Dienstag, 9. März 2021

Klänge der Stille: Das Aussterben löscht die Musik der Erde aus

Es ist immer noch sehr kalt (- 13° C) und ich bringe den Vögeln etwas Futter - einem Pärchen Blaumeisen und einem Pärchen Kohlmeisen, ein oder zwei Kleiber lassen sich sehen, selten eine Amsel, ein paar Elstern und ein Schwarm Dohlen. Das war heute früh und ich habe wie immer eine Wut. Vor 28 Jahren, als ich hierher nach Südschweden kam, gab es wirklich noch viele Arten und viele Vögel. Am und unterm Vogelhaus konnten 30-40 Goldammern sitzen sowie ein paar Dutzend Bergfinken, einige Pärchen Domherren, Buchfinken usw. Weg. Alles weg. Ich verbrauchte im Winter 50 kg oder mehr Vogelfutter, jetzt reichen ein paar Kilo. Und das meiste fressen die Dohlen. Aber es werden nach wie vor Gifte und Chemikalien in den Garten und auf die Felder geworfen, die Wiesen werden mit Gülle getränkt, die mit Medikamenten, Hormonen und weiß der Kuckuck noch alles gesättigt sind. Fliegen und andere Insekten muss man mit der Lupe suchen, nur haben die Vögel keine Lupen. Und auch die Bienen sind immer seltener anzutreffen. Gemüse, Beeren und Obst schmecken nicht mehr. Es ist alles eine riesige kriminelle Aktivität zur Bereicherung der Milliardäre.

Von Kathleen Dean Moore und Tara Lohan

1. März 2021

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Ein Sumpfzaunkönig verteidigt sein Territorium mitten im Gesang in den Las Gallinas Wildlife Ponds, Marin County, CA. Foto: Doug Greenberg, (CC BY-NC 2.0)

Wie hört sich eine Biovielfaltskrise an? Vielleicht müssen Sie Ihre Ohren spitzen, um es zu hören.

In den vergangenen 50 Jahren sind die Vogelbestände in Amerika um ein Drittel zurückgegangen, und weltweit ist die durchschnittliche Säugetierpopulation um 60 % gesunken, schreibt die renommierte Umweltphilosophin und Naturschriftstellerin Kathleen Dean Moore in ihrer neuen Essaysammlung "Earth's Wild Music: Celebrating and Defending the Songs of the Natural World" [Die Wildnis-Musik der Erde: Die Lieder der natürlichen Welt feiern und verteidigen].

Und mit all diesem Verlust kommt eine beunruhigende Stille.

"Wenn die Welt nicht handelt, um das Aussterben zu stoppen, werde ich meinen letzten Natur-Essay auf einem Planeten schreiben, der weniger als halb so sang- und klangvoll ist wie der, auf dem ich zu schreiben begann", erklärt sie im Vorwort des Buches. "Meine Enkelkinder werden die Hälfte der Seiten in ihren Naturführern herausreißen. Sie werden sie nicht brauchen."

Ihr Buch nutzt den Ton als Bezugspunkt, um besser zu verstehen, welcher Verlust uns droht, wenn die Aussterberate weiter steigt. Aber die Essays sind auch eine Feier des Chors der natürlichen Welt und der Freude, zu lernen, zu hören, was noch da ist.

Die Essays werden auch in einer Serie für das Oregon State's Spring Creek Project vertont, das 20 4-minütige Konzerte enthält, die Live-Musik mit Auszügen aus Earth's Wild Music kombinieren.

M: "Ich war noch nie in meinem Leben so aufgeregt über ein Projekt", erzählt Moore. "Es verbindet alles, was mir wichtig ist, mit der Sache, an die ich mehr als alles andere glaube."

'The Revelator' (TR) sprach mit Moore über den moralischen Einsatz unserer Umweltkrise, darüber, wie es ist, einen wirklich ruhigen Ort zum Zuhören zu finden, und darüber, was wir verlieren, wenn die Lieder der Wildnis verschwinden.Sie schreiben seit 50 Jahren über die Natur. In dieser Zeit haben sich unsere Umweltprobleme verschärft. Hat das Ihre Herangehensweise an Ihre Arbeit verändert?

