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Sonntag, 16. Juli 2017

Wieso kriegt die US-Linke Venezuela nicht auf die Reihe?

Shamus Cooke

13. Juli 2017

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Dass Venezuelas faschistisch-gesinnte Oligarchie mit dem US-Imperialismus konspiriert, um  die demokratisch gewählte Regierung von Nicolas Maduro zu stürzen, scheint in den USA wenige zu bekümmern.

1. Mai Demo in Caracas
Statt die rechte Gewalt zu verurteilen, die auf einen Regime-Wechsel abzielt, haben viele der US-Linken geschwiegen oder zogen es vor, eine unparteiische Analyse zu liefern, die weder für die Maduro-Regierung ist noch für die Oligarchie, die mit Gewalt die Regierung stürzen will. Am liebsten verschwendet sie ihre Energien darauf, über Maduros „Autoritarismus“ und  die Fehler des „Chavismus“ Vorträge zu halten.

Dies Herangehen erlaubt den Linken eine kühle emotionale Distanziertheit zum Schicksal der Armen in Venezuela und saubere Hände zu behalten, die ansonsten nur beschmutzt würden, wenn man sich in den chaotischen, wahren Klassenkampf stürzt, aus dem die venezolanische Revolutio besteht.

Eine „Hol-beide-der-Teufel“-Analyse unterschlägt die Rolle der US-Regierung in Kollaboration mit den Oligarchen Venezuelas. Die jahrzehntelangen Verbrechen des Imperialismus  gegen Venezuela werden gebilligt und begünstigt durch das Schweigen der Linken oder durch trübe Analysen, die die Handlungen der Gesetzesübertreter minimieren und negative Aufmerksamkeit auf das Opfer im Augenblick des Angriffs richten.

Jede Analyse einer früheren kolonialen Kolonie, die nicht mit dem Kampf um die Selbstbestimmung gegen den Imperialismus beginnt, ist tot geboren, da der x-Faktor des Imperialismus immer die dominante Variable in der venezolanischen Gleichung gewesen ist, wie die Bücher von Eva Gollinger und anderen gründlich erklärt haben, und auch die fortlaufende Intervention in Lateinamerika durch eine endlose Reihe von US-Präsidenten.

Die von Venezuela initiierte anti-imperialistische Bewegung war stark genug, dass ein neues Gravitationszentrum geschaffen wurde, das den größten Teil Lateinamerikas aus dem Griff der US-Herrschaft zum ersten Mal in beinahe hundert Jahren befreite. Diese historische Errungenschaft wird von den meisten US-Linken minimiert, die gleichgültig oder unaufgeklärt über die revolutionäre Bedeutung der Selbstbestimmung unterdrückter Länder und auch für die unterdrückten Völker innerhalb der USA sind.