Sonntag, 12. Januar 2014

KENYA verjagt mit Gewalt indigene Völker von ihrem Land


Forest Peoples Programme

10. Januar 2014

Protest der Sengwer
Die Regierung Kenyas hat Polizeitruppen in das Embobut-Gebiet geschickt (im Landkreis Elgeyo Marakwet, West-Kenya), um gewaltsam tausende indigener Bewohner der Sengwer und Cherangany-Völker aus ihren angestammten Waldgebieten zu verjagen.
Berichte aus den Gemeinden in Embobut sprechen von einer chaotischen Situation; die Menschen werden bedroht und fliehen mit ihren Kindern und Habseligkeiten um ihr Leben. 150 Polizisten, Waldranger und Krawallpolizei führen die Vertreibung durch in den Orten Tangul, Kipsitono und Maron in der Nähe des Waldes.

Eine solche Vertreibung verstößt nicht nur gegen Kenyas Verfassung, sondern auch gegen internationales Recht über die Menschenrechte sowie gegen die Erhaltung der Biovielfalt und erneuerbare Nutzung. Obendrein verstößt sie gegen das Unterlassungsurteil des höchsten Gerichts in Eldoret, das Vertreibungen verbietet, bevor nicht die Frage der kommunalen Rechte auf ihre Land geklärt ist. Artikel 63 der kenyanischen Verfassung erkennt die Rechte der Gemeinden an auf das Land ihrer Vorväter, das sie traditionell als Jäger und Sammler bewohnen.

Ein internationaler Appell von Umwelt-und Menschenrechts-Organisationen aus Kenya, Afrika und der ganzen Welt verweist auf die Verletzung der Rechte der Gemeinden. Der Appell wurde am Montag an den Präsidenten und die Regierung von Kenya geschickt sowie an die Behörden der Vereinten Nationen, die mit Menschenrechten, Biovielfalt und dem Schutz indigener Völker zu tun haben.

Die gewaltsame Vertreibung dieser indigenen Gemeinden ist illegal – umso mehr als sie mit Gewaltakten, wie dem Niederbrennen der Häuser, der Schuluniformen, Bücher und allem Lebensnotwendigen einhergeht. Derlei gewaltsame Vertreibungen haben schon mehrfach stattgefunden (zuletzt im Mai 2013 trotz eines Unterlassungsurteils), aber diesmal meint die Regierung es ernst mit der permanenten Vertreibung dieser Gemeinden, wobei sie nicht einmal Versuche unternommen hat, die freiwillige Einwilligung der Menschen zu erlangen.

Die Regierung versucht ihre Handlungen durch gezielte Fehlinformationen zu rechtfertigen:
sie bezeichnet einfach alle dort wohnenden Menschen als Landbesetzer bzw. illegale Siedler. Und dann behauptet sie wieder, sie müsse die indigenen Gemeinden vertreiben, um die Biovielfalt der Wälder zu bewahren, da Kenyas offizielle Verpflichtungen (international anerkannt von CBD, IUCN, etc.) erforderten, dass der Staat die Waldvielfalt erhalte, indem er Praktiken unterstütze – nicht zerstöre – die an die örtliche Regeneration angepasst sind, einschließlich der Praktiken indigener Bevölkerungen, die die Wälder ihrer Ahnen seit Jahrhunderten erhalten haben. (1)

Die Regierung behauptet auch, sie haben den 'Evakuierten' Kompensation gezahlt, aber es ist international und von der kenyanischen Verfassung anerkannt, dass bei gerechter Kompensation für Ausweisung von indigenen Gemeinden die erforderlichen Regeln eingehalten werden müssen und die vorherige, freie und informierte Zustimmung der Leute eingeholt werden muss.

Diese Konsultation hat nicht stattgefunden und die Zustimmung wurde auch nicht gegeben. Stattdessen gibt es widersprüchliche Äußerungen seitens der Regierungsbehörden. Die einen sagen, off the record, dass Geld als Kompensation für Schäden gezahlt wurde durch Vertreibung und das Verbrennen von Häusern; während andere sagen (vor dem Mikro), dass alle Bewohnern verschwinden müssen.
Wenn einige Bewohner Geld für frühere Schäden angenommen haben, bedeutet das noch lange nicht, dass eine Zustimmung für gewaltsame Vertreibung gegeben wurde. (2)

Statt die Gemeinden einfach zu vertreiben, muss die Regierung sich mit den Gemeinden zusammensetzen, um Wege zu finden, um ihre Rechte zu schützen, um für den Wald zu sorgen in Übereinstimmung mit ihrem traditionellen indigenen Wissen, um ihnen dann beim Schutz des Waldes Unterstützung zu geben.

