Samstag, 25. Januar 2014

Der geheime Krieg in Libyen

Eric Draitser

23. Januar 2014

Rot: von Regierung kontrolliert, schwarz von al Qaida und grün vom Widerstand

Die Kämpfe, die gegenwärtig im Süden Libyens stattfinden, sind nicht bloße Stammes-Zusammenstöße. Stattdessen stellen sie eine mögliche aufkeimende Allianz zwischen schwarzen libyschen ethnischen Gruppen und pro-Gaddafi- Kräften dar mit der Absicht, ihr Land von der neokolonialen NATO-installierten Regierung zu befreien.

Am Samstag, den 18. Januar, stürmte eine schwer bewaffnete Gruppe von Kämpfern eine Luftwaffenbasis außerhalb der Stadt Sabha in Südlibyen, warf die loyalen „Regierungs“ Kräfte von Premierminister Ali Zeidan hinaus und besetzte die Basis. Gleichzeitig kamen Berichte aus dem Inneren des Landes herein, dass die grüne Fahne der Großen Sozialistischen Arabische Jamahiriya des Libyschen Volkes wieder in einer Anzahl von Städte wehte. Trotz des Mangels an verifizierbarer Information – die Regierung in Tripolis lieferte nur vage Details und Bestätigung – ist eines sicher: der Krieg in Libyen geht weiter.

Vor Ort

Libyens Premier Ali Zeidan berief eine Dringlichkeitssitzung des General-National-Kongresses ein, um eine landesweite Alarmstufe auszurufen nachdem die Nachricht von der Erstürmung der Basis eintraf. Der Premier erklärte, dass er Truppen nach Süden geschickt habe, um die Rebellion zu unterdrücken. Zu Reportern sagte er, dass „diese Konfrontation noch läuft, aber in wenigen Stunden gelöst sein wird“.

Ein Sprecher des Verteidigungsministers behauptete, dass die Zentralregierung die Kontrolle über die Basis zurückgewonnen habe. Er erklärte, dass „Kräfte wurden bereitgesellt und Flugzeuge eingesetzt … Die Situation im Süden gab einigen Kriminellen … loyal zum Gaddafi-Regime, die Chance, dies auszunutzen und die Tamahind Luftwaffenbasis anzugreifen … Wir werden die Revolution schützen und das libysche Volk“.

Außer dem Angriff auf die Basis hat es Angriffe auf Mitglieder der Regierung in Tripolis gegeben. Der größte Fall war die kürzliche Ermordung des stellvertretenden Industrieministers Hassan al-Droui in Sirte. Obwohl es noch unklar ist, ob er von islamistischen Kräften oder dem grünen Widerstand getötet wurde, ist es doch ein eindeutiges Faktum, dass die Zentralregierung angegriffen wird und nicht in der Lage ist, wirkliche  Autorität auszüben und dem Land Sicherheit zu geben.

Viele haben spekuliert, dass seine Ermordung bewusst geschah und nicht ein isoliertes Ereignis ist als Teil eines zunehmenden Widerstands, in dem pro-Gaddafi-Anhänger eine wichtige Rolle spielen. Der Anstieg des grünen Widerstands in Sabha und sonstwo ist nur ein Teil eines größeren und komplexeren politischen und militärischen Kalküls im Süden, wo eine Anzahl von Stämmen und verschiedenen Gruppen sich gegen das erhoben haben, was sie korrekterweise als ihre politische, ökonomische  und soziale Marginalisierung ansehen.

Gruppen wie die Tawergha und Tobon, beides schwarz-afrikanische Gruppen, haben scheußliche Angriffe seitens der arabischen Milizen erlebt und keine Untersttützung von der Regierung erhalten. Nicht nur sind diese und andere Gruppen Opfer ethnischer Säuberung geworden, sondern sind auch systematisch von der Teilnahme am politischen und ökonomischen Leben Libyens ausgeschlossen worden.

