Sonntag, 23. Oktober 2011

Indien: Wo Verfälschung von Nahrungsmitteln das ertragreichste Geschäft ist


von Devinder Sharma am 20. Oktober 2011


Vergangene Woche hat das Ministerium für Gesundheit und Familie in Punjab 2000 Liter synthetischer Milch beschlagnahmt. In Chandigarh hat die Verwaltung bisher 30 Tonnen Süßigkeiten in der vergangenen Woche zerstört – 30 Tonnen bedeuten 30000 dibbas (Gebäck) von je einem Kilo. Dies sind keine isolierten Vorfälle. Die örtlichen Zeitungen sind voll mit Nachrichten über verfälschte Süßigkeiten und Trockenobst, und auch mit Berichten über die unhygienischen Bedingungen, unter denen die blühende Süßigkeitsindustrie arbeitet. Nicht nur in Punjab kommen aus dem ganzen Land schockierende Berichte über Verfälschung und unechte Süßigkeiten/Milchprodukte herein. Die Verfälschung von Nahrungsmitteln ist sicher eine der größten und blühendsten Industrien.
Jetzt kommt die Festsäson. Während ihr feiert und Süßigkeiten austauscht, haben die kleinen Geschäfte in eurer Nachbarschaft ihre große Zeit. In den nächsten Wochen werden tonnenweise Süßigkeiten, Gebäck, Milchprodukte und Fertiggerichte verkauft. Wieviel davon wird von guter Qualität und sicher für den Konsum sein? Ratet mal.
Schauen wir uns ein paar gewöhnliche Verfälschungen an, denen ihr wahrscheinlich begegnen werdet. Synthetische Milch, die in Patiala beschlagnahmt wurde, und für Süßigkeiten, ghee, khoa, Crême und andere Milchprodukte verwendet wird, ist dafür bekannt, irreparable Schäden an Organen hervorzurufen. Sie ist natürlich ein Gesundheits- Risiko, aber wenn man schon an Herz- und Nierenkrankheiten leidet, wird das Problem noch ernster. Urea, was zur Herstellung von synthetischer Milch benutzt wird, ist besonders schädlich für die Nieren und Ätznatron ist ein langsam wirkendes Gift für Leute, die an Bluthochdruck und Herzproblemen leiden.
Die Chancen, dass Khoa-Süßigkeiten und desi ghee auch verfälscht wurden, sind groß. Obendrein werden schädliche Farbstoffe und sonstige Rohmaterialien verwendet. Farben, die häufig verwendet werden, enthalten Blei und Arsen, was die Nieren schädigt. Man bezahlt einen deftigen Preis für mithai, der in desi ghee zubereitet wurde, und man erhält dafür keine Nährstoffe, sondern Tierfett, gemahlene Tierknochen und Mineralöle. Jene, die sich desi ghee nicht leisten können, kaufen vanaspati, was auch verfälscht ist. Es wird gewürzt mit Stearin, ein Nebenprodukt von Palmöl, das zur Bereitung von Seifen benutzt wird.
Während derlei Ghee-Herstellung in Punjab, Haryana, Uttar Pradesh, Bihar, Madhya Pradesh, Rajasthan und Maharashtra sehr verbreitet ist, gibt es auch einen ausgedehnten khoa-Handel. Man nimmt an, dass 90 % der vanaspati, die auf dem Markt sind, die Vorschriften des Gesetzes zur Verhütung von Nahrungsmittelverfälschung (PFA) verletzen.
Diese Verfälschung ist so verbreitet, dass selbst die Pistazien, die in Süßigkeiten verwendet werden, nicht verschont werden. Skrupellose Händler verwenden stattdessen Erdnüsse von schlechter Qualität, in kleine Stücke gehackt und dann mit Kunstfarbstoffen versetzt. Von verfälschten Pistazien kann man Symptome von Halsbrennen, ernsten Kopfschmerzen, Erbrechen und in ernsten Fällen gravierende Folgen bei schwangeren Frauen bekommen. Aber wenn das Kind deformiert geboren wird, wird es praktisch unmöglich sein, dies mit Verfälschung von Nahrungsmitteln in Verbindung zu bringen.
Ich könnte fortfahren, die schädlichen Auswirkungen von verfälschter Nahrung auf eure Gesundheit aufzuzählen. Aber was bestürzend ist, das ist die vollständige Gleichgültigkeit der Konsumenten und auch der Aufsichtsbehörden, die die Nachteile von verfälschter Nahrung, Früchten und Gemüse kontrollieren sollen. Es ist dringend notwendig, gegen diese skrupellosen Händler und Bauern entschieden einzuschreiten. Das wird einige Zeit dauern, aber lasst uns anfangen mit dem, was wir tun können. Außer Anzeigen beim Amt für Gesundheit habe ich zwei Vorschläge:
Auf Grund einer Reihe von Fernsehprogrammen im vergangenen Jahr, werdet ihr überrascht sein zu erfahren, dass die Konsumenten in Meerut, einem Zentrum der Nahrungsmittelverfälschung khoa-Produkte boykottierten. Die Händler mussten tonnenweise khoa-Süßigkeiten wegwerfen, als die Feiertagssäson vorbei war. Wenn das in Meerut geschehen kann, dann kann es auch in eurer Stadt oder eurem Dorf passieren. Weigert euch einfach, Süßigkeiten zu kaufen und ihr seid auf der sicheren Seite.
An die Händler und Großproduzenten. Warum können sie nicht einen Verband gründen von jenen Händlern/Produzenten, die garantieren, dass sie Qualitätsprodukte verkaufen? Warum können sie nicht standardisierten Qualitätsnormen folgen, die vom Gesundheitsministerium vorgeschrieben werden? Ein solcher Verband könnte sich für Qualität verbürgen  und überall Listen verlässlicher Händler/Produzenten veröffentlichen. Das wäre der einzige Weg, das Vertrauen der Konsumenten zurückzugewinnen.

Das Original liegt hier.

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