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Samstag, 5. September 2015

Die Flüchtlingskrise und die Unmenschlichkeit des europäischen Kapitalismus


Es ist eine tiefe Genugtuung für mich, dass es doch eine Menge Menschen gibt, die sich von der maßlosen Hetze der Medien und Politiker nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Und typisch ist, dass dann die Hetzer schockiert sind, genau wie über große anti-Kriegs-Demonstrationen. Beides jagt den Herrschenden einen höllischen Schrecken ein, denn dies könnten Keime für Widerstand sein, der eines Tages nicht mehr zu kontrollieren ist. Das Elend ist nur, dass weit und breit nicht der Ansatz zu einer koordinierten, revolutionären Führung vorhanden ist. Denn alles, was sich in der Nachkriegszeit als Opposition oder als links ausgab, erwies sich stets als eine Bande von Rosstäuschern und gekauften Marionetten der herrschenden Eliten. Das hat natürlich das Misstrauen des Volkes gegen jede Art von Organisation enorm vertieft. Verständlich, aber ein Fehler, wenn man darauf verzichtet, einen neuen Anlauf zu nehmen.
Peter Schwarz
28. August 2015


Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Die schreckliche Behandlung der Flüchtlinge, die über den Balkan und Italien in den vergangenen Wochen Schutz in Zentraleuropa  suchten, zeigt das brutale und unmenschliche Gesicht des europäischen Kapitalismus. Verzweifelte Menschen, die um ihr Leben fürchten, und aus den vom Krieg zerstörten Gebieten des Nahen Ostens und Nordafrikas fliehen, erwartet ein bitteres Schicksal.

Ist das die Lösung?
Jeder Tag bringt neue Freveltaten: Leichen, die im Mittelmeer schwimmen; Flüchtlinge ohne Nahrung und Wasser, die unter unerträglichen sanitären Bedingungen zusammengepfercht sind; Familien mit Kleinkindern, die gezwungen sind, hunderte Kilometer zu Fuß zu laufen; Polizisten, die Knüppel und Tränengas einsetzen gegen wehrlose Flüchtlinge und überall Grenzen und Barrieren mit Stacheldraht und Sicherheitskräften gesichtert, die die Flüchtlinge gewaltsam zurückweisen.

Gerade gestern sind zwei Boote mit bis zu 500 Flüchtlingen vor der Küste Lybiens gesunken; man fürchtet, dass hunderte tot sind. Unter ihnen waren Flüchtlinge aus Syrien, Bangladesch und verschiedenen afrikanischen Ländern, laut Medienberichten.

Dies kam nach der Entdeckung von 50 syrischen Leichen in einem LKW auf einer österreichischen Autobahn. Sie waren unterwegs erstickt. Das geparkte Fahrzeug wurde von einem Arbeiter gefunden, der eine Brühe aus Blut und Fleisch aus dem Wagen laufen sah.