Montag, 22. Juni 2015

Warum der Bär wieder da ist: Russische Militärpräsenz in Vietnam


Ein interessanter Artikel, auch wenn bei ihm eine anti-chinesische Haltung zum Vorschein kommt. Er hat offensichtlich noch nicht die tiefe und äußerst enge, auf Vertrauen basierende strategische Zusammenarbeit zwischen China und Russland begriffen.


Rakesh Krishnan Simha
15. Juni 2015


Aus dem Englischen: Einar Schlereth



Russische Marine
Die Russland-Vietnam-Bande, die nach Ende des Kalten Krieges abzukühlen schienen, wärmen sich rundum wieder auf. Mehr als 20 Jahre, nachdem Moskau seine größte ausländische Basis verließ, sind russische Militärflugzeuge wieder in Cam Ranh Bay willkommen.

Die erneute russische Präsenz in Vietnam hat, wie vorherzusehen, die Alarmglocken im Pentagon läuten lassen. Der Kommandeur der US-Armee im Pazifik bestätigte, dass russische strategische Bomber über der massiven US- Luftwaffenbasis Guam kreisen und in Cam Ranh Bay aufgetankt werden.

Am 15. März schrieb Washington an Hanoi, dass die vietnamesischen Behörden nicht der russischen Bomber-Flotte im Asiatischen Pazifik beistehen sollen. Die Reaktion Vietnams war, öffentlich zu schweigen. Laut Phuong Nguyen vom 'Center for Strategic & International Studies' in Washington:
„Aus der Perspektive vieler vietnamesischer Beamter, die im Krieg gegen die USA kämpften, hat Moskau geholfen, Generationen von vietnamesischen Führern auszubilden und hat Hanoi  in den Jahrzehnten internationaler Isolierung unterstützt.“

Nguyen fügt hinzu:
„Wenig ist für Vietnam so wichtig wie eine unabhängige Außenpolitik. Angesichts Vietnams komplexer Geschichte wollen seine Führer nicht, dass ihr Land wieder zwischen zwei Supermächte gerät. Alles, was einer US-Einmischung in Vietnams Beziehung zu Russland ähnelt, kann diese Furcht unnötigerweise vergrößern.“

Obwohl die Vietnamesen die USA als einen zunehmend wichtigeren Partner in Südostasien ansehen, steht Russland an der Spitze. Im November 2014 wurde ein Abkommen geschlossen, dass russische Kriegsschiffe, die den Tiefwasserhafen Cam Ranh Bay besuchen, Vietnams Behörden nur vorher Bescheid zu geben brauchen, während alle anderen ausländischen Marinen auf einen jährlichen Besuch in vietnamesischen Häfen beschränkt sind.

Warum Vietnam wichtig ist

Am Tor des Indischen Ozeans und des Pazifik gelegen, ist es für Russland von größter Bedeutung. Permanente Basen für Marine und Luftwaffe in Vietnam helfen der russischen Pazifikflotte das Problem zu lösen, durch die enge Straße von Japan zu kommen und Zugang zum Pazifik zu erhalten.

Gewiss, die gegenwärtige russische Präsenz ist minimal im Vergleich zur Feuerkraft der 1980-er Jahre, als Moskaus Pazifikflotte aus unglaublichen 826 Schiffen bestand, einschließlich 133 U-Boote, 190 Schiffs-Angriffs-Bomber und 150 anti-UBoot-Flugzeuge. Aber selbst damals war sie schwerlich aggressiver Natur. Laut Alvin H. Bernstein von dem US Naval War College war es „unwahrscheinlich, eine spezifische, aggressive, regionale Absicht zu haben, weil es nicht einer Macht entsprach“, die sich als „vorsichtig und nicht-herausfordernd“ erwiesen hat.

Drei Jahrzehnte später sucht Moskau unter Präsident Wladimir Putin abermals, seine Rolle sowohl als globale als auch asiatische Macht zu stärken, und wie Bernstein bemerkt, es will auf alle „Eventualitäten und Gelegenheiten vorbereitet sein“.

Es ist auch Teil von Vietnams Schau-Ostwärts-Politik. Tatsächlich hat, lange bevor Obama seine Asien-Hinwendung verkündete, bereits Russland sich dem Osten zugewandt und hatte in einst pro-amerikanischen Ländern wie Indonesien und Malaysia Pluspunkte gesammelt.

Doch ist es in Vietnam, wo die russische Diplomatie auf Hochtouren läuft. Aber zuest ein kurzer Rückblick.