Die Spannungen spitzten sich früher im Monat zu, als ein Rebellenchef des arabischen Awled Stammes Sleiman getötet wurde. Statt einer offiziellen Untersuchung oder ordentlichen Prozesses griff der Awled Stamm seine schwarzen Toubou-Nachbarn an unter dem Vorwand, dass sie an dem Mord beteiligt wären. In den folgenden Zusammenstößen sind Dutzende um das Leben gekommen, was wieder einmal demonstrierte, dass die herrschenden arabischen Gruppen immer noch ihre dunkelhäutigen Nachbarn nicht als Landsleute ansehen.

Das hat zweifellos zu einer Reorganisation der Allianzen in der Region geführt zwischen Toubou, Tuareg und anderen schwarzen Minderheiten, die den Süden Libyens bewohnen sowie den nördlichen Tschad und Niger, die sich mit den pro-Gaddafi-Kräften verbinden. Ob diese Allianzen formell sind oder nicht, bleibt abzuwarten. Aber offenbar sind viele Gruppen in Libyen sich bewusst geworden, dass die von der NATO installierte Regierung ihre Versprechen nicht einhält und dass etwas getan werden muss.

Die Rassen-Politik in Libyen

Trotz der hochgestochenen Rhetorik der westlichen Interventionisten bezüglich „Demokratie“ und „Freiheit“ ist die Realität weit davon entfernt, besonders für die dunkelhäutigen Libyer, die erlebten, wie ihr sozioökonomischer und politischer Status mit dem Ende der Jamahiriya Regierung Muammar Gaddafis geringer wurde. Während diese Völker ein großes Maß an politischer Gleichheit und gesetzlichen Schutz unter Gaddafi genossen, sind ihnen in der nach-Gaddafi-Ära ihre Rechte genommen worden. Statt in einen neuen demokratischen Staat integriert zu werden, sind die schwarzen Libyer systematisch ausgeschlossen worden.

Tatsächlich hat sogar Human Rights Watch – eine Organisation, die in nicht geringem Maße dazu beitrug, den NATO-Krieg zu rechtfertigen, indem sie fälschlich behauptete, dass die Gaddafi-Armee Vergewaltigung als Waffe benutzte und einen „imminenten Genozid“ vorbereite – berichtet, dass „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit von massenhafter Vertreibung unvermindert weitergehe, da vor allem die Misrata-Milizen verhindern, dass 40 000 Menschen aus der Stadt Tawergha heimkehren können, von wo sie 2011 vertrieben wurden.“ Diese Tatsache, in Verbindung mit schrecklichen Geschichten und Bildern von Lynchmorden, Vergewaltigungen und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zeigen ein düsteres Bild des Lebens in Libyen für diese Gruppen.

Der Bericht von Amnesty International von 2011 dokumentierte eine Anzahl flagranter Kriegsverbrechen, die von sogenannten „Freiheitskämpfern“ durchgeführt wurden, die, obwohl westliche Medien sie als „Befreier“ beschrieben haben, die Gelegenheit des Krieges nutzten, Massen- Exekutionen an schwarzen Libyern und rivalisierenden Klans und ethnischen Gruppen zu verüben.

Das steht natürlich in starkem Kontrast zur Behandlung der schwarzen Libyer unter der Gaddafi-Regierung, die  vom Menschenrechtsrat der UNO in ihrem Bericht von 2011
über den grünen Klee gelobt wurde, in dem es hieß, dass Gaddafi sich sehr bemüht habe, ökonomische und soziale Entwicklung zu sichern und vor allem ökonomische Gelegenheiten und politischen Schutz schuf für die schwarzen Libyer und Gastarbeiter aus den benachbarten afrikanischen Ländern.

