Montag, 3. September 2012

16 Yanomani massakriert, während Shell die Erlaubnis zur Ölbohrung in der Arktik erhält

ACHTUNG: KORREKTUR - gerade lese ich hier die Nachricht, dass Survival International einräumen musste, dass es KEIN MASSAKER gegeben hat. Die sonstigen Informationen in diesem Artikel behalten aber ihre Gültigkeit.

Den Schriftsteller, Künstler und Aktivisten Subhankar Banerjee schätze ich sehr. Wenn ihr auf seinen Namen hier unten klickt, erfahrt ihr mehr über ihn. Hier nun ein sehr guter Artikel von ihm mit wertvollen Quellenangaben. Beeindruckend finde ich auch, dass sowohl er als auch die von ihm zitierte Künstlerin Claudia Andujar ihre lukrativen Karrieren aufgaben, um ihr Leben der Hilfe für indigene Völker und dem Schutz der Umwelt zu widmen. Und beide haben Teilsiege errungen, doch für den großen Sieg werden wir alle gebraucht. 
Wie ihr weiter unten seht, musste ich den Titel des Guardian-Artikels ändern, da sich die Zahl 80 als unrichtig herausstellte. Dem Guardian traue ich zu, dass er die Zahl erfunden hat, um Chavez eins auszuwischen (was er zu gern tut), wohl wissend - aber verschweigend - dass Venezuela eine der allerfortschrittlichsten Gesetze zum Schutz der indigenen Bevölkerungen hat. Und nicht nur Gesetze, sondern man hat auch konkrete, fabelhafte Maßnahmen ergriffen.

Subhankar Banerjee

31. August 2012

Es war ein schmerzvoller Tag für mich. Zwei Nachrichten kamen heute früh: eine über das Massaker an 16 Yanomami-Menschen in einer Siedlung am Amazonas und die andere über Obama, der Shell grünes Licht für Ölbohrungen im arktischen Meer gibt. Beides sind Ressourcen-Kriege, die zum Tod führen – von Menschen und/oder Tieren, langsam oder schnell, der eine, um Gold zu bekommen, der andere um Erdöl.

„Ein Massaker von bis zu 80 Yanaomami hat im venzolanischen Staat Amazonas stattgefunden“, berichtete der Guardian. [Diese Nachricht hat sich als falsch herausgestellt – es waren „NUR“ 16 Menschen. Siehe meinen Artikel von gestern.] „Laut örtlichen Zeugen überflog ein bewaffneter Goldgräbertrupp im Hubschrauber die Irotatheri-Siedlung im hochgelegene Ocamo-Gebiet und eröffnete das Feuer und warf Sprengstoff.“
Survival International, eine NGO in London, die mit indigenen Gemeinden in der ganzen Welt arbeitet (ich habe mit meinen Fotos aus der Arktik zu ihren Kampagnen beigetragen) erklärte: „Zeugen berichteten von 'verbrannten Leichen und Knochen', als sie die Siedlung Irotatheri in der Momoi-Region nahe der Grenze zu Brasilien besuchten.“

Beispiele von Claudias Yanomami Fotos
Heute leben ca. 20 000 Yanomami in kleinen Gemeinschaften im Amazonas-Regenwald an der Grenze von Venezuela und Brasilien. Ich hörte von den Yanomami zum ersten Mal durch die bemerkenswerten Fotos der Künstler-Aktivistin Claudia Andujar (siehe diese Seite mit ihren Fotos). Sie gab in den 70-er Jahren ihre Karriere als Fotojournalistin auf und begann mit einem tief-schürfenden Foto-Essay über das Yanomami-Volk. In jener Zeit wurde sie Zeuge von „einer der bedeutendsten kulturellen Veränderungen in der Geschichte des Yanomami-Volkes, als die Regierung mit dem Bau der transkontinentalen Schnellstraße in Nordbrasilien begann. Dörfer wurden platt gemacht, um Platz für Straßen zu schaffen, und das Yanomami-Volk litt unter einer verheerenden Masern-Epidemie“.


Dann kam in den 80-er Jahren eine neue Verheerung über die Heimat der Yanomami, als Tausende von garimpeiros, illegale Goldgräber in den Amazonas kamen, um ihr Glück zu versuchen. Zwanzig Prozent der Yanomami starben in Folge des Eindringens der Goldgräber. Und dieser Abbau im Kleinstmaßstab führte auch zu Umweltzerstörung. Durch eine 15-jährige Kampagne, in der Andujars Arbeit eine wesentliche Rolle spielte, konnte 1992 mit Hilfe brasilianischer Anthropologen und Survival International die brasilianische Regierung den Yanomami Park „zum Schutz und Nutzen des Yanomami-Volkes“ einrichten.


Das Juli-Massaker vernichtete eine ganze indigene Siedlung. Nicht zum ersten Mal. Eines der schlimmsten Massaker an Indios hatte in den frühen Morgenstunden des 30. April 1871 stattgefunden, das unter dem Namen Camp Grant Massaker bekannt wurde, bei dem 150 Apachen, einschließlich Kinder, Alte und Frauen, einer einzigen Siedlung im Aravaipa Canyon in Arizona brutal getötet wurden.

