Donnerstag, 28. Mai 2015

Einige Gedanken zu Mosgowoi


Drug
26. Mai 2015

Früher, so beginnen ältere Menschen gern ihre Rede, habe ich das ND (Neues Deutschland, Zentralorgan der SED) gehasst. Das erinnerte mich immer an die PRAVDA. Die habe ich auch gehasst, mit Hilfe dieser „Zeitung“ habe ich russisch gelernt. Kann sein, dass es Ähnlichkeiten gab. Heute gibt es wieder etwas, was sich Neues Deutschland nennt. Beim Abschluß meiner Recherche zum Thema Mosgowoi im Kontext der heutigen Zeit, stieß ich auf einen Artikel in diesem ND über Mosgowoi, der sich durch zwei Dinge auszeichnet: Er ist informativ und sachlich.
Wenn man versucht zu verstehen, möchte man als erstes wissen, wer war dieser Mann eigentlich, dass er solche Emotionen auslösen kann.

„Alexej Mosgowoi war seit Mitte 2014 Leiter des Freiwilligen-Bataillons »Prisrak« (Gespenst). Das operiert vorwiegend in der »Volksrepublik Lugansk« (LNR) war aber auch an der Entscheidungsschlacht in Debalzewo, wo im Januar 7000 ukrainische Soldaten eingekesselt wurden, beteiligt. Der 1975 im ostukrainischen Ort Nischnjaja Duwanka geborene Mosgowoi war vor dem Machtwechsel in Kiew Vertragssoldat der ukrainischen Armee und auch ein aktiver Musiker. Im Internet kursiert ein von ihm gesungenes Lied in ukrainischer Sprache. Mosgowoi präsentierte sich als Monarchist, trat aber für einen sozial gerechten Staat ein. Sein Bataillon engagiert sich auch in der Sozialarbeit und der Landwirtschaft. Zu »Prisrak« gehört eine »Freiwillige kommunistische Einheit« (DKO).“
Damit erfahre ich wichtige Dinge über ihn. Er wurde im Donbass geboren, fand sich nach 16 Jahren als Ausländer in einem fremden Land wieder ( wobei keiner denken darf, dass die russen in der Ukraine jemals beliebt waren), war offensichtlich ein Musiker, diente (für mich überraschender Weise) als Zeitsoldat in der Armee der Ukraine, und das Wichtigste: reagierte mit Taten auf den Putsch in Kiew, der seinen Vorstellungen vom Leben überhaupt nicht entsprach. Er wurde Kommandeur einer Einheit, die für Freiheit des Donbass kämpfte. Seine militärischen Qualitäten möchte ich aus der Ferne nicht beurteilen. Mir will (aus der Ferne) scheinen, seine Stärken sind eher in der Menschenführung zu finden. Er übt eine große mitreißende Wirkung auf seine Leute und sogar auf seine weitere Umgebung aus. In seiner Zeit versuchte er mehrfach seine Vorstellungen in den politischen Kampf einzubringen, war aber dabei wenig erfolgreich. Er kollidierte mit Realpolitik und den herrschenden Machtverhältnissen.

Dann kam der Abend des 23.05.2015. An diesem Abend fiel Alexej Mosgowoi.
Zunächst explodiert auf der Straße Altschewsk-Lugansk am Samstag eine ferngesteuerte Mine, dann wird der Jeep des Feldkommandeurs Alexej Mosgowoi von vier Seiten aus Maschinenpistolen beschossen. Sechs ( in manchen Meldungen 7) Personen sterben, neben Mosgowoi auch dessen Pressesekretärin, zwei Leibwächter, sowie der Fahrer. Der Kommandeur der ukrainischen »Partisanen«-Einheit »Teni« (Schatten), Alexandr Gladky, übernahm via Facebook die Verantwortung für den Anschlag. In dem Bekennerschreiben wird er exakt beschrieben. Ein Foto des zerschossenen Jeeps wollen die »Partisanen« selbst aufgenommen haben.

