Montag, 23. März 2015

Das Schweigen brechen über Kolumbien und uns

Das ist doch genau, was die USA so lieben - wenn die Braunen, Schwarzen, Gelben und Roten sich gegenseitig massakrieren. Da ist ihnen nichts zu teuer. Und wenn die Opfer dann noch 'Kommunisten' sind - umso besser. Dann sind die Täter 'unsere Guten'. Wie in Chile, Honduras, den Philippinen und ganz große Klasse waren 'unsere Jungs' in Indonesien, wo sie gleich ein paar Millionen abgemurkst haben. Das hätten sie am liebsten in jedem Land der Welt: Marionetten, die ihre eigenen Leute killen. So wie die Faschisten in der Ukraine - wenn es nur nicht solche Waschlappen wären.

Joe Emersberger
7. März 2015

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

US-Hilfe lohnt sich


Laut neuesten Daten der UNHCR leben 200 000 Kolumbianer in Venezuela als Flüchtlinge - aber nur 237 Venezolaner als Flüchtlinge in Kolumbien [1]. Wenn ihr euch auf die internationalen Medien verlasst, kann man euch verzeihen, wenn ihr glaubt, dass es andersherum sein müsste - dass Kolumbien hunderttausende Venezolaner hat, die aus ihrem Land geflohen sind [2].

Seit Beginn der 1990-er Jahre hat Kolumbien, wenn man nur die im eigenen Land begangenen Verbrechen bedenkt, die schlimmste und größte Liste von Menschenrechts-Vergehen in der westlichen Hemisphäre (im Gegensatz zu Ken Roths irrer Versicherung, dass Venezuela und andere Länder des ALBA-Blocks die "übelsten" sind). Die kolumbianische Armee und die rechten Paramilitärs, die eng miteinander verknüpft sind, begehen die große Mehrzahl an Grausamkeiten in einem Bürgerkrieg, der seit Jahrzehnten tobt. Privat haben US-Beamte geschätzt, dass hunderttausende von ihnen getötet worden sind. Diese Massaker haben wahrlich genozidale Ausmaße erreicht im Fall von indigenen Gruppen, die beinahe ausgelöscht worden sind. Kolumbiens Bevölkerung an Menschen, die im eigenen Land vertrieben wurden, beträgt fast 6 Millionen, die höchste in der Welt für 2012.
Wenn ihr Daniel Kovaliks sorgfältige Arbeit lest, werdet ihr verstehen, warum Kolumbiens Menschenrechtsbilanz so verheerend ist und gleichzeitig weithin ignoriert wird. Kolumbien ist großzügig von der US-Regierung finanziert und unterstützt worden -  und deswegen von den internationalen Medien als "brave Jungs" dargestellt worden. Im September vergangenen Jahres haben die Herausgeber der New York Times Kolumbien als das Land ausgewählt, das "die Bemühungen leiten sollte, Caracas daran zu hindern, die Region zu repäsentieren, wenn es doch zu einer Belastung wird".

Die NYT-Herausgeber haben Null "Belastung" festgestellt, als US-General John Kelly kürzlich dem Kongress erzählte von "der Schönheit, Kolumbien zu haben - sie sind so gute Partner, vor allem im militärischen Bereich sind sie wirklich so gute Partner für uns. Wenn wir sie fragen, irgendwo hinzugehen und Mexikaner, Hondurianer, Guatemalteken, Panamaer zu tränieren, dann tun sie, es ohne Fragen zu stellen. Und sie machen es allein. Sie sind so dankbar für das, was wir für sie getan haben. Und was wir getan haben, war wirklich sie 20 Jahre zu ermutigen und sie haben einen großartigen Job geleistet."

General Kelly hätte noch die internationalen Medien seiner Liste "großartiger Partner" hinzufügen sollen. Sie haben die meisten Menschen im Dunklen gelassen über die Massenmörder, die von den US (und englischen und kanadischen) Regierungen seit vielen Jahren unterstützt wurden.

Eine sehr neue Erklärung von Human Rights Watch (HRW) pries auch Kolumbien. HRW sagte, "die UNASUR und die große Mehrheit der lateinamerikanischen Regierungen haben geschwiegen über die Menschenrechts-Situation in Venezuela. Im Januar hat die Regierung von Kolumbien dieses kollektive Schweigen endlich gebrochen ..."

Die lateinamerikanischen Regierungen haben nicht geschwiegen. Ihre kollektiven Erklärungen haben die Äußerungen der US-Regierung zur Situation, die von der HRW nachgeplappert wurden, zurückgewiesen. Die Finanzierung der US-Regierung der Gräueltaten in Kolumbien ist nur eine der ungezählten Fakten, die die Obszönität der HRW entlarvten, nach der die USA die "entschiedendste Verfechterin der Menschenrechte" seien.

Eine der seltenen Perioden seit 1990, als die Gräueltaten in Kolumbien in der Hemisphäre übertrumpft wurden, war in Haiti nach dem US-inszenierten Coup zum Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten Jean Bertrand Aristide am 29. Februar 2004. HRW war nicht gegen den Coup, sondern forderte noch mehr Feuerkraft für die UN-Truppen, um die von den USA installierte Diktatur zu konsolidieren (mit entscheidender Hilfe von Frankreich und Kanada). Ihr könnt genauso gut die Einzelheiten der Quanten-Physik aus den Medien erfahren wollen wie die Wahrheit über den Coup von 2004 in Haiti, dessen Jahrestag gerade hinter uns liegt.

Friedensgespräche, die in Havana stattfinden, könnten möglicherweise Kolumbiens Bürgerkrieg beenden - und damit die USA eines "großartigen Verbrechens-Partners" berauben. Doch Dan Kovalik erinnert uns, dass Bill Clintons "Kolumien-Plan inmitten von Friedensgesprächen zwischen Kolumbiens Regierung und den FARC-Guerillas gestartet wurde und damit eine Schlüsselrolle beim Scheitern dieser Gespräche spielte".

Die Menschenrechts-Bilanz der USA zuhause ist furchtbar in manch wichtiger (und schnell sich verschlechtender) Weise, aber wenn man die Opfer jenseits ihrer Grenzen mit einschließt, dann ist die USA unbestreitbar der gefährlichste gescheiterte Staat der Welt. Sie könnte nicht so barbarisch handeln, wie sie es tut, ohne eine Menge Hilfe - von anderen reichen Staaten wie Kanada und England, den Medien und ans Establishment gebundene NGOs wie der HWR.

Wie John Pilger eloquent darlegte, handeln die großen imperialen Staaten mit solcher Brutalität und Rücksichtslosigkeit, ihre Täuschungen und Lügen werden so ununterbrochen von den Medien verbreitet, dass wir alle schwer bedroht sind. Ich denke, dass die meisten Menschen anständig genug sind, nicht im eignen Interesse Argumente zu verlangen, um die Verbrechen ihrer Regierung zu bekämpfen. Sie können jedoch nichts bekämpfen, von dem sie nicht einmal etwas wissen.

Fußnoten:


1. Ecuador hat weitere ca. 100 000 kolumbianische Flüchtlinge laut UNHCR.

2. Venezuelas Wanderbewegung ist in der Chavista-Ära (nach 1999) positiv gewesen. Hunderttausende Menschen mehr sind nach Venezuela eingewandert als emigriert sind. In Kolumbien ist das Gegenteil der Fall; seit 1999 ist eine halbe Million Menschen mehr ist aus Kolumbien geflohen als eingewandert sind.



Quelle - källa - source
Und diese Quelle beruht wiederum auf 'La Nueva Televisión del Sur C. A. (TVSUR)'.

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