M: Am Anfang war ich eine Feiernde. Ich habe Mary Oliver geglaubt, als sie sagte: "Meine Arbeit ist es, die Welt zu lieben ... was meistens bedeutet, still zu stehen und zu lernen, erstaunt zu sein." Und das ging jahrelang gut, aber dann wurde mir klar, dass das, was ich zelebriert habe, verschwindet.

Ich war gerade dabei, einen Aufsatz über Froschgesang zu schreiben, da kamen Bulldozer und nahmen das Moor weg und errichteten eine Eigentumswohnanlage. Ich schrieb über ein Weißkopfseeadlernest, und das Nest - und der Baum, in dem es sich befand - brannte bei einem Waldbrand nieder. So langsam wurde mir klar, dass ich mehr tun musste, als nur zu feiern. Ich würde demonstrieren müssen. Ich würde beschützen müssen. Ich würde die natürliche Welt verteidigen müssen.

TR: Warum haben Sie sich entschieden, diese Sammlung auf Klang zu konzentrieren?"

M: Ich begann darüber nachzudenken, wie ich die Herzen der Menschen öffnen könnte, ohne sie zu brechen. Wie ich auf das fortschreitende Artensterben hinweisen könnte, ohne die Menschen zu zwingen, sich in absoluter Trauer abzuwenden. Ich beschloss, dass ich auf eine Art und Weise schreiben musste, die wie eine Welle war - ich würde die Menschen anheben und gleichzeitig zerschmettern.

TR: Was ist es, das die Menschen erreicht, ohne sie zu zerbrechen? Was ist es, das direkt in die Herzen der Menschen geht? Was lieben sie an der Welt und wird sie zum Handeln auffordern?

M: Ich beschloss, dass von all den Dingen, die ich an der Welt liebte, das, was ich am meisten liebte, die Musik war. Was ich am meisten liebte, war der Klang. Ich hatte schon eine ganze Weile darüber geschrieben, hatte also schon ein paar Aufsätze in der Tasche, und ich konnte mir keine schönere Schreibaufgabe für mich vorstellen, als nach draußen zu gehen und zuzuhören.

TR: Die Natur wird vielleicht immer leiser. Aber die Menschen werden immer lauter. Wie wirkt sich unser Lärm auf die Tierwelt aus?

M: Wir sind ohrenbetäubend. Der Lärm, den wir verursachen, fügt den Lebewesen außerordentlichen Schaden zu. Denken Sie an die Schmerzen, die den Walen durch das Dröhnen der Maschinen zugefügt werden, die durch den Ozean fahren und stampfen, um nach Öl zu suchen.

Denken Sie an die Wiesenlerchen, die in den Fracking-Feldern leben und den endlosen Lärm der Bohrungen und Lastwagen ertragen müssen. Und als Folge davon sind die Lieder der Wiesenlerchen gebrochen und verkürzt. Sie haben ihre Eltern nicht mehr gut genug hören können, um sie zu imitieren.

TR: Viele von uns sind vielleicht aus der Übung im Zuhören. Tatsächlich laufen viele von uns mit Kopfhörern herum, so dass wir nicht hören können, was um uns herum passiert. Wie können wir besser darin werden, die Geräusche der Natur zu hören und zu verstehen?

M: Zuhören ist eine Kunst, die wir üben sollten, weil sie zwei Dinge bewirkt. Es bringt uns dazu, still zu werden und es bringt uns dazu, uns zu öffnen. Wir hören auf, nur auf die Lieder von "ich, ich, ich" zu hören. Wenn wir unsere eigenen Geschichten beiseite legen, öffnet es uns, so dass wir den Geschichten anderer Wesen zuhören können. Das ist eine Fähigkeit der Empathie, nicht wahr? Den Geschichten anderer Menschen und Lebewesen zuzuhören, ist ein Weg, die Welt aus ihrer Sicht zu verstehen. Es ist ein moralisches Training.

