Sonntag, 7. September 2014

Die West-Politik ist konsequent über die Jahre hinweg

Björnbrumm

6. September 2014

Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth

Jelzin Wodka
Seht, da schwimmt eine Flasche am Liljeholmskai in Stockholm. Die Marke scheint Jelzin' zu sein. Hm, ist das die Schnapsmarke, die nach dem Säufer-Jelzin benannt wurde? Sieht wirklich so aus.

Erinnert ihr euch an Boris Jelzin, den russischen Präsidenten, den Saufbold und Zerstörer des Vaterlandes, unter dessen Regime das durchschnittliche Lebensalter für Männer in Russland unter das indische Niveau fiel? Das muss eine Leistung gewesen sein, in Friedenszeiten! Und alles andere, das zerstört wurde ... aber den Mann liiiiiiebte der "Westen". Er war ja ihr Mann, er ließ die Zerstörung und die Plünderung weitergehen, ohne ihr ein Ende zu bereiten. Und das obwohl er in anderen Situationen (Tschetschenien) ein eindeutig gewaltbereiter Säufer war.

Aber lasst uns in der Zeit zurückgehen, zum 4. Feruar 1931. Der erste Fünf-Jahres-Plan läuft in der Sowjetunion. Josef Stalin hält eine Rede ("Über die Aufgabe der Betriebsleiter") auf der "ersten Unionskonferenz der Funktionäre der sozialistischen Industrie". Unter anderem sagt er dies in Bezug darauf, dass die Industrialisierung beschleunigt werden muss und dass man nicht warten kann:
"Das Tempo zu verlangsamen - das bedeutet zurückzubleiben. Und die Zurückgebliebenen werden geschlagen. Aber wir wollen nicht geschlagen werden. Nein, das wollen wir nicht! Die Geschichte des alten Russland bestand unter anderem darin, dass man es unaufhörlich geschlagen hat wegen seiner Zurückgebliebenheit. Die mongolischen Khane schlugen es. Die türkischen Bejs schlugen es. Die schwedischen Feudalherren schlugen es. Die polnisch-littauischen Kapitalisten schlugen es. Die japanischen Barone schlugen es. Alle schlugen es - wegen seiner Zurückgebliebenheit. Wegen der militärischen Zurückgebliebenheit, wege der kulturellen Zurückgebliebenheit, wegen der staatlichen Zurückgebliebenheit, wegen der Industrie - Zurückgebliebenheit, wegen der Zurückgebliebenheit in der Landwirtschaft. Man schlug es deshalb, weil es gewinnbringend war und ungestraft geschehen konnte. Erinnert euch an die Worte des vorrevolutionären Dichters: "Du bist arm und du bist reich, du bist mächtig und du bist machtlos, Mutter Russland." Diese Herren hatten die Worte des alten Dichters gründlich gelernt. Sie schlugen und sagten: "Du bist reich" - also kann man sich auf deine Kosten bereichern. Sie schlugen und sagten "Du bist arm und machtlos" - also kann man dich ungestraft schlagen und ausplündern. Das ist das Gesetz der Ausbeuter - die Zurückgebliebenen und Schwachen zu schlagen. Das ist das Raubtier-Gesetz des Kapitalismus. Du bist zurückgeblieben, du bist schwach - also hast du Unrecht, also kann man dich schlagen und versklaven. Du bist mächtig - also hast du Recht - also muss man sich in Acht nehmen.
Deshalb dürfen wir nicht mehr zurückbleiben.
Früher hatten wir kein Vaterland und konnten keins haben. Aber jetzt haben wir den Kapitalismus gestürzt und wir, das Volk hat die Macht - jetzt haben wir ein Vaterland und wir werden diese Unabhängigkeit verteidigen. Wollt ihr, dass unser sozialistisches Vaterland geschlagen werden und seine Unabhängigkeit verlieren soll?"

Was können wir daraus lernen? Vielleicht, dass es ein andauerndes und vielleicht berechtigtes Gefühl in Russland gibt, dass man vom Ausland als jemand gesehen wird, den man plündern kann, wirklich so lange plündern kann, so lange die Russen nicht zurückschlagen. Wir können auch sehen, dass das Ausland Führer wie Jelzin liiiiiebt, die die Plünderung zuließen, aber mit Hass und Abscheu die Führer betrachtet, die russische Interessen verteidigen, seien es Führer wie Stalin oder Putin. Und das bedeutet, dass diese Art von Konflikten völlig unabhängig davon ist, ob Russland von Zaren, Kapitalisten oder Kommunisten geführt wird, deren Popularität im Westen davon abhängt, in welchem Grad sie ihr eigenes Land verteidigen oder ausverkaufen.

