Pepe Escobar
14. April 2020
Aus dem Englischen: Einar Schlereth
Während die "Raging Twenties" eine radikale Umgestaltung des Planeten entfesseln, hat das Coronavirus (wörtlich: "gekröntes Gift") für alle praktischen Zwecke in unzähligen, meist westlichen Breitengraden einen vergifteten Kelch der Angst und Panik geöffnet.
Der in Berlin lebende, in Südkorea geborene Philosoph Byung-Chul Han hat energisch argumentiert, die Sieger seien die
"Asiatische Staaten wie Japan, Korea, China, Hongkong, Taiwan oder Singapur, die eine autoritäre Mentalität haben, die aus ihrer kulturellen Tradition [des] Konfuzianismus stammt".
Han fügte hinzu:
“Die Menschen sind weniger rebellisch und gehorsamer als in Europa. Sie vertrauen dem Staat mehr. Das tägliche Lebe ist viel mehr organisiert. Vor allem setzen die Asiaten im Kampf gegn den Virus sehr stark auf die digitale Kontrolle. Die Epidemien in Asien werden nicht nur von Virologen und Epidemiologen, sondern auch von Komputer-Wissenschaftlern und großen Daten-Spezialisten bekåmpft.”
Das ist eine verkürzte Sichtweise, und es sollten viele Nuancen gelten. Nehmen Sie Südkorea, das nicht "autoritär" ist. Es ist so demokratisch wie die führenden westlichen liberalen Mächte. Was wir auf den Punkt brachten, war die staatsbürgerliche Gesinnung der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung, die auf eine solide, kompetente Politik der Regierung stützte.
Seoul entschied sich für die schnelle Mobilisierung von wissenschaftlichem Fachwissen, für sofortige massive Tests, für umfassende Kontaktaufspürung und auch für soziale Distanzierung. Aber, was entscheidend ist, das meiste davon freiwillig und nicht von der Zentralmacht aufgezwungen. Da diese Bewegungen organisch integriert waren, musste nicht die Bewegungsfreiheit drastisch in Südkorea eingeschränkt oder die Flughäfen geschlossen werden.
Hongkongs Erfolg ist großenteils auf einem großartigen Gesundheitssystem geschuldet. Die Menschen an vorderster Front, mit einer institutionellen Erinnerung an die jüngsten Epidemien wie SARS, waren bereit, in den Streik zu treten, wenn keine ernsthaften Maßnahmen ergriffen würden. Der Erfolg war auch zum großen Teil auf die unzähligen beruflichen Verbindungen zwischen dem Gesundheits- und dem öffentlichen Gesundheitssystem Hongkongs und Taiwans zurückzuführen.
Barbarei mit menschlichem Antlitz
Dann gibt es noch Big Data. Han argumentiert, dass es weder in China noch in anderen ostasiatischen Ländern genügend kritische Analysen in Bezug auf digitale Wachsamkeit und Big Data gibt. Aber das hat auch mit Kultur zu tun, denn in Ostasien geht es um Kollektivismus, und Individualismus steht nicht im Vordergrund.
Nun, das ist viel nuancierter. In der gesamten Region wird der digitale Fortschritt pragmatisch in Bezug auf die Effektivität bewertet. Wuhan setzte Big Data über Tausende von Untersuchungsteams ein, suchte nach möglicherweise infizierten Personen und wählte aus, wer unter Beobachtung und wer unter Quarantäne gestellt werden musste. In Anlehnung an Foucault können wir es digitale Biopolitik nennen.
Wo Han Recht hat, ist, wenn er sagt, dass die Pandemie das Konzept der Souveränität neu definieren könnte: "Der Souverän ist derjenige, der auf Daten zurückgreift. Wenn Europa einen Alarmzustand ausruft oder Grenzen schliesst, ist es immer noch an alte Souveränitätsmodelle gekettet.
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Mittwoch, 15. April 2020
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