Der Tod des Kommandeurs und seiner Mitarbeiter erschüttert viele Menschen. Obwohl in dem Konflikt schon bis zu 70.000 Menschen starben ist gerade der Tod Mosgowois ein Fakt, der bis tief in die Seele wirkt. Er war ein tapferer Mann, er war ein tatkräftiger Mann und er war schon zu Lebzeiten eine Legende. Ruhe in Frieden.
Er war kaum gefallen (ein Soldat, der im Krieg sein Leben verliert, ist ein Gefallener) da begannen unsägliche Spekulationen über den Täter und seine Motive. Ich finde das so gruselig, dass ich mich daran nicht beteilige. Nur nach dem Vorwurf gegenüber dem gewählten Premier der Lugansker Volksrepublik, Plotnizki, er hätte die Ermordung seines Kollegen betrieben, komme ich nicht umhin, mich damit auseinanderzusetzen.

Es besteht die Gefahr, die Krim zu verlieren …. Russland löst das Problem sehr elegant. Zeitgleich beginnen Unruhen in der Ostukraine. Nach allem Anschein passiert das nicht auf Betreiben Russlands. Die auslösenden Personen sind Ukrainer und Abenteurer (nach meiner Meinung) die solches Geschehen anzieht. Als Moskau im April/Mai `14 das Konfliktpotential mit allen möglichen Folgen endlich verstanden hat, versucht es den Konflikt weicher zu gestalten und in die Länge zu ziehen. Dafür muß es die Führung übernehmen. Alles was danach kam ist echte russische Handarbeit. Von der Einsetzung des Führungspersonals bis hin zur Schaffung einer Armee. In der Zeit tauchen Sachartschenko und Plotnizki auf der politischen Bühne auf. Der eine von Beginn an akzeptiert – der andere immer angezweifelt und in der zweiten Reihe.

Wer ist das eigentlich? Wikipedia: Plotnizki wurde 1964 in Luhansk, anderen Angaben zufolge in Kelmenzi im Oblast Tscherniwzi, geboren. Er diente ab 1982 in der Sowjetarmee und absolvierte 1987 die Ingenieurhochschule der Artillerie „Nikolai Woronow”. 1991 wurde er aus den Streitkräften im Rang eines Majors entlassen. Von 1992 bis 1996 arbeitete er als Ingenieur in unterschiedlichen Unternehmen und als stellvertretender kaufmännischer Direktor. Er leitete von 1996 bis 2002 die Beteiligungsgesellschaft „TF Skarabej”, die im Bereich Groß- und Einzelhandel von Kraftstoffen und Schmiermitteln tätig war.

Er war von 2004 bis 2012 in der Gebietsinspektion für Verbraucherschutz zuständig und arbeitete als Chef-Spezialist, stellvertretender Abteilungsleiter, Abteilungsleiter für Qualitätskontrolle von Non-Foodwaren und Erdölprodukten sowie Abteilungsleiter für Marktüberwachung. 2008 legte er das Staatsdienst-Diplom der Ostukrainischen Universität „Wladimir Dal” ab. Offensichtlich ein Mensch mit einem ganz gewöhnlichen Lebenslauf, jedenfalls kein Untier. Während des Konfliktes in der Ostukraine wurde er im Mai 2014 zum Verteidigungsminister der Volksrepublik Luhansk ernannt. Ein Kiewer Kreisgericht genehmigte der ukrainischen Justiz im Juni 2014 seine Festnahme und die weiterer elf Repräsentanten der Volksrepubliken Lugansk und Donezk wegen „Gründung einer Terrororganisation”. Am 20. August 2014 wurde Plotnizki als Ministerpräsident der Volksrepublik Luhansk eingesetzt und mit der Wahl vom 02.November im Amt bestätigt.

