Mittwoch, 3. September 2014

Sharons Informationsbrief: Die Vereinigten Staaten und Russland: Eine mögliche Beziehung

Sharon Tennison, die selbst eine sehr differenzierte Sicht auf Russland und Putin hat, schickte mir diese Artikel zu, die unter der Schirmherrschaft der Carnegie Coporation erscheinen konnten. Sie erhofft sich davon einen Einfluss auf Obama mit seiner gefährlichen Außenpolitik. Nachdem ich diese Artikel gelesen habe, bezweifle ich allerdings, dass sie den gewünschten Erfolg haben werden. Mit Ausnahme des vierten Artikels von Steinbruner hätte unser Deutschlehrer unter die übrigen Aufsätze geschrieben: Thema verfehlt. Das gestellte Thema erforderte, die US-Position und deren Triebkräfte kritisch zu hinterfragen. Nichts von alledem. Sie sehen im wesentlichen die Entwicklung der Krise in der Ukraine unter denselben Gesichtspunkten wie ihre Regierung. Kein Wort, dass es ein US-gestützter Coup war, kein Wort über die massiven US-Einmischungen, kein Wort, dass es sich in Kiew um Faschisten handelt. Und selbstverständlich wird die US-Behauptung übernommen, dass Russland das malaysische Flugzeug heruntergeholt hat. Wenn 'Experten' mit so viel Blindheit geschlagen sind, was kann man dann von der Regierung erwarten?
Andererseits zeigt dies, wie wenig nötig ist, um in der USA Repressalien fürchten zu müssen. Selbst wenn die 'Kritik' in akademische Worthülsen verpackt ist und äußerst milde und diplomatisch vorgetragen wird. Gemeinsam haben sie nur, dass sie eine militärische Konfrontation vermeiden möchten. Doch selbst das ist schon entschieden zu viel. Deswegen kann Putin noch so viele Angebote für friedliche Lösungen machen, so wird es nichts nützen. Diese Angebote werden von diesen Experten nicht einmal registriert, geschweige denn honoriert.

Informationsbrief von Sharon Tennison
3. September 2014

Freunde,

das Folgende ist meiner Meinung nach eine brilliante Strategie der mächtigen Carnegie Coporation. Sie mischt sich in den rasant eskalierenden Krieg in der Ukraine ein. Sie hat 25 bedeutende akademische Spezialisten für internationale Beziehungen unter ihre Schirmherrschaft genommen, um individuell und gemeinsam über die US-Außenpolitik vis-a-vis der Ukraine und Russland zu sprechen.
Diese 25 haben eine Gelegenheit, ihre Ansichten der amerikanischen Öffentlichkeit darzulegen - und dem Weißen Haus. Wahrscheinlich hätten sie allein nicht die Möglichkeit gehabt, Aufmerksamkeit zu bekommen oder in US-Mainstreammedien gedruckt zu werden - aber als Gruppenaktion kann Carnegie nicht ignoriert werden. Als alleinstehende Akademiker, wenn sie Ansichten öffentlich machten, die vom der akzeptierten Ansicht der Regierung abweicht, hätten sie ihrer 'Querdenker' Meinung wegen geächtet werden können ... oder schlimmer hätten sich um ihre begehrte Position an wichtigen Universitäten Sorgen machen müssen.

Lest zuerst die hier folgende Einleitung von Carnegie und schaut euch dann die vier Artikel. Die Gesichtswinkel weichen voneinander etwas ab, aber alle argumentieren, dass gegen Russland eine andere Politik notwendig ist - was hoffentlich für die Obama-Verwaltung ein Signal sein wird.

Sharon


Die Vereinigten Staaten und Russland: Eine mögliche Beziehung
Einleitung
Deana Arsenian
Vizepräsidentin, Internationale Programme und Programm-Direktorin, Russland und Eurasien
Carnegie Corporation von New York


Für diejenigen unter uns mit einem langen Interesse an den US-Russland-Beziehungen, ist der gegenwärtige Zustand der Dinge ebenso bedrückend wie alarmierend. Diese kritische Beziehung hat in jeder Hinsicht einen Zerreißpunkt erreicht. Was dazu führte, kann endlos diskutiert werden von Politikern, Experten, den Medien und der Öffentlichkeit in beiden Ländern und darüberhinaus. Und das geschieht in der Tat aus verschiedenen Sichtweisen über das, was zur gegenwärtigen Situation führte, und was getan werden sollte.

In den USA dreht sich die Debatte hauptsächlich darum, wie man Russland und Präsident Wladimir Putin zurückdrängen kann im Lichte dessen, was in der Ukraine geschieht. Die Antworten, die geboten werden, reagieren auf Russlands Aktionen in der Ukraine, aber sie beruhen auch auf einem Muster von Darstellunen über Russlands heimische Verhältnisse, außenpolitische Ziele und Putins Persönlichkeit.