Der Historiker Karl Jacoby schreibt über diesen Vorfall in seinem eindrucksvollen Buch 'Shadows at Dawn: A Borderlands Massacre and the Violence of History'. Auf der 'Companion Website' [für den Schulunterricht gedacht. D. Ü.] kann man etwas darüber erfahren, was Jacoby „die bekannteste und doch die meist übersehene Sache der amerikanischen Geschichte nennt – die Gewalt gegen die Indianer“.

Es wird dauern, um ein genaues Bild vom Yanomami-Massaker zu erhalten, aber eines ist sicher, es ist ein tragischer Fall von Ressourcen-Kriegen – Gold in diesem Fall. Unglücklicherweise werden solche Ereignisse in den kommenden Jahrzehnten zunehmen, weil viele der letzten übriggebliebenen Ressourcen auf dem Land liegen, das von indigenen Gemeinden bewohnt wird oder in Ozeanen, von denen indigene Gemeinden abhängig sind – Amazonas, Arktik, indische Urwälder … Kleine illegale Gruppen von garimpeiros oder große von Regierungen unterstützte Unternehmen werden alles tun, um alles zu zerstören und menschliche und nicht-menschliche Gemeinschaften zu verjagen, um an diese Ressourcen zu kommen.

Ressourcen-Kriege verbinden die Yanomami des Amazonas mit den Inupiat der Arktik. Am 30. August 2012 hat Obama der Shell grünes Licht gegeben, um mit Bohrungen im arktischen Meer zu beginnen – der Beaufort und Chukchi See in Alaska. 'Shells spill response barge' [Frachtschiff zum Einsatz bei Ölkatastrophen. D. Ü.] liegt immer noch in Bellingham/Washington und wartet auf die Genehmigung der US-Küstenwache. Die US-Verwaltung hat ihre Zustimmung in einen abschwächenden Satz gehüllt und nennt es „vorbereitende Arbeit“. Das bedeutet, dass Shell jetzt mit dem Bohren beginnen wird, aber man wird nicht bis in die Ölschicht vordringen, bevor der Arctic Challenger genehmigt ist und vor Ort eintrifft, was bald geschehen soll.

Ich habe ausführlich über Shells arktische Bohrungen seit Mai 2010 geschrieben, was ihr hier lesen könnt. Dies ist die Hauptsorge: die Obama-Verwaltung, Shell und die Medien konzentrieren sich alle auf Details, um die Öffentlichkeit von den eigentlichen Fragen abzulenken, deren wesentlichste ist, dass die Verwaltung keine Erklärung zur Auswirkung auf die Umwelt beim Bohren in arktischen Gewässern abgegeben hat, und niemand weiss, wie man eine Leckage unter dem Eis bei den harten Bedingungen in der Arktik säubern soll.

Während ich dies schreibe, liegen auf meinem Tisch zwei Bücher. Das erste heisst: 'Arctic National Wildlife Refugee Coastal Plain Resource Assessment Final Report: Baseline Study of the Fish, Wildlife, and their Habitats, Volume 1'. Es ist ein 392 Seiten-Report mit Kapitelüberschriften wie 'Böden und Vegetation', 'Vögel', 'Säugetiere', 'Fische', 'Menschliche Kultur und Lebensart' und 'Auswirkungen der weiteren Exploration, Entwicklung und Ausbeutung der Öl- und Gasreserven'. Trotz der Tatsache, dass die Reagan-Verwaltung Wissenschaftler drängte, arktische Bohrungen zu fördern, hat seine Verwaltung diesen ausführlichen Report 1986 veröffentlicht. Daraus lernte ich viel über die arktische Ökologie.

Das zweite Buch heisst: 'Cumulative Environmental Effects of Oil and Gas Activities on Alaska's North Slope'. Es ist ein 288 S. Buch, das von dem National Research Council veröffentlicht wurde mit Kapitelüberschriften wie 'Die menschliche Umwelt', 'Umwelt der Alaska-Nordküste', 'Geschichte der Öl- und Gasaktivitäten', 'Künftige Öl- und Gasaktivitäten', 'Auswirkungen auf die physische Umwelt', „Auswirkungen auf die Vegetation', 'Auswirkungen auf die Tiere', ' Schließen von Wissenslücken' und 'Größere Auswirkungen und ihre Akkumulation'. Trotz der Tatsache, dass die George W. Bush-Verwaltung Wissenschaftler des Bundes antrieb und größere wissenschaftliche Berichte manipulierte, um arktische Bohrungen zu fördern, veröffentlichte seine Verwaltung diesen Bericht 2003. Es war der erste seiner Art und ist nach wie vor die gelehrteste Veröffentlichung über die kumulativen Auswirkungen der Öl-Entwicklung in der arktischen Tundra. Beide Berichte drehen sich um die terrestrische Umwelt in der Alaska-Arktik. Nichts Vergleichbares gibt es über die Beaufort- und Chukchi-See, die Heimat von mehr als 10 000 gefährdeten Grönlandwalen und mehr als 60 000 Beluga-Walen, beinahe 4000 bedrohten Eisbären, Zehntausenden von Robben und Walrossen und Hunderttausenden von Seevögeln, um nur ein paar Arten zu nennen. Das Inupiat-Volk ist abhängig von dem Ozean, den es „den Garten“ nennt, für ihr ökonomisches, kulturelles und geistigen Überleben.

