Mittwoch, 8. April 2015

Tsipras fährt nach Moskau

Stefan Lindgren
8. April 2015

Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras besucht Moskau am 9. April 2015. Gleichzeitig soll Athen spätestens am Donnerstag 450 Mill. Euro an den Internationalen Währungsfond bezahlen, weitere 200 Mill. Euro am 1. Mai und 763 Mill. Euro am 12. Mai.  Die Kreditagentur Moody's beurteilt Tsipras Chancen mit 50 %, was besser ist als Ukraines, deren Risiko für einen Staatsbankrott bei nahe 100% liegt.

Viele glauben, Tsipras reist nach Moskau, um finanzielle Hilfe zu suchen. Russland könnte Kredite von 1 -2 Mrd. Euro geben, trotz der Rezession. Aber das hat Moskau nicht verlauten lassen und formell hat Griechenland keine russischen Kredite verlangt. Das Gespräch Tsipras-Putin wird sich um die wirtschaftlichen Verbindungen, die Lage in Griechenland sowie die Sanktionen gegen Russland drehen.

Die russischen Behörden sind inoffiziell bereit, Darlehen zu diskutieren im Tausch gegen gewisse griechische Angebote, schreibt die Zeitung Kommersant. Ein Hauptthema ist laut der Zeitung Athens Interesse an der Teilnahme am Bau der Gasleitung "Turkish Stream", die das South-Stream-Projekt ersetzen soll, dass kürzlich durch die USA und ihre Marionetten Bulgarien und Brüssel vereitelt wurde.

 
A propos: Schadensansprüche (ab 6.50 Min.)

Laut der Zeitung besuchte der griechische Energieminister, Panayiotis Lafazanis in der vorigen Woche Moskau, um Rabatte auf russische Gaslieferungen zu erhalten. Griechische Behörden, so behauptet man hingegen, seien bereit, russischen Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, an der Öl-und Gas-Prospektierung im Jonischen Meer teilzunehmen.

Unter  den möglichen Alternativen gibt es auch die russische Übernahme des Gasunternehmens DEPA, dem privatisierten Eisenbahn-Operateur TRAINOSE und den Häfen in Athen und Thessaloniki. Diese Projekte haben Gazprom und die russische Eisenbahngesellschaft schon früher interessiert. Selbst China hat auch sein Interesse erklärt, in Thessalonikis Hafen und das griechische Eisenbahnnetz zu investieren.

Laut dem Vertreter der russischen Lebensmittelinspektion Rosselchoznadzor Aleksejenko kann Griechenland die Möglichkeit zurückbekommen, Käse auf dem russischen Markt zu verkaufen nach einer Inspektion der Tierhaltung.

Europa reagiert nervös auf den Moskau-Besuch von Tsipras. Brüssel rät dem griechischen Premier ab, russische Gelder entgegenzunehmen. Aber Tsipras befindet sich in einer Notlage. Er hat seinen Wählern versprochen, die Sparmaßnahmen aufzuheben, aber sein neuer Handlungsplan hat von der EU und dem IWF keinen Beifall gefunden. Sie weigern sich bisher, Griechenlands Schulden umzustrukturieren und dem Land neue Darlehen zu geben. Laut der britischen Zeitung Telegraph hat Athen einen Reserveplan, die nationale Valuta Drachme wieder einzuführen.

Bei seinem Besuch wird Tsipras Präsident Putin, den Premierminister Dmitri Medwedew, den Sprecher der Staatsduma Sergej Narysjkin und den Patriarchen Kirill der russischen orthodoxen Kirche treffen.

In einem Exklusiv-Interview mit Tass sagt Tsipras, dass die Beziehungen zwischen Russland und Griechenland ein großes Potential haben. Er hat früher schon erklärt, dass er die Sanktionen gegen Russland für sinnlos hält, aber gleichzeitig hat sein Außenminister in Brüssel nicht dagegengestimmt.

Griechenland macht einen schwierigen Balancegang, aber die Freundschaft mit Russland, die keineswegs konjunkturbedingt ist, setzt die EU unter Druck.
Dass Griechenland am Dienstag zum ersten Mal die Schadensersatzforderungen an Deutschland für die Besatzungszeit im 2. Weltkrieg auf 278 Milliarden Euro festlegte, ist auch eine Art, Druck auf den Gegner auszuüben.

Der Kommentar des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble "Ich finde die Forderung ehrlich gesagt dumm" wird die Beziehungen nicht verbessern. Zur besten Sendezeit strahlte das örtliche Fernsehen in Thessaloniki am Samstag die deutsche TV-Satire von 'Die Anstalt' aus über Deutschlands Ansicht zu den  Forderungen Griechenlands.