Die beherrschenden US-Berichte neigen dazu, die anti-demokratischen Züge der russischen Politik zu betonen, Wladimir Putins unbarmherzige Führung und aggressive Außenpolitik. Dieses Bild hat sich in der Ukraine-Krise verstärkt. Die Berichte zeigen auf ein Russland, das von der internationalen Gemeinschaft Abstand genommen hat, und auf einen Präsidenten, der sich wenige um die Isolation und die politischen, Sicherheits- und Wirtschafts-Folgen für sein Land kümmert.

Weil die vorherrschenden Denkweisen die Außenpolitik beeinflussen, ist es notwendig, die grundlegenden Denkweisen zurechtzurücken und sie ständiger Prüfung zu unterwerfen. Die schlimmen Konsequenzen einer Eskalierung des Konfliktes zwischen den USA und ihren Alliierten und Russland erfordern eine Debatte in den USA, die die grundlegenden Annahmen untersucht, von denen unsere Ideen über und die Politik gegenüber Russland geformt werden. Es ist nicht weniger wichtig, dass die Russen die Annahmen untersuchen, die ihren Ansichten über den Westen zugrundeliegen. Aber die Aufgabe liegt alleine an ihnen.

Als Stiftung mit einer historischen Aufgabe, die US-Fähigkeit, Russland zu verstehen und seine Politik zu interpretieren, und den Dialog mit Russland-Experten in thinktanks und akademischen Kreisen zu fördern, hat die Carnegie Corporation von New York eine Gruppe von Spezialisten gebeten, einige kritische Fragen bezüglich Russland zu behandeln und, in Anbetracht der zentralen Position der Ukraine im gegenwärtigen Zustand der Dinge, auch Russlands Politik gegenüber der Ukraine.
Die Fragen sind so formuliert, dass sie beleuchten, was diskutiert und ventiliert werden sollte, aber häufig bei der Suche nach Erklärungen übersehen wird:


  • Sind die dominanten US-Deutungen Russlands und Putins korrekt, ausreichend und nützlich für die Anleitung der Politik gegenüber Russland?
  • Was sind Putins Ziele gegenüber der Ukraine und anderen post-sowjetischen Staaten?
  • Welche Interessen und Annahmen treiben Russlands Politik gegenüber der Region?
  • Gibt es Ideen, die helfen könnten, die Krise zu beenden, die durch eine Verhärtung der Haltung Russlands und der USA ins Hintertreffen gerieten?

Im Geist der Aufgabe der Carnegie Corporation, den Fortschritt und die Verbreitung von Wissen und Verständnis zu fördern, beab sichtigen die auf dieser Seite gebotenen Perspektiven, Fragen zu beleuchten, die wahrscheinlich einen bedeutenden Einfluss auf den Zustand der internationalen Beziehungen in der vorhersehbaren Zukunft haben können.

Teilnehmer:

* Brookings Institution-Steven Pifer

* Carnegie Endowment for International Peace-Andrew S. Weiss

* Carnegie Endowment for International Peace-Eugene Rumer

* Center for the National Interest-Paul Saunders

* Center for Strategic and International Studies-Jeffrey Mankoff

* City College of New York, CUNY-Rajan Menon

* CNA Corporation-Dmitry Gorenburg

* Columbia University-Timothy Frye

* Emory University-Thomas F. Remington

* Financial Services Volunteer Corps-J. Andrew Spindler

* George Washington University-Henry E. Hale

* Harvard University-Dmitry Gorenburg

* Harvard University-Mark Kramer

* Harvard University-Sergei Konoplyov

* Johns Hopkins University-Robert Hunter

* Kissinger Associates-Thomas Graham

* Monterey Institute of International Studies-William Potter

* The National Academies-Glenn Schweitzer

* Stanford University-Siegfried S. Hecker & Peter E. Davis

* University of Michigan-William Zimmerman

* University of Maryland-John Steinbruner

* University of California, Los Angeles-Daniel Treisman

* U.S. Naval War College-Nikolas K. Gvosdev

* Woodrow Wilson International Center for Scholars-Matthew Rojansky


Unter dem folgenden Link sind alle 25 Beiträge einsehbar. Die vier von Sharon mitgeschickten Artikel sind von Thomas Graham, Henry E. Hale, Matthew Rojansky und John Steinbruner.
http://perspectives.carnegie.org/us-russia/

1 Kommentar:

  1. Obama ist schlicht irrelevant für die Politik der USA. Erst recht für die Außenpolitik. Der Mann ist eine Handpuppe der Neocons und das sind klinische Psychotiker auf Weltzerstörungstrip, die zwangsweise in eine geschlossene Anstalt gehören. Denn bei diesen Leuten ist jeglicher Überzeugungsversuch zwecklos, da jede Information, die nicht mit ihrer wahnhaften Vorurteilswelt konform ist, negiert und der jeweilige "Messenger" gnadenlos in Grund und Boden gebullied wird.

    "Self Esteem" total.

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