Montag, 30. März 2015

Spannend: Russen glauben an Planökonomie und Kiew-Junta verliert ihre Basis


Die Untersuchung hört sich teilweise widersprüchlich an. Einerseits einen starken Mann an der Spitze und gleichzeitig soll das Volk bestimmen. Da denken sie natürlich an einen anständigen Typen wie Putin. Aber wenn ein Oligarch rankommt, was dann? Nun, da denken sie an den Kernsatz von Marx - der nicht seiner war, sondern den er von der Pariser Kommune übernahm - an die vom Volk gewählten Räte, die nicht nur mit imperativem Mandat gewählt werden, sondern - noch wichtiger - auch jeder Zeit abgewählt werden können. Und dann macht auch eine entschlossene und starke Führung Sinn, die den Willen des Volkes wirklich umsetzt.

Stefan Lindgren


30. März 2015


Übersetzung aus dem Schwedischen: Einar Schlereth


Russen glauben immer mehr an ein ökonomisches System, das auf staatlicher Planung beruht statt auf dem freien Markt, zeigte eine Untersuchung, die vom unabhängigen Levada Tsentr gemacht wurde. 55 Prozent der Befragten sagen, dass das ökonomische System eines Landes auf "staatlicher Planung und Mittelzuteilung" gründen soll.

27 Prozent meinen, dass die Ökonomie auf "privatem Eigentum und dem Markt" basieren soll. 1992, im Jahr nach der Auflösung der Sowjetunion, meinten 41 Prozent, dass die Marktökonomie das Beste wäre und nur 33 Prozent waren für ein Modell mit staatlicher Planung.

Bittere Erfahrungen mit der Hyperinflation der 1990-er Jahre, einer chaotischen Privatisierung und der Herrschaft der Oligarchen haben die öffentliche Meinung umgekehrt.
Betreffs des politischen Systems sagen 34 Prozent, dass ein Sowjetsystem - d. h. vom Volk gewählte Räte, die für die Gesellschaft und die Wirtschaft verantwortlich sind - das Beste sind.

Zwischen Februar 2008 und Januar 2012 wuchs jedoch die Unterstützung der Russen für "Demokratie nach westlichem Vorbild" von 15 Prozent auf 29 Prozent. Aber in den vergangenen Jahren ist diese Meinung kräftig gesunken. Im Januar 2014 waren es nur noch 21 Prozent und im März 2015 nur noch 11 Prozent.

Die öffentliche Meinung hat auch die Bedeutung eines starken Präsidenten aufgewertet. 50 Prozent der Befragten stimmten im März 2015 der Auffassung zu, dass die Macht "in den Händen einer Person konzentriert werden muss", was 10 Prozent mehr sind als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig ist die Mehrheit - 75 Prozent - überzeugt, dass der Staat vom Volk gelenkt werden soll und nicht umgekehrt.

Die Untersuchung wurde vom 13. -16. März unter 1800 Leuten mit 18 Jahren oder mehr durchgeführt, in 46 Regionen Russlands.
Die Fehlerquote überstieg nicht 3.4 Prozent.

levada tsentr 27/3


Unterstützung für Kiew sinkt


Umfragen zeigen, dass beinahe 70 Prozen der Ukrainer meinen, dass ihr Land auf dem falschen Weg sei - ein Jahr nach dem Regime-Wechsel in Kiew. Die Untersuchung des Razumkov Center in Kiew ergibt, dass nur 17.5 Prozent die gegenwärtige Entwicklung als positiv ansehen.

Nur 19.4 Prozent wurden heute für Präsident Petro Poroschenko stimmen, weniger als die Hälfte der 55 Prozent, die für ihn am 25. Mai 2014 stimmten. Nur 7.8 Prozent stützen Premierminister Jatsenyuk und weniger als 5 Prozent haben volles Vertrauen für die Regierung, trotsdem sie von einer Parteien-Koalition gebildet wurde, die zusammen 70 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl im Oktober erhalten hatte.

www.bne.eu 26/3

Kommentare:

  1. je weiter die erfahrungen mit der planwirtschaft zurückliegen, desto mehr menschen glauben daran...
    das phänomen lässt sich leicht psychologisch erklären: zu dem zeitpunkt jahr 1992 sprangen die fakten ihnen noch ins gesicht, aber viele jahre danach sind sie auch älter geworden, was gefühle für "die gute alte zeit" erzeugt. die menschen meinen, es besser gehabt zu haben, dabei waren sie einfach nur jünger und hoffnungsvoller, was durch kein wirtschaftssytem wiederhergestellt werden kann. das kann man bei vielen älteren menschen in allen ex-sozialistischen ländern beobachten. die hyperinflation dürfte nicht schlimmer im gedächtnis geblieben sein als die versorgungsmängel der 80er.

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  2. Alle Firmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, sollten verstaatlicht werden!
    Die Misere in der die Welt sich befindet ist Resultat ihrer Machtansprüche, der letzten Jahrhunderte!
    Beruhend auf dem kanonischem Welthandelsgesetz UCC .
    Schickt den Papst zur Hölle, samt seiner Monarchie Vatikan und es wird Friede auf Erden !
    Vorher nicht !

