Samstag, 19. September 2015

Putins Linie im Sand: Kein Regime-change in Syrien


Mike Whitney
17. September 2015

Aus dem Englischen: Einar Schlereth
„Beamte der Obama-Verwaltung, die Monate mit der Türkei verhandelten, sagten am Donnerstag, dass sie zu einem Abkommen gelangt seien für bemannte und unbemannte US -Flugzeuge, Luftangriffe gegen Stellungen der Islamischen Staates durchzuführen von ihren Luftwaffenbasen in Incirlik und Diyarbakir. Das Abkommen wurde von einem hohen Beamten als ein „game changer“ (Spielwende).“ New York Times vom 23. Juli 2015
Der syrische Krieg kann in zwei Teile getrennt werden. Die vor-Icirlik-Periode ist grob die 4-Jahres-Spanne, in der die US-gestützten islamischen Milizen und al Qaida gegen die syrische Armee mit der Absicht kämpften, Assad zu stürzen. Diese erste Phase endete mit einem Unentschieden.

Die nach-Incirlik-Periode sieht aus, als könnte sie ein ganz anderes Ende nehmen wegen der Tatsache, dass die USA in der Lage sein wird, ihre Drohnen und Kriegsflugzeuge von der türkischen Basis Incirlik einzusetzen, nur 15 Flugminute von Syrien entfernt. Das kann die Zahl der Flüge der USAF erhöhen und die Effektivität ihrer Dschihadisten, die ihre Operationen unter dem Schutz der US-Luftwaffe durchführe können.

Die New York Times nennt den Incirlik-Deal einen „game-changer“, was eine Untertreibung ist. Den US-F16 zu erlauben, den Himmel über Syrien zu patrouillieren, ist für Washington eine de facto Durchsetzung einer no-fly Zone über dem Land, was Assads Fähigkeit, gegen die US-gestützten Milizen vorzugehen, die große Teile des Landes unter Kontrolle haben und einen Angriff auf Damaskus vorbereiten, erheblich einschränken wird. Und da der Krieg nicht durch die Luftwaffe allein gewonnen werden kann, wird diese neue taktische Realität die Waage zugunsten der Dschihadisten verschieben. Mit anderen Worten kann das Incirlik-Abkommen alles verändern.
Die Obama-Verwaltung glaubt jetzt, dass der Regimechange in Reichweite liegt. Ja, sie wissen natürlich, dass einige Hilfe durch US-Spezialeinheiten und türkische Kampf-Einheiten nötig sein wird, aber das ist machbar. Deswegen hat Obama Russlands Plan für eine Übergangsregierung oder die Bildung einer Koalition, um die IS zu besiegen, ignoriert. Die USA braucht in dieser Angelegenheit letztlich keine Kompromisse einzugehen, weil sie eine strategisch gelegene Luftwaffenbasis zur Verfügung hat, von der aus sie ihre Stellvertreter-Armee schützen kann, Ziele jenseits der Grenze bombardieren und den Himmel über Syrien kontrollieren kann. Jetzt braucht Obama nur noch den Krieg verstärken, ein bisschen Druck auf Assad auszuüben und auf den Sturz des Regimes zu warten. Deshalb müssen wir mit einer dramatischen Eskalation bei Beginn der 2. Phase rechnen.

Putin weiß das jedoch, weshalb er mehr Waffen, Ausrüstung und Berater schickt. Er signalisiert Washington, dass er weiß was es vorhat und dass er darauf antworten wird, wenn man zu weit geht. In einem Interview mit Russlands Kanal 1 sagte Putin: „Wir haben unsere Ideen, was wir tun werden und wie wir sie tun werden, im Fall, dass sich die Situation zum Einsatz von Gewalt oder sonstwie entwickelt.“

Obama ist sehr nervös wegen Putins Plänen, weshalb sie nun versuchen herauszufinden, was er im Ärmel hat. Erst vor ein paar Tagen hat Außenminister Kerry seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow angerufen und seiner Sorge Ausdruck gegeben, wegen „der bevorstehenden russischen Verstärkungen“ in Syrien. Der Anruf war ein plumper Versuch, Lawrow reinzulegen und freiwillig Informationen zu geben, was Moskau zu tun beabsichtigt, wenn Washington mit seiner Regime-change-Strategie weitermacht. Aber Lawrow hat den Köder nicht geschluckt. Er hat Kerry nichts gesagt, außer was er nicht ohnehin weiß.

