Dieser Link für die erste Auflage meiner fünf Reportagen aus Venezuela ist praktisch nicht mehr im Netz zu finden. Selbst die Suchmaschine im Blog hier findet die Seite nicht. Experten sagen, das kann nur daran liegen, das an den Algorythmen gedoktort wird. Ich habe gestern stundenlang mit der Hilfe aller größeren Suchmaschinen im Netz geforscht. Nichts, nada, nothing, de rien. Bis ich auf einen Blog eines Freundes in Thailand stieß, der die Reportage gleich übernommen hatte. Aber als ich sie anklickte, da funktionierte der Link auch nicht - aber das lag daran, dass der Name falsch geschrieben war. Als ich das korrigierte, tauchte zumindest in der Google-Suchmaschine die Seite wieder auf. Da die schwedische Version nur einmal in einer kleinen schwedischen Zeitschrift erschien, halte ich es für sehr angebracht, sie nochmals hier aufzulegen. Und auf schwedisch liegt die Reportage hier.
Samstag, 13. August 2011
Mit offenen Augen durch Venezuela (Teil 1 + 2)
Einar Schlereth
April 2000
April 2000
Diese ältere
Reportageserie, die es bisher nur auf Schwedisch gab, habe ich nun
endlich auch ins Deutsche übersetzt, weil sie einerseits immer noch
aktuell ist und weil es andererseits außerordentlich wenig
Vernünftiges über Venezuela gibt.
Mit
offenen Augen durch Venezuela
Nach knapp fünf Wochen in Venezuela kann man ehrlicherweise nicht eine umfassende Analyse schreiben. Selbst wenn ich spanisch kann und 3000 km durch das Land gereist bin, viele Kilometer zu Fuß und mit sehr vielen Menschen gesprochen und eine ganze Menge von den Presseorganen gelesen habe. Das Land ist einfach zu groß – mit 916500 km² fast dreimal so groß wie Deutschland – hat 27 Mill. Einwohner, ist belastet mit einem schwierigen historischen Erbe, mit enormen sozialen Problemen und muss sich mit gewaltigen außenpolitischen Schwierigkeiten in einer immer komplizierteren globalen Lage herumschlagen.
Nach knapp fünf Wochen in Venezuela kann man ehrlicherweise nicht eine umfassende Analyse schreiben. Selbst wenn ich spanisch kann und 3000 km durch das Land gereist bin, viele Kilometer zu Fuß und mit sehr vielen Menschen gesprochen und eine ganze Menge von den Presseorganen gelesen habe. Das Land ist einfach zu groß – mit 916500 km² fast dreimal so groß wie Deutschland – hat 27 Mill. Einwohner, ist belastet mit einem schwierigen historischen Erbe, mit enormen sozialen Problemen und muss sich mit gewaltigen außenpolitischen Schwierigkeiten in einer immer komplizierteren globalen Lage herumschlagen.
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| Wandmalerei in Caracas |
Die Menschen sind freundlich und behilflich. Man kommt leicht mit
ihnen ins Gespräch – mit Männern und Frauen. In Geschäften und
Restaurants wird man anfangs oft recht knapp und zurückhaltend
bedient. Aber das hängt wohl mit dem afrikanischen Erbe zusammen
(der größte Teil der Bevölkerung hat afrikanische Vorfahren).
Reserviert und diskret zu Anfang, aber schon beim zweiten Treffen
taucht auf den Gesichtern ein breites Lächeln auf.
Mein Interesse, Venezuela zu besuchen, galt Hugo Chávez und der
Verwirklichung seiner Politik auf der untersten Ebene. Ich habe
bewusst auf Treffen und Interviews mit Partei- und Regierungsleuten
verzichtet. Habe also die Froschperspektive gewählt.
Deshalb wohnte und aß ich in
einfachen und billigen Hotels (posadas)
und Restaurants, wo es sehr gute Möglichkeiten gibt, mit den
Menschen ins Gespräch zu kommen.
Auf meinen Streifzügen durch Caracas – eine Riesenstadt mit
mindestens sieben Millionen Einwohnern – wird man von unerhörten
Widersprüchen überrascht. Verkommene Straßen, wo Müll zu Bergen
gehäuft ist, und Straßen, die sauberer sind als in Hamburg. Häuser
aller Kategorien und Größen. Ausgedehnte Slumgebiete und gepflegte
Viertel mit kleinen Villen und Viertel mit Luxusvillen, umgeben von
Mauern mit Stacheldraht oder Zäunen unter Strom. Eine supermoderne
und extrem saubere U-Bahn und Busse und Taxis, die echte
Schrotthaufen sind. Parks, die verkommen und verdreckt sind und
andere, die sehr gepflegt und sauber sind. Menschen in Lumpen oder
nach der neuesten Mode gekleidet.
