Donnerstag, 3. September 2015

Der Mythos von einer russischen „Bedrohung“


Es geht keine Woche vorbei, ohne dass das Pentagon von einer russischen „Bedrohung“ nörgelt
Pepe Escobar
27. August 2015
Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs Martin Dempsey betrat das beglaubigte Donald „known unknown“ Rumsfeld Territorium, als er jüngst versuchte, die „Bedrohung“ in Begriffe zu fassen; „Bedrohungen sind die Kombination oder die Gesamtheit von Fähigkeiten und Intentionen. Lassen Sie mich die Intentionen für den Moment beiseitelassen, weil ich nicht weiß, was Russland beabsichtigt.“

Dempsey gibt also zu, dass er nicht weiß, wovon er redet. Was er zu wissen scheint, ist, dass Russland eine „Drohung“ ist – im Weltraum, Cyberspace, Boden-basierten Raketen, Unterseebooten.

Und vor allem eine Bedrohung der NATO; „Eins der Dinge, die Russland zu tun scheint ist, die NATO entweder zu diskreditieren oder noch unheilvoller, die Bedingungen zu schaffen für ein Versagen der NATO.“

Russland „scheint“ also eine bereits selbst diskreditierte NATO zu diskreditieren. Das ist keine große „Drohung“.

All diese rhetorischen Spielchen finden statt, während die NATO „scheint“ sich auf eine direkte Konfrontation mit Russland vorzubereiten schein. Und täuscht euch nicht, Moskau sieht die Kriegslust der NATO als eine wirkliche Bedrohung.

PGS gegen S-500

Die „Bedrohung“-Häufung passiert just, als das US-Think Tankland den Begriff von der Eindämmung Russlands wieder hochlädt. Die notorische CIA-Fassade Stratfor hat ein Propaganda-Stück auf den Markt gebracht mit dem Lob für den Kalten Kriegs-Vordenker George Kennan als Autor von der „Eindämmung Russlands“-Politik.

Der US-Geheimdienst-Apparat ist nicht ironisch; bevor Kennan starb, sagte er, dass jetzt die USA eingedämmt werden müsse, nicht Russland.

Eindämmung Russlands – via Ausweitung der EU und NATO – ist immer ein work in progress gewesen, weil der geopolitische Imperativ immer derselbe gewesen ist; wie Dr. Zbigniew „The Great Chessboard“ Brzezinski nie müde wurde zu betonen,  dass es immer darum ging, zu verhüten – die drohende – Wiederauferstehung einer eurasischen Macht, fähig die USA zu bedrohen.

Letztlich kann der Begriff der „Eindämmung“ so gedehnt werden, dass er Auflösung Russlands bedeutet. Sie enthält das eingebaute Paradox, dass die endlose Ausdehnung der NATO nach Osten Osteuropa weniger sicher statt sicherer gemacht hat. Angenommen, es würde zu einer tödlichen Russland-NATO Konfrontation kommen, dann würden russische taktische Atomwaffen alle NATO-Luftbasen in weniger als 20 Minuten auslöschen. So viel gibt Dempsey – kryptisch – zu.

Was er unmöglich zugeben kann, ist, wenn eine Entscheidung in Washington vor langer Zeit gemacht worden wäre, NATOs endlose Ausdehnung zu verhindern, wäre Russlands Erneuerung seiner Atomwaffen unnötig gewesen.

Geopolitisch hat das Pentagon endlich eingesehen, in welche Richtung der Wind geopolitischer Partnerschaft bläst, in Richtung Russland-China. Die große entscheidende Veränderung in der globalen Macht-Balance muss in der kombinierten militärischen Macht von China und Russland gesehen werden, die die der NATO übersteigt.

In Begriffen militärischer Macht hat Russland die überlegen offensiven und defensiven Raketen gegenüber den USA, durch die neue Generation des Boden-Luft Raketensystems, den S-500, die in der Lage sind Überschall-Ziele abzufangen und den russischen Luftraum total zu versiegeln.

