Investig'Action im Gespräch mit Mohamed Hassan
22. Mai 2015
Aus dem Französischen: Einar Schlereth
Am Sonntag sind die Äthiopier zu den legislativen Wahlen
eingeladen. Zwischen Repression und Boykott wird die Opposition der
große Abwesende bei diesem Wahlspektakel sein. Sogar die
europäischen Beobachter haben sich geweigert, dort anwesend zu sein.
Wenn die westliche Presse nicht über die Unregelmäßigkeiten dieser
Wahlen schweigt, betont sie besonders die Stabilität Äthiopiens und
sein bemerkenswertes ökonomisches Wachstum. Mohammed Hassan fragt
sich jedoch, ob das sein Land ist, von dem die Rede ist. Ein
Gespräch:F: Diesen Sonntag werden die Äthiopier zu den Urnen gerufen Worum geht es bei diesen Wahlen im zweit-bevölkerungsreichste Land Afrikas?
A: Es geht um nichts. Diese Wahl ist nur eine Formalität, um offiziell die Verlängerung dessen zu legitimieren, was seit mehr als 20 Jahren abläuft: die Vorherrschaft der Front zur Befreiung der Völker Tigrays (FLPT) in ganz Äthiopien. Diese Bewegung hat zum Sturz der Militärdiktatur 1991 beigetragen, indem sie die Unabhängigkeit der Region Tigray forderte. Aber nach dem Sturz von Mengistu hat die FLPT die Kontrolle über das ganze Land ergriffen. Ihr sinnbildhafte Führer Meles Zenawi hat eine ethnische Politik geführt und bis zu seinem Tod 2012 ein korruptes Regime entwickelt.