Wenn man nun die Obama-Verwaltung fragt, ob es einen Report über den arktischen Ozean gibt wie die 'Arctic Refuge baseline study', dann wäre die Antwort: 'nada', 'zero', 'zilch', 'zippo', zot', 'golla' (das ist bengalisch). Am 13. September 2010 schrieb Seth Borenstein in einer Story der Associated Press: „Zehntausende Walrosse sind in Norwestalaska an Land gekommen, weil das Seeis, auf dem sie normalerweise ruhen, geschmolzen ist. Wissenschaftler von zwei Bundesbehörden sind am meisten besorgt über die eine Tonne schweren weiblichen Walrosse, die übereinander klettern und einander und die Jungen zerdrücken in der Nähe von Point Lay/Alaska an der Chukchi-See. Die Bundesregierung überlegt seit einem Jahr, ob man die Walrosse auf die Liste der gefährdeten Arten setzen solle.“

Seither haben wir mehr als hundertmal gehört, dass Shell mehr als 4 Mrd. Dollar in das Arktik-Unternehmen gesteckt hat, aber hat man gehört, was mit den Walrossen passiert? Im vergangenen Jahrzehnt hat die arktische Erwärmung die ökologische und kulturelle Dynamik des Nordens signifikant verändert, und wir haben noch kein umfassendes Verständnis dieser rapiden Veränderungen, aber Shell will jetzt bohren, dank der Obama-Verwaltung.

Wie ist es möglich, dass Obama die gefährlichste Form des Bohrens irgendwo auf Erden ohne eine umfassende Studie des arktischen Ozeans gutheißen kann, noch dazu durch eine Gesellschaft, die große Zerstörungen im Niger-Delta und für das indigene Volk der Ogoni verursacht? Erlaubt mir zu raten. Indem er Shell das Bohren erlaubt, hat Obama den Umweltorganisationen und uns einen Schlag ins Gesicht gegeben. Er glaubt, dass er es sich nicht leisten kann, Shell zu verärgern (das Unternehmen könnte zu viel Geld ausgeben, um ihm die Wiederwahl zu vermasseln), aber er kann es sich leisten, die Umweltgemeinde zu erzürnen, die er (meine Vermutung) für ' kümmerlich' hält, weil sie nie Obama herausforderte, immer nur höflich wieder und wieder an ihn appelierte. Stellt euch die Wut vor, die von den Grünen ausgegangen wäre, wenn ein republikanischer Präsident/in die Dinge gemacht hätte, die Obama getan hat: er hat überhaupt nichts in Sachen Klimawandel getan und hat nicht einmal das Wort in der Erklärung zum Tag der Erde 2012 genannt. Man erinnere sich, dass seine Top-Klimaberaterin Carol Browner zurücktrat, nachdem sie merkte, dass sie unter seiner Verwaltung nichts bewirken würde; er hat das Powder River Basin in Wyoming an König Kohle verkauft – ein vollständig unnötiger Akt: er hat den Bau der südlichen Hälfte der Keystone XL Erdöl-Pipeline gebilligt und jetzt das Bohren in der Arktik.

Caroline Cannon, Inupiat-Älteste und Gemeindeführerin schrieb in ihrem Zeugnis in der kürzlich veröffentlichten Anthologie 'Arctic Voices: Resistance at the Tipping Point', die ich herausgab: „Man hat das Gefühl, als ob die Regierung und Industrie uns vergessen machen will, wer wir sind, worauf wir ein Anrecht haben und was wir verdienen. Sie überschütten uns ständig mit Informationen, Forderungen und Fristen und es scheint, als ob sie hofften, dass wir entweder aufgeben oder kämpfend sterben. Wir geben nicht auf. Wir müssen kämpfen.“

Das Schicksal der indigenen Gemeinden in der ganzen Welt ist durch die destruktiven Ressourcen-Kriege miteinander verbunden. Lange Zeit haben die dominierenden Kulturen die Mitglieder indigener Gemeinden als 'Barbaren' bezeichnet. Ist ein Yanomami ein Barbar? Ist ein Inupiaq ein Barbar? Ist ein Gangster einer plutokratischen Gesellschaft ein Barbar? Es ist an der Zeit, dass wir das Wort 'Barbar' auf den Kopf stellen. Indigenen Gemeinschaften bleibt nichts anderes als zu kämpfen und der Zerstörung zu widerstehen.

Quelle - källa - source

Kommentare:

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