Man kann das Paradox diskutieren, dass Russland gleichzeitig riesengroß aber auch schwach und machtlos gegenüber ausländischen Plünderern gewesen ist, aber das kann man vorerst vergessen. Das Wesentliche ist gerade jetzt, dass Putin jetzt Stopp zu sagen scheint, was gewaltig empörte Reaktionen auslöst.


A propos Stalin und der Kampf gegen Angreifer: es gibt auf YouTube einen fast 3-stündigen Film von 1949 über die Schlacht bei Stalingrad. Darin werden sowohl die Kämpfe auf dem Feld und in der Stadt geschildert, als auch die Politik auf höchstem Niveau. Dass es für Hitler schlecht ausgehen würde, versteht man daraus, wie Hitler auftrat: ein Wahnsinniger, der schrie und mit den Augen rollte und die Papiere aus dem Teleprinter zerriss. Stalin dagegen wandert ruhig und würdig in den Sälen des Kreml, strahlt Ruhe und Entschlossenheit aus. Das obwohl Churchill und Rossevelt nicht die versprochene Front im Westen errichten konnten, um den Druck auf die SU zu erleichtern. Stalin zog die Folgerung, dass dies etwas sei, womit die SU allein fertig werden müsste, und so war es auch.

Möglicherweise kann man sagen, dass es im Kreml um Stalin etwas einsam und öde aussah. Nur einmal verspürt man etwas Wärme, als ein alter Kamerad aus den Tagen des  Bürgerkriegs auf Besuch kam und sie sich unterhalten konnten und auf ihr Wohl tranken. -
Nun ja, es ist einsam an der Spitze.

Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Na, Einar mit diesem Artikel ist dir mal ein Griff in Klo gelungen. Den Film sehe ich als Produkt des Personenkults um Stalin an und historisch ist er wertlos. In ihm wird Stalin glorifiziert und die wahren Akteure des Krieges ausgeblendet (Shuckow war damals schon in Ungnade gefallen und Rokossowski und die vielen andren Marschälle und Generäle fehlen ganz).

    Einen besseren Film zum 2. Weltkrieg ist die Filmreihe „Befreiung“ von Juri Oserow.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Na lieber ANONYM 3500 oder so, der Griff ist viel eher dir gelungen, denn wenn du genau hinschaust, dann siehst du, dass der Artikel - um den ging es mir hauptsächlich - nicht von mir, sondern von Björnbrum geschrieben wurde. Also besser aufpassen das nächste Mal.

      Löschen
  2. .Ich möchte nur mal kurz erinnern, dass Jelzin
    Seinerzeit von Putin abgelöst wurde, als er im Vollsuff über die Medien ankündigte bald den
    Roten Knopf zu drücken.
    Printmedien sind ja SPÖ Vergesslich.

    AntwortenLöschen
  3. Na ja, nicht die richtige Wortwahl, aber trotzdem hat er irgendwie recht. Auch wenn es Björnbrumm geschrieben hat.

    Wie kann man Stalin und Putin vergleichen? Der Vergleich ist abenteuerlich und ahistorisch.

    Stalin hat die Leninschen Garde in den Moskauer Prozessen ausgerottet und kurz vor dem Krieg die Rote Armee enthauptet (Tuchatschewski - Affäre).

    Zu den Niederlagen in den ersten Wochen des Krieges führte in erster Linie der fehlende Bestand an erfahrenen Offizieren und auch die „Rückversicherungserziehung“ vieler Armeeführer durch die Tuchatschewski - Affäre, die erst im Laufe des Krieges verschwunden ist. Das einzigst was man Stalin in diesem Zusammenhang zu Gute halten kann, ist dass er sich, im Gegensatz zu Hitler, aus dem militärischen Entscheidungen weitestgehend raugehalten hat, nach dem er selbst erkannt hatte, welche katastrophale Folgen Entscheidungen von ihm angerichtet haben (Schlacht um Kiew).

    Auch in dieser Hinsicht entspricht der angeführte Film nicht der Wahrheit. Nicht Stalin war der „große Schlachtenlenker“ sondern die Marschälle und Generäle der Roten Armee. Von den historisch einmaligen Leistungen der sowjetischen Völker ganz zu schweigen! (Evakuierung von über 1400 Betriebe in den Osten und Steigerung der Kriegproduktion)

    Ich glaube Stalin hat der Welt-Arbeiterbewegung mehr geschadet als alle Aktionen der Reaktion zusammen. Die Zerstrittenheit und der Niedergang der Linken sind Spätfolgen des Handelns Stalin.