TR: Wenn es darum geht, zu verstehen, was wir hören, hat Rachel Carson, die den "Stummen Frühling" schrieb und sich so sehr um den Gesang der Vögel kümmerte, sich bemüht, uns zu sagen, dass es nicht wichtig ist, ob wir die Namen dessen kennen, was wir sehen. Das kommt später. Aber das erste, was passieren muss, ist Liebe.

M: Also bin ich nicht so besorgt darüber, zu wissen, welcher Vogel gerade ruft. Ich bin von Menschen umgeben, die das auf eine majestätische Art und Weise tun können. Mein Mann kann Vögel an ihrem Ruf erkennen. Mein Nachbar kann es. Ich finde, das ist eine wunderbare Fähigkeit, die ich nicht habe.

Aber ich habe die Fähigkeit, ein Lied zu fangen. Es zu hören, was nicht nichts ist. Es kann meine Aufmerksamkeit erregen und ich kann es suchen und ihm zuhören. Den Namen zu kennen, ist vielleicht nicht so wichtig wie die Melodie zu kennen.

TR: Wie wirkt sich dieser Verlust des Gesangs der Natur auf die Menschen aus, und wie wichtig ist es, stille Orte zu bewahren, an denen wir das, was übrig ist, noch erleben können?

M: Wir verlieren die Freude. Seien wir ehrlich - die Klänge der Natur sind wunderschön und sie machen uns glücklich. Ich denke, wir verlieren auch eine Verbindung zur Welt um uns herum.

In dem Buch schreibe ich darüber, wie ich mit dem Akustikökologen Gordon Hempton zu One Square Inch of Silence (Ein Quadratzentimeter Schweigen] gefahren bin, einem kleinen Ort im Olympic National Park [möglicherweise der ruhigste Ort in den Vereinigten Staaten]. Es war eine wunderbare Erfahrung. Zu der Zeit gerieten wir in strömenden Regen. Die Natur selbst war kakophonisch, aber wir hörten 20 Minuten lang keinen einzigen menschlichen Laut, was für Gordon die Definition eines ruhigen Ortes ist.

Gordon macht jetzt Aufnahmen irgendwo in einem Dschungel, den man nur durch eine Kanufahrt auf einem wilden Fluss erreichen kann, weil es einer der letzten Orte auf der Erde ist, die er finden kann, der still ist.

Er ist berühmt für diese Aufnahmen, die "Dawn Chorus" genannt werden und die die Ausbrüche von Vogelgesang einfangen, die durch die Morgendämmerung ausgelöst werden. Aber das konnte er nicht mehr machen, denn die Spieluhr ist kaputt. Wir sind dabei, das zu zerstören, was wir eigentlich wertschätzen sollten.

Es ist schwer, ein Gleichgewicht zwischen Trauer und Feiern zu finden. Aber wissen Sie, die Leute fragen mich oft: "Was kann ein einzelner Mensch tun?" Und ich sage: "Hör auf, eine Person zu sein."

Sie müssen nicht alles tun. Andere Menschen arbeiten überall auf der Welt an den gleichen Dingen, an die Sie glauben. Finden Sie sie, schließen Sie sich ihnen an. Sie werden Ihren Platz im Chor finden. [Autorin und Lehrerin] Joanna Macy sagt, man solle sich das aussuchen, was man liebt und sich dem widmen. Das, sagt sie, ist genug.

* * *

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Tara Lohan ist stellvertretende Redakteurin von The Revelator und arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt als digitale Redakteurin und Umweltjournalistin mit Schwerpunkt auf die Überschneidungen von Energie, Wasser und Klima. Ihre Arbeiten wurden u.a. in The Nation, American Prospect, High Country News, Grist und Pacific Standard veröffentlicht. Sie ist die Herausgeberin von zwei Büchern über die globale Wasserkrise.