Das erfordert die kenyanische Verfassung plus der Verfassungsergänzungen, wodurch Kenyas Verpflichtungen zum integralen Bestandteil der Gesetze Kenyas werden. Sie umfassen die Gesetze der UNO und die Menschenrechts-Systeme der afrikanischen Regionen. Der Staat ist verantwortlich, das Leben, die Kultur, den Willen und das Wissen der indigenen Gemeinden in Embobut zu respektieren, deren Leben sich über Jahrhunderte angepasst hat, ihren Lebensunterhalt in den Wäldern von Embobut zu finden.


Weitere Informationen:
1/ Forest Peoples Programme web page on the urgent appeal
against the forced eviction of Sengwer/Cherangany
communities in Kenya:
http://www.forestpeoples.org/topics/rights-land-natural-
resources/news/2013/12/urgent-appeal-against-forced-eviction
-sengwerchera
Background information: How the World Bank is implicated
in Embobut Evictions:
http://www.forestpeoples.org/sites/fpp/files/news/2013/12/
2/
How%20the%20World%20Bank%20is%20implicated%20in%20today%E2%
80%99s%20Embobut%20Evictions.pdf
Timeline of events relating to the forced eviction of
Sengwer communities from the Embobut Forest area of the
Cherangany Hills, Kenya:
3/
Timeline%20re%20threatened%20eviction%20of%20communities%
20from%20Embobut%20Forest_3.pd f
The Guardian: Kenyan families flee Embobut forest to
avoid forced evictions by police
http://www.theguardian.com/global-development/2014/jan/07/kenya-embobut-forest-forced-evictions-police

For more information, please contact:

Justin Kenrick - justin@forestpeoples.org (3) (and copy in
tlomax@forestpeoples.org and gemma@forestpeoples.org )

Ville-Veikko Hirvelä – villeveikkoh1@gmail.com


Notes and references:

1. The approach to conservation that involves evicting
indigenous and local communities rather than consulting and
supporting them has long since been discredited as
counterproductive, unjust and illegal.

Evicting communities who have protected their forests for
centuries is part of the discredited ‘Fortress Conservation'
approach that has enabled outsiders to benefit from forest
destruction. IUCN - the world's pre-eminent conservation
body (to which the Kenyan Government belongs) – stresses the
‘New Conservation Paradigm'. This scientifically proven,
effective and just approach to conservation supports
ancestral communities to continue protecting their forests
and biodiversity.

2. On November 15th 2013 the President, Deputy President and
County Senator (Senator Kipchumba) visited Embobut and the
President promised 400,000 Kenyan shillings per family to
what he called the ‘Evictees' to move out of the forest[1].
On December 12th 2013, the Elgeyo Marakwet County
Commissioner, Mr. Arthur Osiya, said that “The Evictees were
given the cash and have no reason to continue staying in the
forest. By January 3rd 2014, we expect all squatters out of
that forest” (Saturday Nation, December 14, 2013, page 22).

However, the 400,000 Kenyan shillings would buy the
equivalent of 4 cows or one or two acres of land in Trans
Nzoia District. It is therefore both completely inadequate
for enabling families to secure their livelihoods and thus
hotly disputed, but not just by those who say it is
insufficient or given to the wrong people, but more
importantly because people were not consulted and their
consent has not been secured, instead they were given no
choice but simply told they are to be evicted.

Even where a financial compensation may be an appropriate
way of helping landslide victims and victims of electoral
violence (who would not be in Embobut Forest if it wasn't
for those events) to restart their lives (if that is what
they choose), it is completely wrong to seek to move the
indigenous Sengwer and Cherangany communities from their
ancestral lands on which they depend for their cultural,
social and physical existence.

3. Forest Peoples Programme:
http://www.forestpeoples.org/topics/rights-land-natural-
resources/news/2013/12/urgent-appeal-against-forced-eviction
-sengwerchera

[1] ‘How Embobut Evictees agreed to leave the Forest' page
40, Sunday Nation, November 17 2013.

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