Außerdem, trotz kurzfristiger finanzieller Turbulenzen, ist die sino-russische kombinierte Strategie für Eurasien – eine Durchdringung von den Neuen Seidenstraße(n) und der Eurasischen Ökonomischen Union (EEU) so angelegt, seine Ökonomien und die Region insgesamt so zu entwickeln, dass sie bis 2030 die kombinierte EU und USA überflügelt.

Was der NATO bleibt, ist nur, militärische Stärke für TV-Shows wie „Atlantic Resolve“ zu produzieren, die „die Region beruhigen soll“, besonders die zu Hysterie neigende baltischen Länder und Polen.

Moskau hat unterdessen klargestellt, dass Länder, die US-eigene anti-ballistische Systeme auf ihrem Boden installieren, sich den in Kaliningrad installierten Frühwarn-Systemen gegenübersehen werden.

Und Generalmajor Kirill Makarow, Russlands stellvertretender Chef für die Luftraumverteidigung hat klar gemacht, dass Moskau seine Luft- und Raketen-Verteidigungs-Systeme erneuert, um jede reale Drohung durch PGS (US Prompt Global Strike) zu zerschlagen.

Im Dezember 2014 hat die russische Militärdoktrin NATOs militärische Aufrüstung und die PGS als die top-Sicherheits-Bedrohungen für Russland bezeichnet, wie der russische stellvertretende Verteidigungsminister Juri Borisow betonte: „Russland ist in der Lage, ein System wie PGS zu haben und wird es entwickeln.“

Wo ist unsere Beute?

Die rhetorischen Spiele des Pentagon dienen auch dazu, einen hochriskanten Prozess zu maskieren, im wesentlichen ein Energie-Krieg, bei dem es um Kontrolle von Öl, Gas und Mineral-Ressorucen Russlands und Zentralasiens geht. Wird dieser Reichtum von Oligarchen-Marionetten, „überwacht“ von ihren Herren in New York und London, kontrolliert oder von Russland und seinen zentralasiatischen Partnern? Daher der pausenlose Propaganda-Krieg.

Ein Argument ist natürlich, dass die Herren des Universums dieselben alten geopolitischen Alibis von Eindämmung/ Bedrohung wiedererweckt haben, die von der Brzezinski/Stratfor-Verbindung gehandelt werden, wie wir es nennen können – weil sie ein andere harte Tatsache zudecken oder verheimlichen wollen.

Und diese Tatsache ist der wahre Grund für den Kalten Krieg 2.0: die NewYork/London Finanzmacht hat einen BILLIONEN Dollar Verlust gemacht, als Präsident Putin Russland ihren Plünderungsplänen entriss.

Und dasselbe gilt für den ganzen Kiew-Coup – erzwungen durch dieselben New York/London Finanzmächte, um Putin zu hindern, ihre Plünderungs-Operationen in der Ukraine zu durchkreuzen (die, nebenbei bemerkt, unaufhörlich weitergehen, zumindest im Landwirtschaftssektor).

Eindämmung/Bedrohung wird auch auf Höchsttempo geschraubt, um mit allen Mitteln eine strategische Partnerschaft zwischen Russland und Deutschland zu verhindern – was die Brezinski/Stratfor-Verbindung als eine existentielle Bedrohung für die USA sieht.

Die feuchten Träume dieser Verbindung – zufällig geteilt von den Neo-Cons – wären die glorreiche Wiederkehr der Plünderungsphase Russlands in den 1990-er Jahren, als Russlands industieller-militärischer Komplex kollabierte und der Westen seine Naturressourcen bis zum geht-nicht-mehr plünderte.

Das wird niemals mehr passieren. Was ist also der Plan B des Pentagons? Bedingungen zu schaffen, um Europa in einen potentiellen atomaren Kriegsschauplatz zu verwandeln. Nun, das ist eine wirkliche Bedrohung – wenn es je eine gab.

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