Mittwoch, 5. Oktober 2011

Kurzer Libyen update vor dem NATO-Treffen



nsnbc vom 5. Oktober
von Dr. Christof Lehmann
Nachdem der Generalangriff auf Sirte gestern zum Stillstand kam, war es in Libyen relativ ruhig. Ist es die Ruhe vor dem nächsten Sturm? Oder werden die NATO-Häuptlinge Probleme haben, ihren Generälen zu erklären, einen Krieg fortzuführen, der ihnen lebenslange Haft in jedem Land mit internationaler Jurisdiktion einbringen kann?
Nach dem gestrigen Generalangriff auf Sirte ist es relativ ruhig. Obwohl Artillerieduelle zwischen den TNC Kämpfern und den libyschen Verteidigungsstreitkräften weitergehen, ist es ruhig genug, um die Zerstörung überschauen zu können. Was vorher unmöglich war, die Toten und Verwundeten aus den Ruinen zu evakuieren, wird jetzt zu einer Vorstellung von dem riesigen Umfang des Massakers führen, das an den Bewohnern und Verteidigern von Sirte begangen wurde.
Heute haben die NATO und der TNC mehr als 200 Verwundete „Rebellen“ aus Sirte evakuiert, die außerhalb in den südlichen Vororten von Sirte vorselektiert wurden.
In Tripolis trotzt die Bevölkerung der Aufforderung von Abdelhakim Belhadj, die Waffen, die sie erhalten haben, abzuliefern. Als es für die libysche Regierung offenbar wurde, dass man vor einem Generalangriff stand, teilte sie 1.2 Millionen Waffen an die Bevölkerung aus, um das Land zu verteidigen, und das tut sie auch. Nach dem Aufruf, die Waffen abzuliefern, war gestern der erste Tag in Tripolis, an dem Straßensperren errichtet wurden, um den Fluss von Waffen in dn Vierteln unter TNC-Kontrolle zu kontrollieren. Gegen Abend kamen die Truppen an den Sperren unter Feuer von Scharfschützen mit schallgedämpften Gewehren, was schwere Verluste verursachte.
In Bengasi sind die Kämpfe abgeflaut, wo es zu einer Pattsituation zwischen den gut verschanzten TNC-Kämpfern im Stadtzentrum und den sie umzingelnden libyschen Kräften kam. Kämpfe wurden auch aus der Gebirgskette im Westen gemeldet und aus der Umgebung von Saba, die aber nicht die Intensität der Schlachten der vergangenen Woche hatten.
Ist es die Ruhe vor dem nächsten Sturm? Wenn, wieviel mehr Reserven können oder werden eingeflogen werden und von wo, für den Versuch, den scheinbar unumstößlichen Willen der libyschen Bevölkerung zu brechen, die Unabhängigkeit ihres Landes zu verteidigen? Libyen war die Perle Afrikas. Sie wissen, dass es lohnt, für sie zu kämpfen.
Morgen werden sich die NATO-Führer treffen, um die Entscheidung zu treffen, die das Schicksal von hunderttausenden von Menschen entscheiden wird. Geflüster über geheime diplomatische Gespräche? Ich habe davon gehört, aber nichts ist bestätigt worden. Was hingegen bestätigt wurde, obwohl die NATO es leugnet, ist, dass eine zunehmende Zahl von Offizieren größte Bedenken hat, welche Konsequenzen eine Fortführung der Kriegsverbrechen in Libyen für sie und ihre Truppen haben wird. Wird die Vernunft siegen oder wird eine Clique von Konquistadoren entscheiden, ihren Plünderungszug fortzusetzen? Morgen werden wir mehr wissen.

Keine Kommentare:

Kommentar posten