Wenn man das bedenkt, ist es da ein Wunder, wenn 2011 ein Gaddafi Tuareg-Kämpfer zu Al Dschasira sagte: „Für Gaddafi kämpfen ist wie wenn ein Sohn für seinen Vater kämpft … [Wir werden] bereit sein für ihn zu kämpfen bis zum letzten Blutstropfen.“

Wenn die Toubou und andere schwarze ethnische Gruppen mit arabischen Milizen zusammenstoßen, muss man ihren Kampf im Zusammenhang mit dem Kampf für Frieden und Gleichheit verstehen. Über diese Tatsache hinaus, dass sie diese Form des bewaffneten Kampfes wieder aufnehmen müssen, verdeutlicht dieser Punkt das, was von vielen internationalen Beobachtern schon zu Beginn des NATO-Krieges gesagt wurde: Bei NATOs Aggression ging es nie um den Schutz von Zivilisten oder Menschenrechte, sondern um Regimewechsel aus ökonomischen und geopolitischen Interessen. Dass die Mehrheit der Bevölkerung einschließlich der schwarzen Minoritäten heute viel schlimmer dran ist, als sie es jemals unter Gaddafi war, ist eine Tatsache, die aktiv unterdrückt wird.

Schwarz, grün und der Kampf um Libyen

Es wäre anmaßend anzunehmen, dass die militärischen Siege der pro-Gaddafi grünen Widerstandskämpfer in den jüngsten Tagen von Dauer sein oder dass sie eine unumkehrbare Veränderung in der politischen und militärischen Landschaft des Landes darstellen werden. Obwohl die Marionettenregierung in Tripolis äußerst unstabil ist, wird sie ökonomisch und militärisch von einigen der mächtigsten Interessen der Welt unterstützt, was es schwierig macht, sie einfach mit ein paar kleinen Siegen zu stürzen.

Doch zeigen diese Entwicklungen eine interessante Veränderung vor Ort. Zweifellos gibt es ein Zusammenwachsen zwischen schwarzen Minoritäten und grünen Kämpfern, da sie die Stammes-Milizen, die am Sturz Gaddafis mitwirkten, und die Regierung in Tripolis als ihren Feind erkennen. Ob es zu einer festen Allianz kommt, wird man sehen.

Würde sich jedoch eine solche Allianz entwickeln, könnte das ein entscheidender Moment im fortlaufenden Krieg in Libyen werden. Wie die grünen Widerstandskämpfer in Sabha gezeigt haben, sind sie in der Lage, sich im Süden des Landes zu organisieren, da sie dort ein großes Maß an Unterstützung des Volkes genießen. Man könnte sich eine Allianz im Süden vorstellen, die in der Lage wäre, die Region in ihre Hand zu bekommen und ihre Macht zu konsolidieren und einen de facto unabhängigen Staat zu gründen. Natürlich würden die NATO und ihre Apologeten schreien, dass sei antidemokratisch und konterrevolutionär. Das wäre verständlich, weil dadurch ihr Ziel eines geeinten Libyen,  das sich dem Finanzkapital und den Ölinteressen unterwirft, unerreichbar wird.

Man sollte sich hüten, zu viele Vermutungen über die Situation im heutigen Libyen anzustellen, da verlässliche Details schwer zu erhalten sind. Genauer noch, so haben die westlichen Medien versucht, die Tatsache, dass es einen grünen Widerstand überhaupt gibt, geschweige, dass er aktiv ist und Siege erringt, vollständig zu verschweigen.  Aber das bedeutet nur, dass der Krieg in Libyen weitergeht, ob die Welt das zugibt oder nicht. 



Eric Draitser ist der Gründer von StopImperialism.com. Er  ist ein unabhängiger geopolitischer Analytiker aus New York. Er ist zu erreichen unter ericdraitser@gmail.com.


Quelle - källa - source

Hier gebe ich eine zusätzliche Quelle an 2012, auch mit Nachrichten, von denen hier nicht die Spur zu lesen war.

