Dienstag, 14. Januar 2014

Der anti-Imperium Report: In welchem Jahrhundert leben wir? Welchem Millennium? Welcher Welt?


William Blum, ehemalige Staatsbeamter und anti-Kommunist wurde durch den Vietnamkrieg 'umgedreht', nun ja, nicht zum Kommunisten, aber zu einem aufrechten Demokraten und anti-Imperialisten, dessen Bücher ich hier schon mehrmals empfohlen habe.¹ Einer der schärfsten Kritiker der US- Außenpolitik und einer, der auch unter dem Zustand der Welt leidet. Manchmal kommt er zu Fehleinschätzungen, wie im Fall Afghanistan, wo er den Staatscoup von Daoud Khan eine progressive Regierung nennt, die von der Sowjetunion unterstützt wurde, oder im Fall Kambodscha, wo er just die CIA-Lügen zu den Roten Khmer übernimmt. Doch da muss man meiner Meinung nach nachsichtig sein, da ihm die materialistische Geschichtsauffassung fehlt. Auf jeden Fall sieht er das Desaster, das die USA weltweit angerichtet hat und das immer noch kein Ende gefunden hat.


Der anti-Imperium Report: In welchem Jahrhundert leben wir? Welchem Millennium? Welcher Welt?


William Blum
12. Januar 2014

Letzlich kennt die Welt Amerika als den Retter der Welt!“ Präsident Woodrow Wilsen auf der Friedenskonferenz in Paris 1919


Die täglich berichteten Schrecken aus Syrien und Irak sind genug, um einen zum Heulen zu bringen; insbesondere die Gräuel, die von den al Qaida Typen verübt werden: Prügel, Enthauptungen, Fußball mit Köpfen spielen; tote Körper aufschneiden und die Organe entfernen einfach zum Spaß; Selbstmordattentate, Autobomben, der Boden mit menschlichen Körperteilen bedeckt; zahllose kleine Kinder, die für ihr Leben traumatisiert sind; die Erzwingung des Sharia-Gesetzes einschließlich des Musikverbots …

In welchem Jahrhundert leben wir? Welchem Millennium? Welcher Welt?
Leute schreiben mir manchmal, dass mein unbeirrter Antagonismus zur US-Außenpolitik fehl am Platz sei; dass, so schlimm Washingtons Museum der Schrecken ist, al Qaida doch schlimmer ist und die Welt die USA braucht, um die bösen Dschihadisten zu bekämpfen.

„Lasst mich über die sehr Reichen sprechen,“ schrieb F. Scott in einem berühmten Satz. „Sie sind anders als du und ich.“

Und lasst mich über amerikaniische Führer sprechen. Wenn sie an der Macht sind, denken sie nicht wie du und ich. Die fühlen nicht wie du und ich. Sie haben die „schlimmen Dschihadisten“ und ihre moralischen Gesinnungsfreunde seit Jahrzehnten unterstützt.

Lasst uns 1979 in Afghanistan beginnen, wo die Mudschahedin („heilige Krieger“) gegen eine säkulare, progressive Regierung kämpften, die von der Sowjetunion unterstützt wurde; eine „beliebte Taktik“ der Mudschahedin war es, „Opfer [oft Russen] zu foltern, indem sie ihnen zuerst Nase, Ohren und Genitalien abschnitten und dann einen Streifen Haut nach dem anderen abschnitten“, wodurch sie „einen langsamen, sehr schmerzhaften Tod“ erreichten.

Mit Amerikas massiver und unentbehrlicher militärischer Unterstützung in den 80-er Jahren wurde die letzte säkulare Regierung (von der die Frauen ins 20. Jahrhundert gebracht wurden) gestürzt und aus den siegreichen Mudschahedin entstand Al Qaida.

In derselben Periode unterstützten die Vereinigten Staaten die berüchtigten Khmer Rouge von Kambodscha; ja, die netten Jungs von Pol Pot und den Killing Fields [die es nicht gegeben hat. Siehe Israel Shamir hier auf meinem Blog].

Präsident Carters nationaler Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski war die führende Kraft hinter der Unterstützung sowohl der Mudschahedin als auch der Khmer Rouge. Was sagt euch das über amerikanische Führer? Oder Jimmy Carter – eine Inspiration nach seiner Amtszeit, aber eine ganz andere Person im Weißen Haus? Oder den Friedensnobel-Preisträger Barack Obama, der Brzezinski als einen seiner Berater wählte?

Ein anderes stolzes Beispiel des USA-Kampfes gegen die bösen Dschihadisten ist Kosovo, eine überwiegend moslemische Provinz von Serbien. Die Kosovo Liberation Army (KLA) begann einen bewaffneten Aufruhr gegen Belgrad Anfang der 90-er Jahre, um Kosovo von Serbien loszureißen.

Die KLA wurde als Terroristen-Organisation von den USA, England und Frankreich seit Jahren angesehen; es gab viele Berichte über die KLA und ihre Kontakte mit der Al Qaida, von der sie Waffen erhielt und von der ihre Kämpfer in Pakistan ausgebildet wurden, um gegen Serbien zu kämpfen. Aber die Imperialisten in Washington waren mehr daran interessiert, Serbien - „die letzte kommunistische Regierung in Europa“ - zu vernichten und stützten die KLA.

Die KLA war berüchtigt für ihre Foltern und ihren Handel mit Frauen, Heroin und menschlichen Organen. Die USA unterstützten natürlich Kosovos Mitgliedschaft in der NATO und der EU.

Und in jüngster Zeit hat die USA die bösen Dschihadisten in Libyen und Syrien unterstützt, mit schrecklichen Folgen.

Es würde auch schwer fallen, eine einzige brutale Diktatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu nennen, die NICHT von den USA unterstützt wurde; nicht nur unterstützt sondern oft an die Macht gebracht und an der Macht gehalten wurde gegen den Wunsch der Bevölkerung. Und ebenfalls in den jüngsten Jahren hat Washington äußerst repressive Regierungen wie Saudiarabien, Honduras, Indonesien, Ägypten, Kolumbien, Katar und Israel unterstützt.

Nicht gerade der große Retter, nach dem es unsere traurige alte Welt verlangt. (Oh, habe ich erwähnt, dass Washingtons Politik einen nie endenden Nachschub an Terroristen schafft?)

Und was denken amerikanische Führer von sich selbst? Die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice sprach wohl für den ganzen privaten Klub, als sie schrieb, dass die Vereinigten Staaten bei der Verfolgung ihrer nationalen Sicherheit es nicht mehr nötig haben, von „Begriffen des internationalen Rechts oder Normen“ geleitet zu werden oder „Institutionen wie den Vereinten Nationen“, weil Amerika „auf der richtigen Seite der Geschichte“ steht.


Fußnoten:


¹ Die beiden Standardwerke zum US-Imperialismus: Zerstörung der Hoffnung - Bewaffnete Interventionen der USA und des CIA seit dem Zweiten Weltkrieg, Zambon Verlag, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-88975-141-6 und Schurkenstaat. Leitfaden zum Verständnis der einzigen noch verbliebenen Supermacht, übersetzt von Verena Gajewski, Kai Homilius Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-89706-530-7 .

Quelle - källa - source

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