Aber Tatsache ist, dass Putin nicht erlauben wird, dass Assad mit Gewalt gestürzt wird. So einfach ist das. Obama und seine Berater vermuten das, aber sind nicht 100% sicher, weshalb sie auf die eine oder anderer Weise nach Besätigung suchen. Aber Putin wird keine klare Antwort geben, um nicht konfrontativ zu erscheinen. Aber das bedeutet nicht, dass er nicht entschlossen ist. Das ist er und das weiß Washington auch. Tatssächlich hat Putin einen Strich im Sand gezogen und den USA gesagt, dass es Ärger geben wird, wenn sie die überqueren.

Es liegt also an Obama. Er kann entweder eine friedliche Lösung suchen nach den Vorgaben, die Moskau gemacht hat oder weiter den Regime-change betreiben und eine Konfrontation mit Russland riskieren. So steht die Wahl.

Unglücklicherweise hat Washington keinen Abschalter und die Änderung der Politik haben sie nicht im Sinn. Stattdesse wird die US-Kriegsmaschine launenhaft weitertrampeln, bis sie zu einem Engpass kommt und stotternd zum Stillstand kommt. Nochmals, das unbewegliche Objekt wird über die nicht zu stoppende Kraft siegen (wie in der Ukraine), jedoch zu großen Kosten für das misshandelte syrische Volk Syriens, ihr Land und die ganze Region.

Denkt daran, dass der imperiale Plan für Syrien raffinierter ist, als viele Leute glauben. Wie Michael E. O'Hanlon vom Brookings Institut in seinem Papier „Declnstructing Syria: A new Strategy for America's most hopeless war“ erklärt:
„Der Pland … wird nicht explizit versuchen, ihn (Assad) zu stürzen, als vielmehr verhindern, Gebiete zu kontrollieren die er zurückgewinnen will. Die autonomen Zonen werden befreit mit der klaren Absicht, dass sie wieder an Assad oder seinen Nachfolger zurückgehen. Jedenfalls wird Assad kein militärisches Ziel in diesem Konzept sein, sondern Gebiete, die er noch kontrolliert. Und wenn Assad zu lange einen Deal für das Exil hinausschiebt, könnte er unausweichlich eine direkte Gefahr für seine Herrschaft oder selbst seine Person heraufbeschwören.“
Der grundlegende Plan sieht so aus: Größere Städte zu erobern und große Teile der ländlichen Gegenden, die Zerstörung der Nachschublinien und der vitalen zivilen Infrastruktur. Das Endziel ist, den Staat in tausende Enklaven zu zerschlagen, die von bewaffneten Söldnern, al Qaida-Filialen und Warlords beherrscht werden. Das ist Washingtons diabolischer Plan für Syrien. Er ist verblüffend ähnlich zum Zionistischen Plan, „die Teilung der gesamten Region in kleine Staaten durch Auflösung aller bestehenden arabischen Staaten“ (Israel Shahak „The Zionist Plan for the Middle East“). Im Grunde ist er identisch.

Es ist klar, dass Obama durch den Incirlik-Deal ermutigt ist und glaubt, dass er mit Hilfe der Türken die US- imperialen Ambitionen in Syrien erreichen kann. Aber das wird nicht passieren. Russland, Iran und die Hisbollah sind vorbereitet, ihren Alliierten Assad zu verteidigen und Washington zum Stillstand kommen zu lassen. Obama wird erreicht haben, eine weitere Nation zerstört zu haben und sein Volk auf den ganzen Nahen Osten und Europa verteilt zu haben. Aber die US-Mission wird bei weitem nicht ihre ursprünglichen Ziele erreichen. Es wird keinen Regime-Wechsel in Syrien geben. Dafür werden Putin, Nasrallah und Khamenei sorgen.

Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Nun selbst wenn den USA nie ein Regime Change gelingt aber auf die gleiche Art die destabilisierung aller mit Russland irgendwie befreundeten Staaten kann man das seitens Russland nur einen Phyrussieg nennen. Wer wird sich freiwillig mit Russland anfreund wenn selbst bei einem "Sieg" über das Imperium trotzdem das ganze Land zerstört ist. Nur Selbstmörder. Es tut mir leid aber mir scheint das Imperium hat stets einen Plan mit mehreren Etappen und selbst wenn es den großen Sieg nicht erzielt schaft es immer irgendwie wenigstens einen kleinen für sich raus zu ziehen oder zumindet die eigene Niederlage zu einer großen Katastrophe für die "Gewinner" zu machen.

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  2. Ich habe eine etwas andere Meinung dazu, Syrien ist nur ein Opfer einer geopolitischen Strategie ( die sich momentan auf Grund der niedrigen Erdölpreise geändert hat ) Siryen könnte ein wichtiges Transitland für iranisches ÖL zum Mittelmeer sein, wessen Interessen sprechen dagegen ? Saudi Arabien, USA für fracking Gas ? und dafür opfert man gerne mehr als 200K Kriegstote, mehr als 2 Mio Binnenflüchtlinge? aber falls Kotromanic in central Europe lebt, wird er die Auswirkungen dieser gescheiterten Politik auch wahrnehmen...? und die Idee erkennen ?

    die Frage ist immer qui benefacit ex ea

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    1. Das poitische Zionistengebilde fördert auch in der Nähe im Mittelmeer Gas und Öl ...

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  3. Die Frage ist nicht was man will. Ich will unabhängige Länder die sich nicht gängeln lassen.
    Aber man schaue sich nur mal die Reaktion der hiesigen Medien auf Westerwelles noch nichtmal ablehnung sondern Enthaltung der Flugverbotszone in Lybien an. Bernard Henry Levy hat einen Gastkommentar in der Welt abgesetzt der sinngemäß so ging
    "Deutchland hat den schlimmsten Politischen Fehler seit Kriegsende begangen und Ghadaffi wird trotzdem fallen und Westerwelle mit ihm". Ab dem Zeitpunkt hat jede Zeitung in Deutschland gegen die FDP und Westerwelle geschrieben bis die Partei die mir bis dato eigentlich nie positiv aufgefallen wäre kaputtgeschrieben war. Es war ein exempel was jedem Politiker blüht und jeder Partei die dem Imperium nicht bedingungslos folge leistet. Es geht hier nicht um aufbegehren oder nein sagen sondern allein die Enthaltung ist schon ein abzustrafendes Verbrechen im Auge des Hegemons und der hiesigen Profiteure und Unterstützer.
    So wie es hier über Brazilien geschrieben wird ist es auch hier alle öffentlichen Organisationen sei es Medien, Gewerkschaften oder sonstwas steht auf der Seite des Hegemons. Meine Eltern stammen vom Balkan dort gibt es eine Geschichte von großen Aufständen gegen Osmanen oder sonstwen und jedesmal mit unzähligen eigenen Toten. Andere Länder haben sich an jeden Hegemon angepasst und sind immer gut gefahren und problemlos durchgekommen.

    Es geht leider nicht mehr um Gerechtigkeit sondern lediglich darum ob man Lebt um einen anderen Tag zu Kämpfen oder stirbt für manche Völker darunter auch die Syrer.

    Hätten sie statt mit Russen und Iranern einen Gaspipelinedeal mit Amis und Quatar gemacht dann würde Assad heute als ein Beispiel an Demokratie in Arabischen Ländern rumgereicht werden und die Menschen würden noch immer vergleichsweise gut leben. Man mag es Mut nennen oder Wahnsinn das ist betrachtunsweise. Ich weis nur das der Balkan ohne diesen "Mut" in der Vergangenheit heute wohl besser dastehen würde als er es tut.