Kommentare:

  1. So grausam war Gaddafi
    Was der Diktator und Tyrann Gaddafi seinem Volk alles antat, wird jetzt täglich Stück für Stück bekannt. Hier eine Aufzählung seiner Grausamkeiten unter denen die Libyer 4 Jahrzehnte leiden mussten.
    1. Es gab keine Stromrechnung in Libyen. Strom war kostenlos für alle Bürger.

    2. Es gab keine Zinsen auf Kredite. Die staatlichen Banken vergaben Darlehen an alle Bürger zu null Prozent Zinsen per Gesetz.

    3. Ein Heim/Zuhause zu haben galt als ein Menschenrecht in Libyen.

    4. Alle Frischvermählten in Libyen erhielten 50.000 US-Dollar. Dieses Geld sollte den Menschen ermöglichen ihre erste Wohnung zu kaufen. Die Regierung wollte so zum Start einer Familie beitragen.

    5. Bildung und medizinische Behandlungen waren frei in Libyen. Bevor Gaddafi an die Macht kam konnten nur 25 Prozent der Libyer lesen. Heute liegt die Zahl bei 83 Prozent.

    6. Wollten Libyer in der Landwirtschaft Karriere machen, erhielten sie Ackerland, eine Bauernhaus, Geräte, Saatgut und Vieh als Schnellstart für ihre Farmen und das alles kostenlos.

    7. Wenn Libyer keine Ausbildung oder medizinische Einrichtungen finden konnten die sie benötigten, hatten sie die Möglichkeit mit der Hilfe staatliche Gelder ins Ausland zu gehen. Sie bekamen 2.300 USD im Monat für Unterkunft und Auto gezahlt.

    8. Wenn ein Libyer ein Auto kaufte, subventionierte die Regierung 50 Prozent des Preises.

    9. Der Preis für Benzin in Libyen war 0,14 $ (12 Rappen oder ca. 0,10 Euro) pro Liter.
    10. Wenn ein Libyer keine Arbeit bekam nach dem Studium, zahlte der Staat das durchschnittliche Gehalt des Berufs in dem er eine Arbeit suchte, bis eine fachlich adäquate Beschäftigung gefunden wurde..

    11. Libyen hat keine Auslandsschulden und ihre Reserven in Höhe von 150.000.000.000 $ sind jetzt weltweit eingefroren und wohl für immer verloren.
    12. Ein Teil jeden libyschen Öl-Verkaufs wurde direkt auf die Konten aller libyschen Bürger gutgeschrieben.

    13. Mütter die ein Kind gebaren erhielten 5.000 US-Dollar.

    14. 25 Prozent der Libyer haben einen Hochschulabschluss.

    15. Gaddafi startete Das "Great-Man-Made-River-Projekt" (GMMRP oder GMMR, dt. Großer menschengemachter Fluss-Projekt) in Libyen Es ist das weltweit größte Trinkwasser-Pipeline-Projekt für eine bessere Wasserversorgung von Bevölkerung und Landwirtschaft.
    Gott sei Dank haben Nato und Rebellen das libysche Volk davon befreit.
    http://www.schweizmagazin.ch/news/ausland/8852-grausam-war-Gaddafi.html

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    1. Ja da kann ich nur beipflichten bei diesem Kommentar!

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    2. Genau! Was für ein Glück, dass diese Missstände beseitigt sind. Endlich landet der Reichtum Libyens dort, wo er hingehört: bei westlichen Ölkonzernen.

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    3. Sieh mal an: angesichts der erstarkenden Jamahariya werden sofort wieder die westlichen Propaganda-Outlets aktiv. Der Focus veröffentlichte soeben: "Lybiens Sex-Hölle: In Gaddafis Sex-Kerkern stand ein Gynäkologen-Stuhl". Alles klar...

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    4. Was man von Gaddafi u.a. lernen kann, ist, dass man sich Loyakität nicht kaufen kann.Diesen Irrglauben musste der Revolutionsführer mit seinem Leben bezahlen und die NATO-Söldlinge können jetzt das and unkontrolliert ausrauben.

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