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    1. haben sie auch nur eine einzige sekunde die konsequenzen ihrer forderungen bedacht? oder die umsetzbarkeit reflektiert? sofort nach der verkündung des gesetzes würden die großen konzerne von ihren besitzern in viele kleine einheiten und subunternehmen aufgesplittert, die sich ihre leistungen gegenseitig in rechnung stellen (was sie in der realität in der buchführung ja auch machen) und gegenseitig zinsfrei geld leihen (wenn es von der zentrale so angeordnet wird). es würde weder eine einzige firma verstaatlicht werden, noch hätte es einfluss auf die vermögensverteilung.

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  3. http://internetz-zeitung.eu/

    Sehr wichtig, der Co-Pilot des Germanwingsflug war garnicht an Bord.

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  4. @Anonym

    So sehr ich das psychologische Argument nachvollziehen kann, so wenig trägt es fachlich zur Debatte bei. Ich selbst habe die deutsche Wiedervereinigung mit 13 Jahren erlebt. Ich habe lebendige Erinnerungen von verfallenen Häusern, leeren Supermarktregalen und kaputten Straßen in der DDR. Ich studierte Wirtschaftswissenschaften im vereinten Deutschland! Und nach alledem kann ich sagen, dass die planwirtschaftliche Ökonomie gleichermaßen effektiver, wie effizienter ist, als das marktwirtschaftlicher Modell der BRD. Die sozialistische Planwirtschaft hat mehr materiellen Wohlstand, für mehr Menschen erwirtschaftet, als die Marktwirtschaft der BRD! Die Marktwirtschaft ist vielleicht effizienter in der Ausbeutung von Menschen, das ist dann aber auch schon alles!
    Das ist natürlich kein Argument, sondern eine bloße Behauptung, aber gerade deswegen ist eine offene gesellschaftliche Debatte dringend notwendig!

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    1. und warum sind dann alle aus der ddr in die brd abgehauen und nicht umgekehrt? warum sind die ganzen gastarbeiter (auch aus sozialistischen staaten) nicht in die ddr gegangen? warum sind die standards in den neuen bundesländern heute noch niedriger als in den alten?

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  5. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, "an was Menschen glauben", Jene hierzulande, die das Wirtschaftswunder auf der einen und die Planwirtschaft mit ihren "Versorgungsmängeln" auf der anderen Seite erlebt haben, kommen in die Jahre, aber haben das Denken nicht verlernt und sind viel mehr arg ins Grübeln darüber gekommen, ob das, was gegenwärtig als "Demokratie" zelebriert wird, der Weisheit letzter Schluß sein müßte. Die jeweils Herrschenden neigen, wenn ihre Probleme und Schwierigkeiten groß werden, zu rechten also faschistischen Methoden. Auf der anderen Seite ist der Gedanke an die Republik, als die res publica, die Sache des Volkes, nicht tot zu kriegen. Er mag in der so genannten Großen Französischen Bürgerlichen Revolution blutig aufgeschienen sein, in der Pariser Kommune wurde er zum ersten Male Realität, die RÄTE-Republik. Sie steht auf der Tagesordnung und sie ist vereinbar mit einem "starken Mann" oder einer "starken Frau" an der Spitze. Das Licht kommt wieder einmal aus dem Osten. Darüber wird zu reden sein.

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    1. der "starke mann" ist eine faschistoide idee erster güte. es ist praktisch das, was den faschismus ausmacht. ich verstehe nicht, wie manche leute das übersehen können. wenn die sozialistische planwirtschaft nicht eingeführt wird, und das wird sie oft nicht, weil man ihre ineffizienz erkennt, dann bleibt mit dem "starken mann" an der spitze nur ein faschistisches system übrig.
      es geht nicht darum welche form die republik annimmt, sondern wie ihre machthaber an die spitze kommen und welche grenzen ihren befugnissen gesetzt sind.

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  6. Jetzt verstehen sie allmählich dass Planwirtschaft nicht so schlecht war und unter immensen Druck von Westen , wie wettrüsten und Stellvertreter-Kriege in der ganzen Welt geschwächt wurde und 'Wohlstand's-Propaganda (Bananen!) tat das Übrige. Nach ernüchterung sehen viele dass sie betrogen worden sind und irregeleitet und es nur darum ging, deren Schätze ungehindert zu plündern und nich um echte Freiheit.

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    1. kriege und wettrüsten sind eine zweiseitige angelegenheit, d.h. auch der westen hätte schaden nehmen müssen. wenn es das system aus irgendwelchen unerfindlichen gründen mehr gefährdet hätte als die westlichen systeme, dann hätten die sowjets auf expansion ihres einflussbereiches verzichten und auf nukleare abschreckung setzen können. das haben sie aber nicht, denn das übergroße militär brauchte einen rechtfertigungsgrund für seine existenz, weil es ja auch zur unterdrückung des eigenen volkes nötig war. die probleme sind jetzt verschwunden, aber ich denke nicht, dass die ex-sozialistischen staaten wie china und russland heute unter weniger aufrüstungsdruck stehen als damals.

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  7. Wenn man hier in der Bundesrepublik, die Menschen fragt, wer Merkel gewählt hat, so sind es auch nur ein paar Prozent, die zugeben, sie gewählt zu haben. Nach 1945 gab es auch niemand, der die NSDAP und Adolf Hitler gewählt hätte. Bei der nächsten Wahl, werden die Herdentiere, brav das wählen, was die Medien, ihnen vorgeben.

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  8. Ja, die Leute sehen immer nur die Fehler des aktuellen Systems und möchten dann das alte, das sie abgeschafft hatten, wieder haben. Und so pendeln viele Länder immer zwischen den Extremen hin und her.

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