Sonntag, 3. Januar 2016

Syrien ist das Stalingrad des Nahen Ostens


André Vltchek
2. Januar 2016


Aus dem Englischen: Einar Schlereth
Kurdische Frauenmiliz kämpft gegen ISIS.
Tag und Nacht, seit Jahren hat eine überwältigende Macht auf dieses ruhige Land, eine der Wiegen menschlicher Zivilisation, eingehämmert.

Hunderttausende sind gestorben und Millionen wurden gezwungen, ins Ausland zu fliehen oder innerhalb des Landes. In vielen Städten und Dörfern ist kein Haus mehr unbeschadet.

Aber Syrien hält stand entgegen allen Widrigkeiten.

In den vergangenen 3 Jahren arbeitete ich in fast allen Randgebieten Syriens, entlarvte die Geburt der ISIS in den NATO-Lagern in der Türkei und in Jordanien. Ich arbeitete auf den besetzten Golanhöhen und im Irak. Ich arbeitete auch im Libanon, ein Land, das jetzt gezwungen ist, über zwei Millionen (vor allem Syrer) zu beherbergen.

Der einzige Grund, weshalb der Westen seine schreckliche Kampagne der Destabilisierung begann, war, weil er „nicht tolerieren konnte“ Syriens Ungehorsam und die sozialistische Natur seines Staates. Kurz, die Art des syrischen Establishments, die Wohlfahrt seines Volkes über die Interessen der multinationalen Unternehmen zu stellen.

* * *
Vor mehr als zwei Jahren stellte mir meine ehemalige indonesische Film- Herausgeberin eine Frage in einem ärgerlichen Ton:

„So viele Menschen sterben in Syrien! Ist es das wirklich wert? Wäre es nicht leichter und besser für die Syrer, einfach aufzugeben und der USA ihren Willen zu lassen?“

Diese chronisch verängstigte junge Frau suchte immer nach den einfachsten Lösungen, die ihr Sicherheit gäben, aber Sicherheit mit erheblichen persönlichen Vorteilen. Wie so viele andere heutzutage, die überleben und vorankommen wollen, entwickelte sie ein komplexes System, das auf Betrug, Selbst-Rechtfertigung und Täuschungen beruhte.

Wie sollte man auf so eine Frage antworten?

Sie war schließlich legitim.

Eduardo Galeano sagte mir: „Die Menschen wissen, wann es Zeit ist zu kämpfen. Wir haben kein Recht, es ihnen zu sagen … aber wenn sie sich entscheiden, ist es unsere Verpflichtung, sie zu unterstützen, sogar sie zu führen, wenn sie an uns herantreten.“

In diesem Fall entschied sich das syrische Volk. Keine Regierung, keine politische Kraft kann ein ganzes Land zu einem solchen enormen Heroismus und Opfer zwingen. Die Russen taten es im 2. Weltkrieg und die Syrer tun es jetzt.

Vor zwei Jahren antwortete ich dies: „Ich habe den totalen Kollaps im Nahen Osten erlebt. Dort steht nichts mehr aufrecht. Länder, die für ihren eigenen Weg stimmten, wurden buchstäblich eingeebnet. Länder, die sich dem Diktat des Westens unterwarfen, verloren ihre Seele, ihre Kultur und Wesen und wurden in einige der elendesten Plätze der Welt verwandelt. Und die Syrer wussten es: würden sie sich ergeben, würden sie in ein zweites Irak, Jemen oder Libyen oder gar Afghanistan verwandelt werden.“

Und daher erhob sich Syrien. Es entschied zu kämpfen, für sich und seinen Teil der Welt.

Wieder und wieder beharrte es durch Wahlen auf seiner Regierung. Es stützte sich auf seine Armee. Was immer der Westen sagt, was immer die betrügerischen NGOs schreiben, die einfache Logik beweist es.

Dieses bescheidene Land hat keine eigenen mächtigen Medien, um das Ausmaß seines Mutes und seiner Verzweiflung der Welt mitzuteilen. Es sind immer die anderen, die seinen Kampf kommentieren, oft in einer vollständig boshaften Weise.

Aber es ist unleugbar, dass so wie die sowjetische Armee den Vormarsch der deutschen Nazis stoppte bei Stalingrad, so haben die Syrer es fertiggebracht, die faschistischen Kräfte der westlichen Alliierten in ihrem Teil der Welt zu stoppen.

Natürlich wurde Russland direkt mit hineingezogen. Natürlich hat China geholfen, meist im Hintergrund. Und Iran lieferte Hilfe. Und die Hisbollah aus dem Libanon griff ein, was oft als epischer Kampf bezeichnet wird an der Seite von Damaskus gegen die extremistischen Monster, die vom Westen, der Türkei und Saudiarabien erfunden und bewaffnet wurden.

Aber das größte Verdienst gebührt dem syrischen Volk.

Ja, jetzt ist nichts mehr übrig geblieben vom Nahen Osten. Jetzt fallen mehr Tränen als Regentropfen auf dieses alte Land.

Aber Syrien hält stand. Verbrannt, verwundet, aber aufrecht.