    Zu Jelzin und Gorbatschow.
    War Gorbi nur einer, -mit der Situation Überforderter- (was damals geschah wurde auf keiner Parteihochschule gelehrt), der die UdSSR nie verraten und noch weniger zerstört hat (jedenfalls nicht bewusst), so war Jelzin beides - Zerstörer und Verräter.
    Nur nebenbei: Die Entwicklung, die zu den Ereignissen von 19089/90 geführt hat, begannen schon als Stalin „den Aufbau des Sozialismus in einem Land“ verkündete und die KPdSU, in der Folgzeit, nicht die Kraft fand zum Marxismus zurück zukehren.
    Aber das ist wieder eine andere Frage.

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Leute, der Aufbau des Sozialismus in einem Land verkündete wohl schon Lenin. Also folgte Stalin Lenin (sic!) Auch hatte Stalin recht mit der Verschärfung des Klassenkampfes mit dem Fortschreiten der Entwicklung des Sozialismus. Siehe Gorbatschow! Die dummen Thesen der fünften Kolonne um Trotzki kann man sich schenken. Solange noc Nah "Antistalinisten" herumschwätzen, wird kein Aufbau von starken kommunistischen Parteien wirklich möglich sein.Na ja, eine weichgespülte kleinbürgerliche Linkspartei als "antikapitalistischer Torso" kann zur Erbauung des Kapitals wohl geduldet werden.
    Shapajew

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da täuscht du dich aber gewaltig. Lenin sagt, (sinngemäß) wenn die Arbeiterklasse in den europäischen Ländern (hier besonders Deutschlan) es nicht schafft eine Revolution durch zuführen und an die Macht zu gelangen, ist unsere Revolution zum Scheitern verurteil!

      Solange wie die Bourgeoisie den Stalinismus als abschreckendes Beispiel hinstellen kann und er von der Arbeiterklasse nicht aufgearbeitet wurde, solange werden die Linken weite bedeutungslos bleiben und wie die Kirche zu einer „Glaubensgemeinschaft“ degenerieren! (meine Erfahrungen aus Hunderten Gesprächen mit Arbeitern, selbst Arbeiter)
      Kein Arbeiter will die Schauprozesse, die Gulag-Lager und das langsame Abdriften in den Kapitalismus wieder haben (trotz aller Vorzüge). Was 1989/90 passierte war keine Konterrevolution, sonder ein Legalisierung der „kapitalistischen“ Verhältnisse im Land, durch die ehemalige Nomenklatura. 83 % der Oligarchen sind alle in der Partei „groß“ geworden! Beste Beispiel Chodorkowski.

      Das hat nicht mit Trotzki zu tun, sondern mit dem dogmatischen Festhalten an nichtmarxistischen Positionen, die die Arbeiterklasse schon lange ablehnt, der aber auch keine Alternative geboten wird. Ich habe mal gelesen: „die Schwäche der Arbeiterklasse ist in erster Linie eine Führungsschwäche. Und das schein mir auch kein Wunder wenn ich deinen Ausführung so lese. Anstatt sich kritisch mit allem auseinander zu setzen wird einfach diffamiert, alte Parolen immer wieder neu aufgewärmt.

      Löschen
  5. In dem Artikel wird Stalin nicht mit Putin verglichen, vielmehr festgestellt, dass ein russischer Staatsführer, der sein Land verteidigt, vom Westen gehasst wird. Ansonsten wird all dieser Quatsch über Stalin erzählt, der vom CIA und der Bourgeoisie zusammengelogen wurde, dass es einem sonstwo raushängt. Stalin hatte eine Reihe von Fehlern, auch großer Fehler. Aber ich denke, dass die chinesische Einschätzung 70 % gut, 30 % schlecht, recht gut hinkommt.

    AntwortenLöschen
  6. In diesem Artikel geht es eigentlich nur um das Zitat und da kann man zu 100% zustimmen (auch wenn es Stalin gesagt hat).
    Der Film "Освобождение" ist meines Erachtens realer.
    Dass der debile Jelzin im Suff halb Russland verschenkt hat - einverstanden. Es gibt einige Aufnahmen, die ihn zu einer Großveranstaltung im Vollrausch am Rednerpult vorbeitorkeln zeigen. Es gefiel natürlich dem Westen, dass sich Russland in historisch kurzer Frist selbst demontierte..
    Aber zu Gorbatschow - ich hatte geglaubt, er hätte subjektiv etwas Gutes gewollt, ich habe damals alle ZK-Plenen zu den einzelnen Bereichen (Industrie, Gesundheitswesen...) mit Begeisterung gelesen.
    Aber wenn er jetzt noch (sicher gegen gutes Honorar) im Westen auftritt und eine neue Perestroika fordert, habe ich meine Zweifel, ob er nur der "Träumer im Kreml" war, ob er noch zurechnungsfähig ist oder ob er in irgendwelchen Diensten steht.

    AntwortenLöschen