    Gruß

    Kotromanic

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    1. Hätte, hätte, hätte --- mit Nazis und Zionisten, also Kapitalisten und Faschisten kann man keine Deals oder Verträge machen - von deren Seite werden die immer nur zum Schein gemacht, um einen im nächsten Moment das Messer hinterrücks in die Gedärme zu stoßen - es kann nicht anders sein, weil sie einer wirklich bösen und abscheulichen Religion --- hier meine ich ein grundfalsches Weltbild und Verständnis vom Menschen selber --- anhängen: der gedachte, geglaubte und praktizierte Nihilismus ... auch er will sich als "wahr" beweisen, darin liegt ja seine Idiotie und Schizophrenie und die derjenigen, die von dieser Gedanken-Krankheit befallen, abgerichtet und dressiert wurden.

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  4. Amis sind im Niedergang und schwächeln..(krieg in afghanistan ham sie z.b. auch verlohren )..Ihre einzige Stärke ist die Schwäche , zögerlichkeit , uneinigkeit und duckmäusertum ihrer gegner

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  5. die Russen fahren aber auch einen unmöglichen schlingerkurs...der die Amis ermutigt .solln sie doch mal 20.000 mann hinschicken +gescheite Luftabwehr -und fertig

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    1. H. Clinton nennt das die "Afghanistan-Falle". Dann würden sich auch unter den schwarzen Sturmhauben der allenfalls einer gefälscht-islamischen Wahhabi-Sektenirrlehre aus Saudi-Arabien folgenden IS-Terroristen, die übelsten Mörder sämtlicher Nato-Geheimdienste befinden, wenn das nicht schon jetzt so ist:

      http://4.bp.blogspot.com/-eKLEqt06zEU/VdsPgnIpt1I/AAAAAAABBAw/2WWKUTMCWZ8/s1600/_MG_4972_540_340_100%2B-%2BCopy.jpg

      2006 wurde in Tel Aviv der US-Plan namens "Kreative Zerstörung für einen Neuen Nahen Osten" [1] vorgestellt und mit dem Aggressionskrieg des Besatzungsregimes gegen den Südlibanon gestartet. Was die Welt während der neun Jahre seit 2006 gesehen hat, ist das nicht die Umsetzung genau dieses Plans? Washington hat noch während die inzwischen zugegebenerweise lügenbegründete und damit schwerstverbrecherische Zerstörung Libyens durch die US-geführten Nato-Bomber als Luftwaffe der LIFG- alias Al Qaida- alias IS-Terroristen öffentlich betont, dasselbe mit Syrien zu machen. Da Russland und China im Sicherheitsrat kein Veto einlegte, als 2011 für Libyen über eine Flugverbotszone abgestimmt wurde, die Washington umgehend als Nato-Flugzone missbrauchte, was Washington strengstens verboten war, hatten Russland und China damit ein betonhartes Argument, solchen Kriegsverbrechen der Vernichtung ziviler Infrastruktur und kompletter Entstaatlichung des Landes, in Syrien keine Zustimmung zu geben. Daraufhin ließen die Bauchredner aus Washingtons Reklameabteilung ihre Terrorsprechpuppen verlauten, die Zerstörung der zivilen Infrastruktur durch US-geführte Nato-Bomber in Libyen, könnten die IS-Terrorbanden als Nato-Bodentruppen in Syrien auch selbst anrichten, es würde nur entsprechend länger dauern.

      Nach Syrien stehen der Iran und dann Russland und China auf der Vernichtungsliste, den meisten Menschen in diesen Ländern ist das sehr bewusst, deshalb muss solidarischer Kraft und um des Weltfriedens Willen, der Vormarsch des Faschismus in Syrien aufgehalten werden bis die imperiale Machtbasis US-Dollar, die mit jeder neuen Milliarde der unbeschränkten Vermehrung vielleicht früher eher enbricht, als Syrien fällt, das scheint die Wette zu sein.

      [1] http://www.globalresearch.ca/dem-projekt-eines-neuen-nahen-ostens-kreative-zerst-rung-als-revolution-re-kraft/23196

      Muslime glauben an Propheten, Islamisten glauben an Profite.

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