Montag, 10. Oktober 2011

Im Post-Mubarak Ägypten ist Waterboarding ein Kinderspiel




„Bei dem einzigartigen Tahrir Platz Phänomen ging es um weit mehr als nur Brot und Butter … dort gab es die Forderung des Volkes nach der verlorenen Würde.“
von Dr. Ashraf Ezzat
am 6. Oktober 2011

Die ägyptische Revolution und das Epos vom Tahrir Platz
Es gibt ein paar akademische Definitionen von „Revolution“ - aber letzten Endes laufen sie alle auf einen Satz hinaus: „Dramatische Veränderung in einer relativ kurzen Zeitspanne.“
Es könnte etwas dauern, das politische System eines Landes zu verändern; es könnte etwas dauern, eine neue Verfassung zu schreiben, ein neues Parlament zu wählen und einen neuen Präsidenten … aber es wird definitiv viele Jahre dauern, die Kultur der Angst los zu werden, wenn man so lange in einem Polizeistaat gelebt hat.
Es ist verständlich, dass Kriminelle gewöhnlich eine Rehabilitation brauchen, aber was nicht denkbar ist, wenn man eine Situation vorfindet, wo Polizisten rehabilitiert und neu erzogen werden müssen, um dem Volk ordentlich dienen und es beschützen zu können entsprechend einem Ethikkode, der allgemein anerkannt wird.
Folter war der einzige Bereich, in dem die Regime der arabischen Diktatoren glänzten. Als Herr Bush, der Verbrecher im Weißen Haus, seinen dämlichen Kreuzzug lancierte, besser unter dem Namen 'Krieg gegen den Terror' bekannt, pflegte er entführte Verdächtige der sogenannten Al Qaida nach Marokko, Ägypten und Jordanien zu schicken für innovative Verhöre – Techniken, die Waterboarding geradezu als gnädig erscheinen lassen.

Die Ägypter revoltierten nicht gegen Mubarak an sich, sondern sie protestierten gegen das Leben in einem Polizeistaat, das nicht nach dem Gesetz handelte sondern entsprechend dem Ausnahmezustand, wo jeder Verdächtige schuldig ist bis das Gegenteil bewiesen ist. Und in der Zwischenzeit wird er wahrscheinlich erniedrigt wie nie zuvor in seinem Leben und seiner Würde und seines Stolzes beraubt. Und wenn er jemals wieder aus dem Gefängnis herauskommt, dann als menschliches Wrack.
Natürlich lagen soziale und ökonomische Missstände hinter der ägyptischen Revolution, aber bei dem einzigartigen Tahrir Platz Phänomen ging es um weit mehr als nur Brot und Butter … dort gab es die Forderung des Volkes nach der verlorenen Würde.

Der Honigmond zwischen dem ägyptischen Militär und den Demonstranten hielt nicht lange an
Der Honigmond zwischen dem ägyptischen Militär und den Demonstranten hielt nicht lange an. Der Tahrir Platz, der die Szene jubelnder Feiern war, verwandelte sich bald in ein Schlachtfeld, als die Armee gewaltsam die Aktivisten vertrieb, sie mit Knüppeln und Elektrostäben schlug – und sogar scharf schoss – was zu vielen Todesopfern führte.
Hunderte wurden zu Lastwagen geschleppt und ins Gefängnis geworfen. Zwischen dem 28. Januar und dem 29. August wurden beinahe 12 000 Zivilisten von Militärtribunalen verurteilt, mehr als Mubarak in 30 Jahren Diktatur schaffte. Die Folter durch Polizei und Militär ist nach wie vor weit verbreitet - hunderte Fälle von Schlägen, Elektroschocks und sexuellen Übergriffen sind bekannt.
Ein Video wurde kürzlich verbreitet, das Armee- und Polizeioffiziere zeigt, die Bürger in der Kurdi Polizeistation im Gouvernement Dakahlia (nordwestlich von Kairo) foltern.
Das Video zeigt drei halbnackte Bürger, geknebelt und mit verbundenen Augen, auf denen die Offiziere herumtrampeln. Es zeigt auch einen Offizier von den Spezialeinheiten, der den Bürgern hinter dem Ohr Elektroschocks mit Tasern verabreicht, was sie während des Verhörs schreien lässt.
Das Video zeigt ein paar bekannte Offiziere von Armee, Polizei und den Spezialeinheiten, die auch bei der Revolution am 25. Januar auftauchten.
Es muss erwähnt werden, dass zwei Verdächtige, die in dem Video gefoltert werden, beim Rauben und Plündern erwischt wurden --- aber ich denke nicht, dass diese Tatsache diesen Hohn auf Menschenrechte und legale Prozeduren weniger verwerflich macht.
Die ägyptischen Militärs/Polizisten hätten sich auch den Ärger sparen können und die beiden Männer am Ort des Geschehens mit Drohnen bombardieren können, wie Obama es mit Anwar al-Awlaki im Jemen gemacht hat.
Und dennoch lässt sich der Awlaki Fall nicht mit dem Betragen der ägyptischen Polizei vergleichen; ich meine, die Verdächtigen wurden zumindest zum Verhör gebracht. Dafür müssen wir der ägyptischen Polizei Anerkennung zollen.
video
Das Video auf Arabisch muss man sich nicht unbedingt anschauen. Es liegt hier um der Dokumentation willen. Und der Originalartikel ist hier zu finden.

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