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Sonntag, 24. März 2019

Willkommen in der Hölle: Die Bergwerkstadt La Rinconada in Peru

So lieben es die Kapitalisten! Das absolute Elend, Armut ohne Ende, mit Mord  und Totschlag, wo die Hälfte der Arbeiter an Giften wie Quecksilber verreckt, wo die Umwelt gründlich zerstört wird - zusammen mit dem Titcaca-See, einem Weltkulturerbe (darauf ist doch gepfiffen, wenn es um Milliardengewinne geht) - wo Kinder auf die Müllhalten geschickt werden, um was Essbares zu finden. Die Bilder stinken ja, wenn man nur einen Blick drauf wird. So soll es auch wieder in Venezuela und Bolivien werden. Dann werden die US-Einprozenter wieder happy sein.

Hier leben 50 000 Menschen!


André Vltchek


22. März 2019


Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Während der Westen Venezuela angreift, ein Land, das das Leben vieler seiner Bürger verbessert hat, übersieht er die Schrecken, die in Peru und anderen marktfreundlichen Ländern Lateinamerikas geschehen.

La Rinconada, das über 5 km über dem Meeresspiegel liegt, ist die höchste Siedlung der Welt; eine Goldgräberstadt, eine Konzentration von Elend, eine Gemeinschaft von etwa 50.000 Einwohnern, von denen viele durch Quecksilber vergiftet wurden. Ein Ort, an dem unzählige Frauen und Kinder regelmäßig vergewaltigt werden, an dem vor kurzem Recht und Ordnung zusammenbrach, an dem junge Mädchen auf Müllhalden geschickt werden, um schrecklich riechende Abfälle zu "recyceln", und an dem fast alle Männer unter tierischen Bedingungen arbeiten und versuchen, zumindest etwas Geld zu sparen, aber wo die meisten von ihnen einfach ihre Gesundheit ruinieren und es kaum schaffen, am Leben zu bleiben.

Ich beschloss, nach La Rinconada zu reisen, genau in diesen Tagen, in denen das sozialistische Venezuela um sein Überleben kämpft. Ich fuhr dorthin, als die europäischen Eliten in Bolivien versuchten, den enorm populären und erfolgreichen Präsidenten Boliviens, Evo Morales, während der bevorstehenden Wahlen mit Dreck zu bewerfen.

Wie an so vielen Orten im turbokapitalistischen und pro-westlichen Peru ist La Rinconada eine gewaltige Warnung: So waren Venezuela und Bolivien früher vor Hugo Chavez und Evo Morales. Hier will Washington, dass das gesamte Lateinamerika zurückkehrt. Wie diese monströsen und hoffnungslosen Slums rund um Lima sollte La Rinconada ein Aufruf zum Kampf sein.

Noch vor etwa fünf Jahren dachten wir: So sollte Lateinamerika nie wieder so aussehen. Wir dachten es, bevor es den rechtsextremen Kräften in Washington gelang, alte Dogmen der Monroe Doktrin wieder aufzufrischen, gegen die Unabhängigkeit und den Sozialismus Lateinamerikas.

Ein Fahrer weigerte sich, mich allein nach La Rinconada zu bringen. Für mich gilt: Je weniger Menschen beteiligt sind, desto besser. Selbst in Afghanistan arbeite ich allein, nur mit meinem vertrauten Paschtunenfahrer. Aber hier ist es anders: Der Ruf von La Rinconada ist, dass "du eintreten kannst, aber du wirst es nie schaffen, zu gehen". Mir wird von der neuen Mafia, die dort operiert, und von der sich völlig verschlechternden Sicherheitslage berichtet. Am Ende blieb mir nichts anderes übrig, als eine Besatzung von zwei Männern zu akzeptieren: einen Fahrer und eine Person, "die mit der Situation der peruanischen Minen vertraut ist".