Montag, 9. März 2015

VORBILD RUSSLAND


Stefan Lindgren
9. März 2015


Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth


Russland führt in der Frauenliga
Mehr als 40 Prozent aller Geschäftsführer in der russischen Wirtschaft sind Frauen, laut Grant Thornton International Business Report. Das ist der höchste Anteil in der Welt. Russlands Frauen sind am besten in Informationstechnik, Detailhandel, Medien, Verarbeitung, Transport, Kommunikation und Politik. Auf Gebieten wie Gas, Erdöl und Metalle herrschen immer noch die Männer vor.

Zur Sache gehört, dass Russland einen Frauenüberschuss hat: 57 Prozent der Bevölkerung sind Frauen. Russland hat die höchste Scheidungsrate der Welt, was oft bedeutet, dass Frauen die Familienernährer sind. Russlands gutes Resultat an der Spitze bedeutet aber nicht, dass alles gut ist. Frauen verdienen im Durchschnitt 30 % weniger als Männer. Aber es ist bemerkenswertm dass der Frauen-Anteil auf Chefposten in einer Reihe von ehemaligen sozialistischen Ländern so hoch ist. Russland befindet sich in der Gesellschaft von sechs anderen Ländern in Osteuropa unter den zehn Ländern der Welt, die an der Spitze liegen, darunter Georgien und Polen.
Japan ist immer noch das Land mit geringsten Anzahl Chefsposten mit 8 %; Deutschland liegt bei 14 und Indien bei 15 Prozent.

Laut einem Bericht der ILO (Internationale Arbeits-Organisation) gibt es 24 Länder in der Welt, die einen noch höheren Anteil weiblicher Chefs als Russland haben, darunter Jamaica, Kolumbien und St. Lucia.


AP 6. März


Die Investitionen kehren zurück

Trotz Sanktionen, gesunkener Ölpreise und einer ernsten Finanzkrise sind die Investoren auf dem Weg zurück nach Russland, berichtet das Wall Street Journal. Es konstatiert, dass gleichzeitig, als alles im Februar am Zusammenstürzen schien, ein zunehmender Zustrom an Kapital in Fonds an der Börse zu verzeichnen war. Während 70 Mrd. $ aus dem Land flossen, strömten 310 Mrd. im Februar zurück. Der Micex-Börsenindex ist ca. 29 % gestiegen in diesem Jahr. Zum großen Teil beruhen die Gewinne auf einer gewissen Erholung der Ölpreise.


Wall Street Journal vom 5. März


Spitzenlöhne um 10 Prozent gesenkt

Präsident Putin und seine gesamte Verwaltung haben zusammen mit Premierminister Dmitrij Medwedew und den Angestellten der Regierung ab 6. März ihre Löhne um 10 % gesenkt und hoffen damit ein Beispiel für andere Beamte mit relativ hohen Löhnen zu sein.

Die niedrigen Ölpreise zwingen Russland, die laufenden Ausgaben zu verringern. Entsprechend dem anti-Krisen-Plan sollen die Budget-Ausgaben mit 10 Prozent in diesem Jahr gesenkt werden. Sowohl die Duma als auch der Föderationsrat werden vermutlich auf Vorschlag ihrer respektiven Sprecher im Kreml folgen. Auch Einsparungen bei Dienstreisen sind im Gespräch.


Ria.ru 6. März


Tschechen gegen Sanktionen


Eine Protestaktion gegen die westlichen anti-russischen Sanktionen fand am Sonntag in Prag statt. Man protestierte mit dem Schlagwort "Kein Krieg gegen Russland". Die Tschechen sind unzufrieden mit den Ereignissen in der Ukraine.

Unter den Rednern auf der Massenveranstaltung war auch Marek Obrtel - ein pensionierter Oberstleutnant, der alle seine Auszeichnungen von der NATO zurückgegeben hat - sowie der Vizesprecher des Parlamentes Vojtech Philip.

Beide sprachen für eine politische Lösung des Konfliktes in der Ukraine sowie für freundschaftliche Verbindungen mit Russland. Der Konflikt in der Ukraine hätte sich nie zum Krieg ausweiten dürfen, sagte Obrtel. Ich habe Kräfte gesehen, die einen Konflikt provozieren wollen. Jetzt bieten sie eine gewaltsame Lösung an.

Zuvor wurde bekannt, dass auch Zypern gegen die anti-russischen Sanktionen protestiert. Tschechiens früherer Präsident Vaclav Klaus warnte in dieser Woche in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung vor weiteren Sanktionen. Er war früher schon gegen die Anklagen aufgetreten, dass Russland die Krim "annektiert" habe, die laut Klaus rechtmäßig zu Russland gehört.


ruvr.ru 7. März, Regnum.ru 8. März


Quelle - källa - source



Kommentare:

  1. das soll keine kritik an russland sein, sondern an den kriterien, nach denen bewertet wird:
    wieso ist es wichtig, welches geschlecht ein geschäftsführer hat? oder wieviel frauen im durchschnitt verdienen? das beispiel japan zeigt doch, wie erfolgreich eine wirtschaft sein kann, völlig unabhängig vom frauenanteil in den chefetagen. der durchschnittslohn wird völlig ohne näheres eingehen auf die ursache seiner entstehung verglichen. damit verliert die zahl vollständig jede aussagekraft. frauen können schlechter bezahlt werden, weil sie für das unternehmen weniger gewinn erwirtschaften. es ist sehr wahrscheinlich, dass das der fall ist, da sie ihre kraft oft auch auf die kindererziehung verwenden. es ist kein fortschritt, wenn sich das ändert, sondern nur ein ausdruck geänderter persönlicher prioritäten, die keinen was angehen.

