Der Klassenkampf war nie aus, er muß wieder aufleben um das Kapital zu domestizieren. Vermögensakkumulationen für mehr als den persönlichen Bedarf sind gesellschaftlich zu verhindern und zu bedingungslos zu ächten.
    Wer fleißig ist soll gut verdienen aber kein Vermögen akkumulieren sondern konsumieren, bis im der Wildlachs aus den Ohren kommt oder er sich in soziale proejkte einbringt. mfg Niekohle

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  2. Weil es ja beim letzten "subjektiven Artikel" vom Autor des Blogs um Nordkorea ging und darum, wer eigentlich entgegen der ganzen Medienhetze oder auch psychologischen Kriegsführung durch den Mainstream des Westens verantwortlich ist für die Situation in Korea, hier vielleicht noch ein Beispiel für den Hauptverantwortlichen für die meisten Kriege auf dieser Welt seit dem Zweiten Weltkrieg:

    "...It is documented record, thanks to writers and thinkers like William Blum and Noam Chomsky, that the US has been involved in more than 60 wars and many more proxy conflicts, subterfuges and coups over the nearly seven decades since the Second World War. No other nation on earth comes close to this American track record of belligerence and threat to world security. No other nation has so much blood on its hands. ..."
    http://nsnbc.me/2013/04/12/iran-represents-a-deathblow-to-us-global-hegemony/

    Ja genau, kein andere Nation hat so viel Blut an den Händen wie diese der USA! Das ist eben auch der Weltterrorist und nicht irgendwas von Nordkorea, oder vorher war Libyen der Schurkenstaat und jetzt als Terroristenhochburg ist man im Westen zufrieden!

    Leider wie auch in "Gut inszeniert, die Mainstream-Meinung" (Sind bürgerliche Qualitätszeitungen Kriegshetzer?), ziehen die großen Medien durch ihren Status, ihren Pondus und Nimbus die Menschen in ihr Magnetfeld was ja auch zu dem Kommentar führte, dass der Autor des Blogs in dem Artikel "WER BEDROHT WEN AUF DER KOREA-HALBINSEL? UPDATE: Video-interview mit Prof. Kiyul Chung" einen "mal wieder ein rein subjektiver text.." abgeliefert hätte; leider fallen immer wieder Menschen auf die Lügen herein.

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