Er erhielt die gleiche Aufgabe wie Sachartschenko. Stabilisierung der Lebensumstände in seiner Republik. Dazu gehören Verteidigung, Versorgung, Ordnung schaffen, Zukunft organisieren. Dabei war ihm Sachartschenko immer einen Schritt voraus. Über Debalzewo berichtete er, obwohl das auf Lugansker Territorium liegt. Die Donezker Armee entstand schneller und widerstandsloser. Plotnizki hatte große Probleme, verschiedene Charaktere in der Struktur einzubinden. Das war nicht nur mit Mosgowoi schwierig, auch die Kosaken wollte ihre Sonderrolle behalten. Selbst die Drohung, sie vom Wojentorg abzuschneiden fruchtete nichts. Erst die ultimative Aufforderung entweder beizutreten oder die Waffen abzugeben brachte dann die Entscheidung. Das die Beiden keine Freunde waren und auch nie werden würden war offensichtlich. Aber deshalb ermordet man niemanden und gleich gar keine Legende.

Für Mosgowoi wurde übrigens eine Sonderrolle geschaffen. Sein Bataillon erhielt eine Aufgabe im Rahmen der Inneren Sicherung. In der NVA hieß sowas Wach-und Sicherstellungsbataillon. Im Netz versuchen einige Schreiberlinge das mit Polizeibataillon zu umschreiben. Damit hatte er keinen Frontabschnitt zu sichern, wie Givi oder andere Feldkommandeure. Er war eine Legende, er hatte sich der Einbindung ergeben, er wurde durch eine Sonderaufgabe neutralisiert. Und warum sollte Plotnizki den gerade jetzt ermorden lassen? Und warum so spektakulär? Warum in Begleitung? Jeder, der Führungsveranntwortung hatte oder hat, weiß das genau. Es gibt Menschen, mit denen man persönlich nicht zurecht kommt. Damit muß man leben. Nur Dummköpfe nehmen das zum Anlaß, diese mißliebigen Mitstreiter zu beseitigen. Man arrangiert sich mit ihnen auf halber Strecke. So was wird Kompromiß genannt.

Ich mag gar nicht wissen warum hier bei uns immer derart viele Spekulationen ins Kraut schießen. Sicher ist es schwierig, Ergebnisse abzuwarten, besonders wenn man alle Beteiligten unter Generalverdacht stellt. Cui bono? Fragten schon die alten Lateiner und das zu Recht. Wem nützt es, die bewaffneten Kräfte im Donbass zu schwächen? Plotnizki ist Moskau. Und Moskau entwickelt Angriffsmöglichkeiten der Armeen, um dann einen Enthauptungsschlag gegen die Nazis führen zu können , der die Überreste auch noch ins Laufen bringt. Warum sollten die den Tod von Mosgowoi gerade jetzt wollen?
Invictus maneo!

Quelle ist ein Brief von Drug.

Kommentare:

  1. Denke mal, sie werden von vielen vermisst in einem gewissen Blog in Deutschland.Sollte man irgendwie ändern insoweit, dass man eben menschliche Wege der Rückkehr findet : Die Dummheit nimmt Übermaß im Blog. Leider.
    Natürlich hat die politische Führung in Lugansk nichts mit der Ermordung des Kommandeurs und den weiteren Ermordeten zu tun. Das der ermordete Kommandeur nun einen absoluten Märtyrerstatus erlangte - durch seine ''Kopf durch die Wand-Mentalität'' ist für die Gesamntsache Neues-Russland ja eine gute Sache. So wird seine Arbeit nun in einem Team weitergeführt. In einem Team, dass sich so, wie es jetzt steht- oder zusammensteht- unter dem Ermordeten nicht existierte. Insoweit war die Ermordung, wieder ein Schuß ins eigene Knie derer, die ihn killen ließen.
    Schon der Gedanke ( auch besonders im eben angesprochenen Blog in unverantwortlicher Weise diskutiert- durch jemand, der sich als ''Themeneinsteller'' eingenistet hat , dann über die Funktion des Kommentators seine Thesen untermauert ( Unwesen treibt) ist absolut aberwitzig für die (wie mich) der nicht nur die Lugansker Pressevertreter , auch die des Kommandeurs - kannte, sondern eben auch die politische Führung kennt. Eine kleine Korrektur ihrer Meinung, will ich nun doch noch anbringen: Plotnizki ist Moskau- Ja, natürlich. Doch, Plotnicki ist auch Plotnicki. ''Stille Wasser graben tief'' . Aber sein Graben, liegt bestimmt nicht in der Ermordung der Leute, die mal ''Arschloch'' zu ihm sagen, die sogar sagen: ''Steck dir deinen gepanzerten Jeep ''in den Arsch''. Weil, die machen ihre Arbeit für ihn. Besser, als er selbst es je könnte, zum Wohle seines eigenen Tuns.
    Nu ja... im Grunde ist es auch egal, was ein deutscher Blog so von sich gibt... Schade ist es trotzdem.

