Freitag, 19. April 2013

Frankreich startet militärische und Propaganda-Offensive in Mali

Ernst Wolff
13. April 2013


Mali - das Herz Westafrikas

Französiche Soldaten haben in Nord-Mali eine neue Offensive gestartet. Die Operation mit dem Kodenamen 'Gustav' umfasst 1000 Soldaten mit Dutzenden Panzern, Artillerie, Bombern und zum ersten Mal auch Drohnen. Die Offensive ist Teil einer systematischen Ausweitung des Krieges durch Frankreich und seine Alliierten.

In der vergangenen Woche begann die Europäische Union (EU) auch ihre 'European Union Training Mission' (EUTM). 550 Soldaten aus 22 EU-Ländern haben die Aufgabe, in den nächsten 15 Monaten die Hälfte der malischen Armee auszubilden. Ein erstes Kontingent von 570 Soldaten sind aus der malischen Hauptstadt Bamako eingetroffen, um zuerst ein Grund- und dann ein Spezialtraining zu erhalten, das Telekommunikation und Scharfschützenausbildung umfasst.


Das offizielle Ziel der 123 Mill. Euro Mission ist es, die malische Armee „neu aufzubauen“, damit die französichen Streitkräfte allmählich abziehen können. Am 28. März hat der französiche Präsident François Hollande in einem TV-Interview erklärt, dass sein Land Ende April mit dem Abzug seiner 4000 Soldaten beginnen würde, von denen die Hälfte an einer 'Friedensmission' der UNO teilnehmen sollen, die im Juli stattfinden soll. Am Jahresende sollen nur noch 1000 französiche Soldaten in Mail stehen.

Hollande hat jedoch vermieden, die Tatsache zu erwähnen, dass zwei Tage zuvor der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in einem Bericht für den UN-Sicherheitsrat erklärt hatte, dass die „Friedensstreitmacht“ von 11200 Mann wesentlich größer sein würde, als zuvor angekündigt. Ban hat erstmals auch die Aussicht auf eine zweite „parallelle“ Streitmacht erwähnt für Kampfeinsätze und anti-Terroristen-Operatione „außerhalb des UN-Mandates“. Diese spezielle Einheit soll vor allem von Frankreich aufgestellt werden und entweder in Mali oder sonstwo in Westafrika stationiert werden.

Hollandes Aussage soll die Öffentlichkeit irreführen. Statt einer Reduzierung der militärischen Operationen sollen viel mehr Soldaten in der kommenden Periode geschickt werden. Sie werden für eine längere Periode stationiert als öffiziell erklärt und ihre Operationen sind signifikant ausgedehnt worden über Malis Grenzen hinaus.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Frankreichs sozial-demokratischer Präsident versucht, die internationale Öffentlichkeit zu täuschen. Seine anfängliche Behauptung, dass Frankreich gezwungen wäre zu intervenieren, um den Aufstand islamistischer Kämpfer in der Hauptstadt Bamako niederzuschlagen war ebenso falsch.

In einem Interview mit dem Schweizer 'Tagesanzeiger' enthüllte Georg Klute, Professor für Anthropologie an der Universität Bayreuth, dass die malische Regierung in den vergangenen drei Jahren Gespräche mit der islamistischen Gruppe Ansar Al-Dine gehalten habe.

In diesen Gesprächen hatte Ansar al-Dine angeboten, einen Waffenstillstand zu erklären und die Kampagne, mit Gewalt das Sharia-Gesetz einzuführen, einzustellen. Frankreich antwortete im vergangenen Sommer, indem es mehrmals Drohungen aussprach zu intervenieren.

Es war im Kontext mit französichen Provokationen, dass die islamistischen Kräfte eine Offensive begannen, um den Sevare-Flughafen einzunehmen – um die Landung von französichen Truppen zu verhindern – was für Paris als Vorwand diente, seinen Krieg in Mali zu beginnen.

Die Aktivitäten der internationalen Geheimdienste bestätigen, dass der Krieg in Mali nicht das Ergebnis einer kurzfristigen Entscheidung war. Laut Deutschlands Magazin Der Spiegel waren französiche Elitetruppen Monate vor der offiziellen Intervention in Mali aktiv. Am 12. September 2012 flogen ca. 100 Mitglieder des „Kommandos für Spezialoperationen“ (COS) insgeheim ins Land und bezogen Stellung an strategischen Positionen außerhalb der Hauptstadt Bamako. Ihre Mission wurde ergänzt durch Marineaufklärung und Lauschangriffe im benachbarten Niger.
Laut dem französichen Nachrichtenmagazin Marianne erhielt die COS Unterstützung von Truppen, die zuvora an der französichen Intervention in der benachbarten Elfenbeinküste beteiligt waren.

Die dortige Mission, Operation 'Säbel' genannt, wurde mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Regierungen der Nachbarländer durchgeführt. Das Kommando-Zentrum für diese Operation lag in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, wo die US-Armee ihr Hauptquartier hat.

Seit 2007 haben die USA in Afrika mehr als ein Dutzend Luftwaffenbasen eingerichtet. Die Washington Post berrichtete vor kurzem über eine militärische Mission namens „Creek Sand“, die von der US-Armee und anderen Teilnehmern 2012 durchgeführt wurde. Jene Mission umfasste Luftüberwachung von Mali und anderen westafrikanischen Ländern und Militärübungen, an denen von den USA trainierte malische Soldaten teilnahmen.

Alle diese Informationen machen deutlich, dass entgegen der Behauptung des französichen Präsidenten, dass sein Land eine Blitzantwort auf eine Terroristen-Bedrohung plane, war die Intervention in Mali seit langem geplant und sorgfältig vorbereitet.

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