Zu früh .... zu früh .... zu früh - haben die Griechen 70 Jahre lang zu hören bekommen und jetzt, wo sie die Frage endlich aufgegriffen haben, heißt es: Zu spät.
Deutschland reitet auch auf Formalitäten herum, wie etwa, dass nie ein formeller Friedensvertrag zwischen Deutschland und Griechenland geschlossen wurde, was Berlin für die Voraussetzung einen Schadensersatz wäre. Aber da Frieden herrscht, braucht man keinen Friedensvertrag.

Ein Teil des Schadensersatzes ist ein Darlehen, das Deutschland während der Besatzung von Griechenland aufgenommen hat. Müssen Darlehen nicht bezahlt werden? fragen die Griechen.

Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Fragen Sie einmal in Italien nach, wie es zu diesen Schulden kam!!!

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  2. 278 mrd euro... das ist pure diskreditierung dieser regierung, kein normaler mensch wird so einem schwachsinn zustimmen. wieviel müssten die russen nach dieser logik bekommen? 200 bio? diese griechische regierung ist aufgebaut worden, um den bankrott in die schuhe geschoben zu bekommen.

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    1. Was sind schon 278 Milliarden? Sind doch in den Jahren 2006 bis 2012 schon 530 Milliarden geflossen.
      Aber das sind doch nur Peanuts 2013 hat nur Merkel und Ihre 15-köpfige Gang 430 Milliarden für sich eingesackt.
      Aber für Leute, wie Sie braucht es solche Ablenkungen, um sich über die Griechen zu erregen?
      Tipp: Lassen Sie die Finger von BILD DUNG!!!

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    2. es gibt noch weitere argumente, die sie nicht zur kenntnis nehmen: die deutschen waren nicht alleine in GR zu der zeit, warum müssten sie alle kosten tragen? dann die zusammenstellung der kosten - es sollen 230 mrd für geraubte private goldvorräte gezahlt werden! ich bin mir ziemlich sicher, dass keine nation der welt über goldreserven mit diesem wert verfügt... aber wenn sie diese offensichtlichen widersprüche nicht stören, machen sie doch den anfang und zahlen GR ihren anteil von ca. 4000 euro. ich würde sicher freiwillig keinen cent für deren misswirtschaft zahlen, und das sicher nicht nur wegen der bildzeitung, sondern weil ich meine eigenen, persönlichen interessen kenne! wenn wir schon wegen der bankenrettung ausgeraubt werden, dann will ich nicht auch noch für die griechen zahlen!
      mein tipp an sie: hören sie auf, irgendwelche vermutungen darüber anzustellen, welche zeitungen ihnen unbekannte personen lesen, bleiben sie bei ihren antworten höflich und respektvoll und fangen sie an, vernünftige argumente zur kennntnis zu nehmen!

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  3. Hallo Einar, den folgenden Kommentar habe ich auf Deiner Saker-Seite hinterlassen:
    "@Einar
    Bitte Franz H. gleich mit sperren. Dieser KommunistenHASS gehört nicht auf die Saker-Seite (auch wenn Sie jetzt Dir gehört). Politische Auseinandersetzungen gern (Ilja ist ja auch nicht gerade ein Kommunistenfreund ;-) ), aber diese üblen Hasstirade und Verleumdungen gegen z.B. Lenin und sein außerordentliches Lebenswerk, sind hier einfach unerträglich und sollten Deinerseits nicht unterstützt werden
    http://vineyardsaker.de/globaler-widerstand/kapitalismus-stellt-uns-vor-die-entscheidung-diktatur-oder-demokratie/#comment-65777.

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    1. kritik ist keine kritik wenn sie nicht als unangenehm empfunden wird. ich persönlich hätte an der "diskussion" dort überhaupt nicht weiter teilgenommen, weil man von den leninisten keine vernünftige antwort bekommen hat, sondern nur wüste beschimpfungen. besonders negativ aufgefallen ist mir beim lesen der kommentare in dem link der kommentator "georg löding", aber das ist nichts neues.

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    2. Lieber Anonym (8.April), ist schon passiert. Er wurde von uns gesperrt.

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    3. Danke. Aber leider macht er dort unter "Franz" lustig weiter.

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  4. "Anonym9. April 2015 um 17:04 kritik ist keine kritik wenn sie nicht als unangenehm empfunden wird. ich persönlich hätte an der "diskussion" dort überhaupt nicht weiter teilgenommen, weil man von den leninisten keine vernünftige antwort bekommen hat, sondern nur wüste beschimpfungen. besonders negativ aufgefallen ist mir beim lesen der kommentare in dem link der kommentator "georg löding", aber das ist nichts neues."

    Ja, wein doch.

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    1. ich lamentiere nicht, ich bringe nur meine geringschätzung ihrer umgangsformen mit anderen menschen zum ausdruck.

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