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  2. Das ist ganz meine Meinung. Der Kommentar war eingereicht und wurde dort nicht veröffentlicht. passt wohl nicht ins Propagandakonzept. Oder ich passe nicht? Keine Ahnung. Solange die Propagandaflut aus München kommt und dann noch in ellenlangen oberlehrerhaften Schreibereien (die mich an Selbstbefriedigung erinnern) begründet werden ist das da nichts für mich. Grüsse aus Berlin

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  3. Tja, schon geschickt, wie die Faschos den Blog übernommen haben. Aber in Zeiten des Krieges muss Mann halt seinen eigenen Kopf bemühen und dann zwischen den Zeilen die wichtigen Informationen für sich herauspicken. Eine angebliche Dagmar Henn behauptet ja sogar im Donbas gewesen sein, kann aber eine simple, aber entscheidende Frage nicht beantworten, womit sich der ganze Blog der auf Pro-Donbas tut, als reines Schnüffel-Instruments des Anti-Donbas enttarnt hat.

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    1. So, kann man das nicht stehen lassen Georg Löding. Frau Dagmar Henn war auf Einladung des Innenminsters der DVR ( in der Gruppe der ''Saker-Familie'' ) über Moskau in Donezk. Das ist Fakt, nicht weil ich es gehört habe, nein, weil ich es aus offizieller Behörde aus Donezk weiß.

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  4. ... und obwohl Einar Schlereth seine Arbeit dort aufgekündigt hat, wird er immer noch als Herausgeber des Blogs genannt:
    In dem Navigationsbalken gibt es nun drei klar abgegrenzte Bereiche – erstens ‘Saker auf Deutsch’, wo nur Originaltexte vom Saker von den verschiedenen Übersetzern liegen; zweitens ‘Novorossiya’ ist die Seite von Ilja Schmelzer mit dem Fokus auf den Donbas, Ukraine, Russland; und drittens ‘Globaler Widerstand’ ist die Seite von – vorläufig – Dagmar Henn und Einar Schlereth, die jeden aufrichtig einladen, der/die gerne mit Übersetzungen einen Beitrag leisten möchten.

    Einar Schlereth zeichnet als Besitzer und Verantwortlicher Herausgeber und ist erreichbar unter einar(dot)schlereth(at)glocalnet(dot)net

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  5. Das ist Schlamperei (oder bewußte Tarnung?) denn Einar hat den Saker verlassen. Dumm muß man sich da von den Typen nicht kommen lassen. Mir ging es genauso. Und man findet sich trotzdem.... Thomas. Gruß aus Berlin

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    1. Ich würde mich gerne mit ihnen unterhalten. Thomas aus Berlin. Ich schätze ihre Übersetzungen, doch nicht nur die. Einiges gelesen. ... Vielleicht über voicedonbass ..oder auch direkt frank.ewiv@gmail.com

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    2. Tja, Georg und Anonym, was soll ich machen? Ich habe heute wieder an den IT-Verantwortlichen dort geschrieben und gefragt, wo denn das Problem liege. Ich wolle mit dem Pack nichts mehr zu tun haben. Mal sehen, ob ich Antwort bekomme.

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