Und es wird weithin berichtet, dass seit die russische Armee Syrien zu Hilfe gekommen ist, sind mehr als eine Million Menschen in der Lage gewesen heimzukehren … oft finden sie nur noch Asche und Zerstörung vor, aber es ist die Heimat.

Wie die Menschen vor 70 Jahren in Stalingrad.


* * *

Was wäre also meine Antwort heute auf jene Frage? „Ob es einfacher wäre auf die andere Weise?“ Sich dem Imperium zu ergeben?

Ich glaube, sie lautete so:

„Leben hat Bedeutung, es ist aber nur wert gelebt zu werden, wenn ein paar grundlegende Bedingungen erfüllt sind. Man betrügt keine große Liebe, sei es Liebe zu einer anderen Person oder Liebe zur Heimat, der Menschheit oder Idealen. Tut man das, wäre es besser, nicht geboren worden zu sein. Dann sage ich: Das Überleben der Menschheit ist das heiligste Ziel. Nicht irgendein kurzsichtiger persönlicher Gewinn oder 'Sicherheit', sondern das Überleben von uns allen, des Volkes und Sicherheit für uns alle, alle Menschen.“

Wenn das Leben selbst bedroht wird, dann neigen die Menschen dazu, sich zu erheben und zu kämpfen, instinktiv. In solchen Momenten werden die monumentalsten Kapitel der menschlichen Geschichte geschrieben.

Unglücklicherweise sterben in diesen Momenten Millionen Menschen.

Aber es ist keine Zerstörung derjenigen, die unsere menschliche Rasse verteidigen.

Sie geschieht durch die imperialistischen Monster und ihre Knechte.

Die meisten von uns träumen von einer Welt ohne Kriege, ohne Gewalt. Wir wollen, das Freundlichkeit auf der Welt herrscht. Viele von uns arbeiten unaufhörlich für so eine Gesellschaft.

Aber bis sie errichtet werden kann, bis alle extreme Selbstsucht, Gier und Brutalität besiegt sind, müssen wir kämpfen für etwas viel „Bescheideneres“ - für das Überleben der Menschen und des Humanismus.

Der Preis ist oft furchtbar. Aber die Alternative ist eine enorme gähnende Leere. Einfach nichts – das Ende. Punkt!

In Stalingrad starben Millionen, damit wir leben konnten. Nichts blieb übrig von der Stadt, außer etwas geschmolzener Stahl, verstreute Ziegel und ein Ozean an Leichen. Der Nazismus war gestoppt worden. Der westliche Expansionismus war auf dem Rückzug, damals Richtung Berlin.

Jetzt ist es Syrien, das ruhig, aber stoisch und heroisch, gegen die Pläne des Westens, der Kataris, Saudis, Israelis und der Türkei steht, den Nahen Osten zu zerstören.

Und das syrische Volk hat gewonnen. Für wie lange, wissen wir nicht. Aber es hat gezeigt, dass ein arabisches Land dennoch die mächtigsten mörderischen Horden besiegen kann.

André Vltchek ist ein Philosoph, Romancier, Filmemacher und investigativer Journalist. Er berichtete über Kriege und Konflikte in dutzenden Ländern. Seine neuesten Bücher sind „Exposing Lies Of The Empire“ und „Fighting Against Western Imperialism“. Diskussion mit Noam Chomsky: On Western Terrorism. Point of No Return ist sein von der Kritik gelobte politische Roman. Oceania – ist ein Buch über den westlichen Imperialismus im Süd-Pazifik. Sein provokatives Buch über Indonesien heißt: „Indonesia – The Archipelago of Fear“. André macht Filme für teleSUR und Press TV. Nach langjährigem Aufenthalt in Lateinamerika und Ozeanien wohnt und arbeitet Vltchek gegenwärtig in Ostasien und dem Nahen Osten. Er kan auf seiner website und Twitter erreicht werden.


Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Nur dieses Mal, muss der Faschismus, nicht nur bis Berlin, zurückgeworfen werden, dieses mal muss man ihn bis zu seinen Quellen, in London und New York zurück werfen und die Regenbogenfahne, der Menschheit, über der City of London und der Wall Street aufpflanzen.

    AntwortenLöschen
  2. Weiß nicht ob das reicht, Felix. Man müsste den Indigenen (Indianern) helfen, ihr Land wieder yu bekommen und alle Weißen in die Reservate zu stecken. Unter der Verwaltung der Indigenen könnte sich das Land vielleicht von all dem Dreck und Gift, das die Weißen hinterlassen haben, erholen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich fast genauso denke. Amerikas Land den Ureinwohnern! Nur weil sie keine Landtitel usw. kannten hatte man sich das "herrenlose" Land unter den Nagel gerissen und die Bewohner vertrieben. Einigen Siedlern wurde von den Ureinwohnern sogar geholfen zu überleben.

      Löschen
    2. Nunja, "die Reservate" wurden ja schon vor Jahren in großer Stückzahl gebaut und sind mutmaßlich betriebsbereit.
      Allerdings unter Verwaltung einer angeblichen "KatastrophenSch(m)utz-Behörde".

      Löschen
  3. Wunderbar menschlich - wirklich göttlich-menschlicher Aufsatz - danke einfach dafür ...

    AntwortenLöschen