Vietnam ist ein kleines Land mit einer Armee, die sich weit über ihr Gewicht darstellt. Für jene mit kurzem Gedächtnis hat dieses südostasiatische Land Frankreich und den USA in Folge vernichtende Niederlagen beigebracht. Unerhörte Tapferkeit, kluge Schlacht-Taktiken und ein 'Sag-niemals-sterben-Geist' waren entscheidend für den Sieg in den Kriegen, aber der Schlüsselfaktor war, dass Vietnam mächtige Freunde hatte.

Im Vietnam-Krieg spielte Russland eine entscheidende Rolle für Vietnams Verteidigung, indem es eine massive Menge an Waffen lieferte. Im Verlauf des 21-jährigen Krieges betrug die russische Hilfe 2 Mill. $ täglich. Im Gegenzug bot Vietnam Russland die freie Benutzung der Cam Ranh Bay-Basis an. Teil des Abkommens war, dass die Russen dort MIG-23 Kampfjets, TU-Tankflugzeuge, TU-95 Langstrecken und TU-142 maritime Aufklärungsflugzeuge stationierten.

Cam Ranh wurde Moskaus größte vorgeschobene Marinebasis außerhalb Europas. Zwanzig Schiffe wurden täglich in der Basis unterhalten zusammen mit 6 Atom-Angriffs-Ubooten. Die Basis spielte eine starke Rolle, Russland in der Kalten-Kriegs-Konfrontation mit den US-geführten Streitkräften in Asien und im Pazifik zu helfen. Als zum Beispiel die 7. Flotte der USA in den Golf von Bengalen einlief, um 1971 im Indien-Pakistan-Krieg auf Indien Druck auszuüben, konnten die Russen schnell ihre Atom-Uboote und -Schiffe hinsenden, um Indien zu verteidigen.

Trotz der geopolitischen Bedeutung von Cam Ranh für Moskau und ihr Wert als Sammelposten für geheime Nachrichten löste sich die russische Anwesenheit nach dem Zerfall der Sowjetunion völlig auf. Militärbasen von der Größe Ram Canhs kosten eine irrsinnige Menge Geld für den Unterhalt und Russland hatte einfach kein Geld über. 2001 wurde sogar die Abhörstation aufgelöst.

China wird von Klubs bedroht

Obwohl Russlands Militär-Präsenz abnahm, gab es dennoch starke Bande zwischen Russland und Vietnam. Inmitten des lautstarken Streits mit China über die Kontrolle der Spratley-Inseln jagte Hanoi nach starker Hardware. Vietnams legendäre Luftwaffe erwarb 24 Su-30 Kampfjets von Russland und Ende 2015 wird es 36 Sukhois in Betrieb nehmen und damit die drittgrößte Flotte dieser modernen, supermanövrierfähigen Flugzeuge besitzen.

Aber am meisten wird die Kriegsmarine Vietnams (VPAN) aufgerüstet. 2009 unterzeichnete Vietnam ein 3.2 Mrd. $ Abkommen mit Russland, das sechs Uboote der Kiloklasse und den Bau eines Uboot-Hafens in Cam Ranh Bay umfasste.

Eine weitere teure Erwerbung sind 50 Klub-Überschall-Marschflugkörper für die Uboote, was Vietnam zum ersten südostasiatischen Land macht, das seine Ubootflotte mit Angriffs-Raketen ausrüstet.

Die Klubs wiegen 2 Tonnen und haben einen 200 kg Gefechtskopf. Die anti-Schiffsversion hat eine Reichweite von 300 km, erreicht aber eine Endgeschwindigkeit von 3000 km/h. Laut Strategy Page verzichtet die Landversion auf die hohe Endgeschwindigkeit, um stattdessen einen 400 kg Sprengsatz zu installieren.

Was die Klubs besonders gefährlich beim Angriff auf Schiffe macht, ist, dass sie am Ende in etwa 15 km Entfernung vom Ziel schneller werden,“ berichtet Strategy Page. „Bis zu dem Punkt fliegt die Rakete in etwa 33 m Höhe, was ihre Entdeckung schwierig macht. Dies und die hohe Endgeschwindigkeit macht, dass sie für das letzte Stück nur 15 Sekunden braucht. Das macht es schwierig, sie auszuschalten.

Die russischen Uboote, die mit Klubs ausgerüstet sind, werden im Konflikt im Südchinesischen Meer wohl eine entscheidende Rolle spielen. Ein Analytiker meint, dass die Boden-Angriffs-Raketen eine „starke Veränderung“ bilden zur Stärkung von Vietnams Marine. „Sie hat dadurch eine mächtige Abschreckung gewonnen, was Chinas strategische Pläne erschwert.“

Man glaubt, dass chinesische Kriegsschiffe keine effektive Verteidigung gegen die Klubs haben, und deswegen über Russland erbost waren, dass es sie an Vietnam verkaufte.

Während die Kilo-Uboote gebaut werden, trainieren Indien und Russland gegenwärtig vietnamesische Offiziere, die auf den Ubooten arbeiten.

