Mit vielem Dank an Klaus Madersbacher, der sich die Mühe gemacht hat, dieses lange, aber wichtige Assad-Interview zu übersetzen. Als Journalist schämt man sich für solche Kollegen wie die italienische Madame vom italienischen staatlichen Propaganda- Sender RAI, die frech die Kühnheit hat, einer so bedeutenden Persönlichkeit wie Bashar al-Assad völlig unbedarft und unvorbereitet entgegenzutreten. Deshalb notgedrungen auch dämliche Fragen stellt. Einfach bewundernswert ist, dass Bashar stets gefasst, beherrscht sehr klug antwortet. womit er seinem Land einen großen Dienst erweist. Was wäre gewonnen, wenn er diese Kanaillen kopfüber rauswürfe? Die Frage könnt ihr selbst beantworten.
Das Interview, das das italienische TV Rai News 24 nicht senden wollte
Bashar al-Assad
Das Interview wurde am 26. November von einer RAI-Jurnalistin geführt und von syrischen Sender SANA am 9. Dezember 19 vereinbarungsgemäß ausgestrahlt, woran RAI sich aber nicht gehalten hat.
Hier kommt der vollständige Text des Interviews:
Frage 1: Herr Präsident, vielen Dank, dass Sie uns hier haben. Lassen Sie uns bitte wissen, wie ist die Situation in Syrien jetzt, wie ist die Situation vor Ort, was passiert im Land?
Präsident Assad: Wenn wir über die syrische Gesellschaft sprechen wollen: Die Situation ist viel, viel besser, da wir aus diesem Krieg so viele Lektionen gelernt haben und ich denke, dass die Zukunft Syriens vielversprechend ist. Wir werden gestärkt aus diesem Krieg hervorgehen.
Apropos Situation vor Ort: Die syrische Armee ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch und hat viele Gebiete von den Terroristen befreit. Es gibt immer noch Idleb, wo Sie al-Nusra haben, das von den Türken unterstützt wird, und Sie haben den nördlichen Teil von Syrien, wo die Türken letzten Monat in unser Territorium eingedrungen sind.
In Bezug auf die politische Situation kann man also sagen, dass es sehr viel komplizierter wird, weil Sie viel mehr Akteure haben, die in den Syrienkonflikt verwickelt sind, um ihn in einen Zermürbungskrieg zu verwandeln.
Frage 2: Wenn Sie von Befreiung sprechen, wissen wir, dass es eine militärische Vision dazu gibt, aber der Punkt ist: wie ist zur Zeit die Situation für die Menschen, die beschlossen haben, wieder in der Gesellschaft zu sein? An welchem Punkt befindet sich der Prozess der Versöhnung jetzt? Funktioniert er oder nicht?
Präsident Assad: Die Methode, die wir gewählt haben, als wir eine - sagen wir - gute Atmosphäre schaffen wollten, haben wir Versöhnung genannt, damit die Menschen zusammenleben und die Menschen, die außerhalb der Kontrolle der Regierungsbezirke leben, zurückkehren können in die Ordnung des Rechts und der Institutionen. Es sollte für jedermann eine Amnestie geben, der seine Bewaffnung abgibt und dem Gesetz gehorcht. Die Situation ist in Bezug auf dieses Problem nicht kompliziert. Wenn Sie die Möglichkeit haben, irgendein Gebiet zu besuchen, werden Sie feststellen, dass sich das Leben wieder normalisiert.
Das Problem waren nicht die Menschen, die miteinander kämpften. Es war nicht so, wie die westliche Erzählung zu zeigen versucht - als hätten Syrer gegeneinander gekämpft, was sie als "Bürgerkrieg" bezeichnen, was irreführend ist. Die Situation bestand darin, dass Terroristen die Kontrolle über Gebiete übernahmen und ihre Regeln einführten. Wenn diese Terroristen nicht mehr sind, kehren die Menschen zu ihrem normalen Leben zurück und leben miteinander. Es gab keinen Religionskrieg, es gab keinen ethnischen Krieg, es gab keinen politischen Krieg; es waren Terroristen, die von fremden Mächten unterstützt wurden, über Geld und Rüstung verfügten und diese Gebiete besetzten.
Frage 3: Haben Sie keine Angst davor, dass diese Art von Ideologie, die geherrscht hat und, wie Sie wissen, die Grundlage des Alltagslebens für die Menschen über so viele Jahre war, in gewisser Weise in der Gesellschaft bleiben und früher oder später zurückkehren kann?
Präsident Assad: Dies ist eine der größten Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert waren. Was Sie fragen, ist sehr richtig. Sie haben zwei Probleme. Die Gebiete, die außerhalb der Kontrolle der Regierung lagen, wurden von zwei Dingen beherrscht: vom Chaos, weil es kein Gesetz gibt. Daher wissen die Menschen - insbesondere die jüngere Generation - nichts über den Staat, das Gesetz und die Institutionen.
Das zweite, was tief in den Köpfen verwurzelt ist, ist die Ideologie, die dunkle Ideologie, die Wahabi-Ideologie - ISIS oder al-Nusra oder Ahrar al-Cham, oder was auch immer diese islamistisch-terroristisch-extremistischen Ideologien sein mögen.
Nun haben wir begonnen, uns mit dieser Realität zu befassen, denn wenn Sie einen Bereich befreien, müssen Sie dieses Problem lösen. Was bedeutet es sonst, ihn zu befreien? Der erste Teil der Lösung ist religiös, weil diese Ideologie eine religiöse Ideologie ist, und die syrischen Geistlichen, oder sagen wir die religiösen Institutionen in Syrien unternehmen diesbezüglich sehr große Anstrengungen, und sie hatten Erfolg. Es gelang ihnen, diesen Menschen zu helfen, die wahre Religion zu verstehen, nicht die Religion, die sie von al-Nusra oder ISIS oder anderen Fraktionen gelehrt bekommen haben.
Frage 4: Geistliche und Moscheen sind also im Grunde Teil dieses Versöhnungsprozesses?
Präsident Assad: Sie sind der wichtigste Teil. Der zweite Teil sind die Schulen. In den Schulen haben Sie Lehrer, Sie haben Bildung und Sie haben den nationalen Lehrplan, und dieser Lehrplan ist sehr wichtig, um die Meinung dieser jungen Generationen zu ändern. Drittens haben Sie die Kultur, Sie haben die Rolle der Künste, der Intellektuellen und so weiter. In einigen Bereichen ist es immer noch schwierig, diese Rolle zu spielen, daher war es für uns viel einfacher, mit der Religion zu beginnen und dann mit den Schulen.
Frage 5: Herr Präsident, lassen Sie mich kurz auf die Politik zurückkommen. Sie haben die Türkei erwähnt, okay? Russland war in diesen Jahren Ihr bester Verbündeter, es ist kein Geheimnis, aber jetzt geht Russland in einigen Gebieten, die zum syrischen Raum gehören, Kompromisse mit der Türkei ein. Wie beurteilen Sie das?
Präsident Assad: Um die russische Rolle zu verstehen, müssen wir die russischen Prinzipien verstehen. Was Russland betrifft, so glauben sie, dass das Internationale Recht - und die auf diesem Recht beruhende internationale Ordnung - im Interesse Russlands und im Interesse aller Menschen auf der Welt liegt. Indem sie Syrien unterstützen, unterstützen sie das Internationale Recht. Das ist ein Punkt. Zweitens liegt es im Interesse des russischen Volkes und der übrigen Welt, gegen die Terroristen vorzugehen.
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