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  2. Diese 57 Prozent sind vermutlich noch eine Nachwirkung aus dem 2. WK , sowie dem Afganistankrieg (Sowjetunion) und dann die Hunderttausend Erst-Helfer in Tschernobyl, von denen gar Einige binnen weniger Jahre starben.
    Denn es wird nicht gesagt, wie alt die hier gezählten Damen sind.

    Hilfreich wären jetzt gut recherchierte Säulen-Diagramme des Frauen-"Überschuss" aus sowjetischen Nachkriegs-Zeiten und darin eingebettet die Zahlen auf dem Territorium der Russischen Förderation, die nach dem Zerfall der Sowjetunion übrig blieb.

    Aber solche Diagramme kann ein Rudel russische Studentinnen recherchieren und grafisch darstellen.
    (gibt ja genug davon,, und wirklich sehr schade - daß da keine für mich übrig ist)
    Wir alten Männer haben keine Zeit mehr für derlei Grundlagenforschung.

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    1. ich denke eher, der alkohol ist die erklärung. soweit ich weiß sterben russische männer deswegen früher, übrig bleiben viele alte frauen.

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  3. Ich habe den Artikel einem Freund vorgelesen. Kommentar: "Oh, alles in Ordnung. Das was schon in meiner Jugend so. Es gab dort immer viele Frauen als Chefs, allerdings auch mal gleichen Lohn für gleiche Arbeit."

    Ach, so bemerkenswert ist das gar nicht. Als der "Ostblock" zusammengebrochen wurde, waren die Frauen dort emanzipatorisch halt schon ein paar Jahre weiter als im Westen. Die deutschen Frauen Sozialisation DDR beschreiben ihre Ankunft im "Westen" als Rolle rückwärts in eine Welt, die sie schon lange hinter sich gelassen hatten. Ja, in der DDR gab es auch nur zwei KombinatsdirektorINNEN, aber viele Abteilungs- und Hauptabteilungsleiterinnen, Oberassistentinnen, Oberärztinnen auf dem Weg nach "oben". Die Mehrzahl wurde dann abrupt ausgebremst.

    Insofern kann man z.B. in Russland - wobei es da noch andere demographische Gründe für das Bild gibt - heute etwas beobachten, was sich in der DDR auch in diese Richtung entwickelt hätte, wenn sie weiter existent gewesen wäre.

    Severa Snape

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    1. ja, die meisten mauertoten waren westliche frauen, die IN die ddr abhauen wollten und von da aus weiter nach russland.

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    2. Trollen Sie woanders herum, wenn es Ihnen an Ahnung und Argumenten mangelt.

      Severa Snape

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    3. die armen frauen- man hat sie sicher übel "ausgebremst" weil leistung im westen ja vieel weniger als im osten zählt und niemand ein finanzielles interesse an spezialistinnen hat, deren ausbildung der böse westler nicht mal bezahlen musste!
      und die toten sind meine zeugen, brauche ich noch mehr beweise?

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    4. ach, ich muss ihnen einen punkt zugestehen, weil mir folgendes szenario eingefallen ist: falls jemand tatsächlich ausgebremst wurde, dann liegt das ausschließlich daran, dass er/sie als "neuankömmling" ins "establishment". das hat aber nichts mit sexismus zu tun, sondern mit der mentalität der alteingesessenen, die jedem neuankömmling gegenüber so sind, egal wie qualifiziert. das der vollständigkeit halber.

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    5. Anonymous, keine Ahnung und davon recht viel. Ich bin es nach 25 Jahren ziemlich müde, Westdeutschen immer noch dasselbe erklären zu müssen, ohne dass es je in den Gehirnwindungen ankommt.

      Severa Snape

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    6. warum haben die frauen im osten denn nicht den lebensstil und die arbeitskultur der ddr weitergeführt? sind 100te ärtze aus dem westen geströmt, um ihnen die jobs abzunehmen und ihnen ihre regeln aufzuzwingen?

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  4. Severa Snape ! Stimme ganz zu! "der alkohol ist die erklärung"- bizzare Antwort, wenn es wirklich an Argumentationen fehlt... Westen , halt, was soll man dazu noch sagen...
    Larissa.

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    1. haben sie eine sinnvollere erklärung? der alkohol hat 1994 (in der jelzin-ära) die lebenserwartung der männer kurzen recherchen zufolge auf 58 jahre sinken lassen! das hat auch heute sicher noch nachwirkungen auf die bevölkerungsstruktur.

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  5. Das könnte einem Effekt liegen, den Wissenschaftler "Gender Equality Paradox" nennen. Je "genderisierter" eine Gesellschaft ist, umso geringer wird das Interesse von Frauen an technisch hochqualifizierten Berufen.

    In dieser Doku (deutsche Untertitel) geht der norwegische Komiker und Filmemacher Harald Eia auch die Suche nach den Ursachen des Gender Paradox. Eias Dokureihe sorgte in Norwegen für enormes Aufsehen.

    Sehr sehenswert!

    Gehirnwäsche: Das Gleichstellungs - Paradox
    https://www.youtube.com/watch?v=3OfoZR8aZt4

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