 

Quelle - källa - source

 

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Kommentare:

  1. Hallo Einar,
    es freut mich, das du im Winter an unsere gefiederten Freunde denkst und ihnen durch die kalte Jahreszeit hilfst, das mache ich natürlich auch. Und ich wohne in Ostfriesland am Lande und der Rückgang ist zumindest hier in meiner Gegend noch nicht sooo sehr offensichtlich.
    Ich füttere auch im Sommer, aber der Bedarf ist deutlich geringer, aber an einigen verregneten Tagen hilft es ihnen, wenn sie sich ein bisschen stärken können, bevor sie nach Insekten für die immer hungrigen Jungen suchen. Eine Meisen-Familie benötigt etwa 30.000 Insekten für die Aufzucht ihrer Brut.
    Ein weiteres Problem ist der Mangel an Nistmöglichkeiten für Höhlenbrüter (Meisen, Kleiber, Grasmücken,...), denn wo stehen noch alte Bäume mit Höhlen? Früher boten noch viele landwirtschaftliche Gebäude Hohlräume für den Nestbau, aber inzwischen ist auch das eher eine Seltenheit. Deshalb habe ich zahlreiche Nistkästen in meinem Garten und der näheren Umgebung aufgehängt, auch in den Gärten einiger Freunde, und säubere sie auch jedes Jahr vor Beginn der Brutsaison.
    Ich wünsch dir alles gute und einen schönen Frühling und Sommer.
    Dimo Lunar

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  2. Danke für deinen netten Brief. Sag' ma, hatten wir nicht schon mal Kontakt? Deine Name kommt mir so bekannt vor. - Ja, aber du siehst ja, dass ich bei mir die Vögel an den 5 Fingern abzählen kann. Ich habe ein paar Nistkäste aufgehängt, auch ein Fledermaushotel gebastelt (muss aber noch eins machen). Aber wir hocken ja mitten im Wald. Genug Höhlen, vor allem in den uralten Eichen und auch in den Erlen am See.
    Aber wir haben noch Winter. Jeden Tag ein paar Zentimeter Schnee und Temperaturen immer noch um den Gefrierpunkt. Boden ist noch hart wie zement.
    Lass es dir auch gut gehen.
    Ciao
    Einar

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    1. Hallo Einar,
      ob wir mal Kontakt hatten? Ich habe früher häufiger Kommentare geschrieben, und war 1978 mal als junger Student in Schweden, das mir damals wie ein verträumtes Märchenland erschien, aber dann habe ich das Land doch nicht nochmal besucht, denn ich wollte ja auch wissen, wie es in Nordamerika aussieht, und in Südamerika, und in verschiedenen Ländern Südostasien und Nepal und Australien ....
      In vielen Punkten stimme ich dir zu, aber nicht in allen, ich bin ein Fan von Putin und würde mir ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den europäischen Ländern und Russland wünschen statt mit den USA, aber ein Fan von Stalin bin ich nicht. Nur so zur Orientierung.
      Einen Fledermauskasten habe ich auch, 3 Sorten Fledermäuse treiben sich hier rum, auch eine Teichfledermaus, die Insekten direkt über der Wasseroberfäche wegfangen.
      Die Vögel am Futterhäuschen werden auch manchmal von einem Sperber gejagt und verspeist. Aber da jede Meise um die 10 Jungen großzieht ist ja auch für den Sperber genug da.
      Ich bin auch ein Pflanzen-Fan und trínke täglich Kräutertee, alles was ich in der nächsten Umgebung finde, ob Spitzwegerich oder Beifuß, Schafgarbe, Brennnessel, Taubnessel, Minze etc.
      Auch der Bärlauch sprießt schon und wird von mir gerne verwendet.
      Hier sind die Winter natürlich mild, im Februar hatten wir knapp 2 Wochen Frost, das wars schon, aber der Sommer ist auch oft kühl und windig. Wald ist hier wenig, aber ich habe das Glück, am Waldrand zu wohnen.
      Tschau, Dimo Lunar

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