Weitere russische Feuerkraft

Die VPAN hat 2011 von Russland zwei Stealth-Fregatten der Gepard-Klasse mit Lenkraketen für 300 Mill. $ erworben, die bis 2017 auf 6 Fahrzeuge aufgestockt werden sollen. Diese vielseitigen Schiffe sind für Überwasser-, anti-Uboot-Kampf und Luftverteidigung ausgestattet.

Zur VPAN-Flotte gehören auch vier Schiffe der Svetlyak-Klasse – schnelle Patrouillenboote mit anti-Schiffsraketen, 12 Fregatten und Korvetten russischen Ursprungs sowie zwei schnelle Raketen-Attack-Schiffe der Molniya-Klasse, die mit russischer Hilfe gebaut wurden, zu denen bis 2016 vier weitere kommen sollen.

Vietnam hat auch supermoderne Radar-Anlagen gekauft; 40 Yakhont und 400 Kh-35 Uran anti-Schiffsraketen, Kh-59MK anti-Schiffs-Marschflugkörper; R-73 (aa-11 Archer) Kurzstrecken Luft-Luft-Raketen, 200 SA-19 Grison Boden-Luft-Raketen, zwei Batterien der legendären S-300 Boden-Luft-Systeme, VERA passive Radio-Orter und zwei Batterien der K-300P Bastion Küsten-Verteidigungsraketen.

Der ökonomische Gesichtspunkt

In einem Forschungspapier der in Portugal ansässigen Akademiker Phuc Thi Tran, Alena Vysotskaya G.Vieira und Laura C. Ferreira-Pereira steht:

„Der Erwerb von militärischem Material ist kritisch, nicht nur bloß für die Verteidigung und strategisches Kalkül, sondern auch wichtig für die Sicherung sowohl ökonomischer Interessen und der Sicherheit von Ölfeld-Erforschung im Südchinesischen Meer. Letzterer Aspekt ist besonders wichtig angesichts der Rolle, die Russland dabei gespielt hat. In der Tat sind die meisten dieser Ölförderungs -Projekte gemeinsame Unternehmen von Vietnam und Russland.“

Zwar erfährt die Verteidigung in den Medien große Aufmerksamkeit, aber der wichtigste Punkt der Kooperation mit Russlland ist Energie. Das Russland-Vietnam-Joint-Venture Vietsovpetro hat große Dividenden für beide Länder abgeworfen. Dies Unternehmen hat mehr als 185 Mill. t Rohöl und mehr als 21 Mrd. m³ Gas aus den Ölfeldern im Südchinesischen Meer gewonnen. Beinahe 80% von Vietnams Öl und Gas kommen von Vietsovpetro und der Ertrag entspricht 25 % des BNP.

Russland hat auch beträchtliche Investitionen in Vietnams Schwer- und Leichtindustrie getätigt – Transport, Post, Aqua-Kultur und Fischerei. Diese Projekte haben weitere Wirkung gezeitigt – beeindruckt von den Profiten der russischen Unternehmen hat eine Reihe von anderen Unternehmen wie Mobil, BP und Total ihre Investitionen in Vietnam stark erhöht.

Vietnams stategische Absicherung mit Russland ist eng verknüpft mit der ökonomischen Kooperation in der Öl-Förderung, was bedeutende Gewinne für beide Seiten bedeutet. Starke Verteidigungsbande zwischen beiden Ländern hat es Vietnam ermöglicht, moderne militärische Ausrüstung zu erwerben, was dem Land die Möglichkeit gibt, die gemeinsame Ausbeutung der Öl- und Gasfelder auszudehnen trotz der chinesischen Opposition gegen diese Projekte.

Gleichzeitig beginnt Russland, sein Großmacht-Erbe zurückzufordern. Dies bietet Russland zahlreiche Möglichkeiten, politischen und ökonomischen Einfluss zu gewinnen bei den verschiedenen aufsteigenden Mächten im Herzen der dynamischsten Region der Welt.
Aber macht Vietnam keine Vorwürfe, da dies Land keine Ausnahme, sondern eine Bestätigung der vorherrschenden Regel in Asien ist. Wie Professor Anis Bajrektarevic richtig in seiner glänzenden Arbeit 'No Asian Country' erklärt:

„Was offensichtlich wird, beinahe auf den ersten Blick, ist das Fehlen irgendeiner pan-Asien-multilateralen Sicherheits-Struktur. Die bestehenden Sicherheits-Strukturen sind bilateral und meisten asymetrisch. Sie reichen von den klar definierten und dauerhaften nicht-Angriffs-Sicherheits-Verträgen über weniger formale Abkommen bis zu ad hoc-Kooperations-Verträgen in speziellen Fragen. Die Anwesenheit von multilateralen regionalen Verträgen sind begrenzt auf sehr wenige Punkte auf dem größten Kontinent, und selbst dann sind sie selten belastet mit [politisch-militärischen] Sicherheitsfragen in ihrer erklärten Form. Ein weiterer verblüffender Zug ist, dass die meisten der bestehenden bilateralen Strukturen einen asiatischen Staat auf der einen Seite und entweder einen peripheres oder externes Schutzland auf der anderen Seite haben, was sie beinahe definitionsmäßig asymetrisch macht.“


Rakesh Krishnan Simha ist Journalist aus Neuseeland und Analytiker für Außenpolitik.


Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Vor allem weil Vietnam und China sich gerade "knuddeln". Fängt Rußland hier die fehlende Kampfkraft der VSA ab? Ob Rußland wirklich Chinas Freund ist, ist fraglich. Schon rein geostrategisch kann dies nie der Fall sein. Eher läßt das perfide Albion vom "Balance of Power" ab. Eventuell handelt es sich bei den Sowjets um ein West- U-Boot in den BRICS Staaten. Auch der neue Ost-West Konflikt scheint eher etwas künstlich. Asien den Asiaten, ich würde als Asiate alles rauschklatschen, was nicht asiatisch ist. Mistkultur, weiße Menschen (Militär und Machtstrukturen), Missionare, etc. etc.

    Zu hoffen bleibt, daß gerade Japan, ein geeintes Korea und China, samt Anreinerstaaten gegen das eingesickerte Gesindel vorgehen, mit harter Hand, etwas anderes versteht das Geschmeiß nicht.

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  2. "Gleichzeitig beginnt Russland, sein Großmacht-Erbe zurückzufordern." Nette Nato-Propaganda. Russland tut schlicht nichts anderes, als sich auf den kommenden Überfall der USA vorzubereiten.

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  3. du als asiate???
    du hast nicht mal als deutscher die eier um dich um dein eigenes land und dein volk zu kümmern.
    jeder hat immer ne große fresse was andere länder angeht aber vor der eigenen haustür wird nicht aufgeräumt.
    oder ist nichts mehr mit deutschland den deutschen???

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  4. Es ist traurig, wie tief in die Gehirne der Menschen, das faschistische Credo, von Konkurrenz, Feindschaft, Blockdenken und dem Darwinschen Modell, das wir alle Tiere sind und uns zwangsläufig gegenseitig zerfleischen müssten und es eine natürliche Herrschaft- Hierarchie gäbe. Auf diesen Glaubenssätzen, hat das Britisch Empirie, seine Herrschaft, über die Welt aufgebaut und ist nach der Symbiose, mit ihrer Kolonie USA, ins Credo, des GB/US Imperium weitergeführt worden. Die Haltung der neuen Politik, der BRICS Staaten, der Schanghai Gruppe, ist aber völlig entgegensetzt, sie pflegen mit allen Staaten, die mit ihnen Kontakt haben möchten, die Wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Kulturell von einander lernen möchten, einen Austausch, zum beiderseitigen Vorteil, so das dieses unselige Konkurrenzdenken, nicht mehr stattfindet und diese vom Empirie langfristig angelegten Streitpunkte, Gebietsstreitigkeiten, abgebaut werden können. Das ist der Kern der Russischen Politik und die kann von den Menschen, die noch im alten Denken gefangen sind, natürlich nicht verstanden werden.

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    1. "und dem Darwinschen Modell, das wir alle Tiere sind und uns zwangsläufig gegenseitig zerfleischen müssten und es eine natürliche Herrschaft- Hierarchie gäbe."

      Mit Darwin hat das gar nichts zu tun! "Überleben des Stärkeren" ist nicht von ihm. "Überleben der an die Umwelt besser angepassten Art" ist eine "biologische" Eerkenntnis.

      Als traurig kann die Tatsache angesehen werden, dass die meisten Menschen sich nicht darüber bewusst sind [jedenfalls sprechen nicht gerade viele darüber], dass der Mensch ein Tier ist: ART Mensch, Gattung Homo aus der Familie der Menschenaffen ... "höheres Säugetier".

      Das faschistische Credo ist das Glaubensbekenntnis des Handelshauses Feg&Feuer, das als "Christentum" oder "Kirche" bezeichnet wird und weder etwas mit Christentum, Religion noch mit Kirche am Hut hat, sondern reiner Nihilismus ist, wie es sich für einen KULT des TODES gehört, der behauptet, dass der Mensch ein schuldiges Böses-Sein ist, welches auch so natürlich biologisch gezeugt, empfangen und geboren wird. WAS SOLL SCHON BEI EINEM DERARTIGEN IRREN WAHN HERAUSKOMMEN?

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