Mittwoch, 2. Dezember 2015

Der letzte Funken Vernunft ist abhanden gekommen – Lasst Russland allein die Kastanien aus dem Feuer holen (Update)

Mit dieser Entscheidung des Bundestags für einen Syrieneinsatz der Bundeswehr 
ist mein optimistischer Artikel hinfällig geworden. Die Truppen sollen "den Kontingenten aus Finnland, Frankreich, Großbritannien und den USA zur Seite stehen". Wenn das stimmt - dass sie sich also nicht der russischen Allianz gegen die IS anschließen -  wird er zu einem völkerrechtswidrigen, illegalen Einsatz, und jeder deutsche Tornado, der sich am syrischen Himmel blicken lässt, sollte ohne Umstände abgeschossen werden. Die USA habe gerade eben wieder gezeigt, dass sie nicht die IS aufs Korn nehmen, sondern weiterhin die syrische Infrastruktur bombardieren, wie sie vor wenigen Tagen in Aleppo demonstriert haben, als sie die Trinkwasser-Aufbereitungsanlage bombardierten, wodurch hunderttausende Menschen ohne sauberes Wasser leben müssen. Bisher hat Frankreich in Absprache mit den Russen Einsätze geflogen. Wird es ebenfalls in den heimischen US-Stall zurückkehren? Da erhebt sich die Frage, wie Russland und Syrien sich gegenüber diesen illegalen und völkerrechtswidrigen Einsätzen verhalten werden. Und damit bin ich auch mit allen Demonstrationen gegen den Syrieneinatz voll einverstanden.


Einar Schlereth
2. Dezember 2015

'Deutsche raus aus Syrien' und 'Deutsche rein nach Mali'. Geht's noch dümmer? Hier wird der Einsatz von 650 Soldaten in Mali befürwortet. Willy Wimmer ist gegen den Syrien-Einsatz. WSW ist weder für noch gegen die Einsätze. Die Trotzkisten brauchen immer ihre Zeit, eine Meinung zu finden, aber hier sind sie mal gegen die französische Kolonialpolitik und wollen, dass der Mali-Einsatz gestoppt wird. Und nun gibt es sogar ein Aktionsbündnis: Kein Bundeswehreinsatz in Syrien. Und hier ist man dagegen. Und selbst das Bremer Friedensforum ist auch dagegen. Wurde so vehement auch gegen die Einsätze in Serbien, Afghanistan und anderswo gewettert?

Hollande und Putin
Jahrelang haben progressive Leute wie etwa Prof. James Petras, Prof. Michel Chossudovsky, Stephen Lendman, Paul Craig Roberts, Michel Collon, Klaus Hartmann und noch ein paar den Europäern vorgeworfen, sich bis zur Selbstaufgabe dem großartigen Imperium zu unterwerfen. Haben immer wieder – vor allem nach dem US-Staatsstreich in der Ukraine, dem faschistischen Überfall auf den Donbass, der Invasion Syriens gefordert, dass Europa und vor allem auch Deutschland sich vom Imperium emanzipieren und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Russland in die Wege leiten solle. Also genau das, was Putin mit Engelsgeduld ständig versucht hat. Es war vergebliche Liebesmüh'.


Dann versuchte Russland, eine breite Allianz zu schmieden, um Syrien zu helfen, das unter dem Ansturm terroristischer Horden (die Zahlen schwanken zwischen 30 000 und 60 000 Mann), die unter Führung der USA mit ihren engsten Freunden, den Saudis und den Golfstaaten sowie der Türkei mit Geld, Waffen, Logistik, intelligence und Geheiminformationen ausgestattet wurden, zusammenzubrechen drohte. Der Allianz gehörten bereits der Iran, die YPG (die Kurden) und die Hisbollah an, die für den Erhalt der säkularen syrischen Regierung kämpften. Doch niemand aus dem westlichen Lager schloss sich an. Sie ließen lieber die USA ihr Affentheater gegen die ISIS weiterbetreiben.

Dann griff Russland im Ernst ein. Mit einer geringen Anzahl an Flugzeugen und exzellenter Aufklärung brachte es der ISIS in nur 5 Wochen unerhörte Verluste an Menschen und Material bei, was es der Syrischen Arabischen Armee erlaubte, große Gebiete von Terroristen zu säubern. Da ging im Westen das Gejaule los. Die Russen würden die nicht-existente FSA (die sogenannten gemäßigten Rebellen, aber auch bis an die Zähne bewaffnet) bombardieren, auch Wohngebiete und Krankenhäuser (genau das, was doch die Spezialität der Amerikaner ist); die USA begann, ihre ISIS noch besser zu beschützen und noch mehr Waffen abzuwerfen, was sie als Kampf gegen die ISIS verkaufte und die Türkei verstärkte noch ihre Lieferungen und Geschäfte mit der Terrorbande. Man tat alles, dass Russland in einen Sumpf à la Vietnam oder Afghanistan geraten sollte.

Doch dann passierte der false flag Anschlag in Paris, den man der ISIS zuschob, die allerdings in diesem Fall ausnahmsweise unschuldig war. Aber nun schlitterte man auf dieser Schiene weiter und tönte, dass endlich nun allen Ernstes gegen den IS vorgegangen werden müsse.

Hollande ergriff die Gelegenheit beim Schopf, traf sich mit Putin und vereinbarte eine Kooperation im Kampf gegen die ISIS. Wie Dal Santo in diesem Artikel bemerkt: „... ist Hollandes Besuch in Moskau wichtig, weil er die Art von Diplomatie verkörpert, die erforderlich ist, um die Harmonie in der Beziehung des Westens zu Russland wieder herzustellen: ein pragmatischer Austausch zwischen Gleichen, der auf Interessen und nicht auf Ideologien beruht.“ Italien schloss sich an, schließlich auch die Merkel und plötzlich war man für einen Einsatz deutscher Truppen in Syrien zusammen mit Russland. Putin war es also am Ende gelungen, einen Keil in die NATO-Mauer zu treiben. Und es dürfte allen Beteiligten klar sein, dass das Oberkommando dabei in der Hand der Russen läge, die dafür Sorge tragen würden, dass keiner in Syrien sein eigenes Süppchen kochen würde.

Mit dieser Allianz wäre der erste kleine Baustein gelegt, um die Zusammenarbeit vielleicht auch in Zukunft auf anderen Gebieten fortzusetzen. Nun aber gibt es ein Geschrei auch bei Leuten, die bislang eine vernünftige Haltung gegenüber Russland eingenommen haben, die für Verständigung und Kooperation eingetreten waren. Und die sind nun gegen den Syrien-Einsatz der Bundeswehr, obwohl es der erste Einsatz wäre, der wahrlich gerechtfertigt wäre. Ganz im Gegensatz zu jenen Einsätzen, die sie unter General Fischer in Serbien leisteten, in Afghanistan oder in Mali. Ja, in Mali, wohin die von-der-Leine noch mehr Soldaten schicken will, wo aber die deutschen Hanseln unter dem Kommando der Franzosen und der AFRICOM stehen würden, also wieder im Dienste des Imperiums.

Was denken sich diese Leute? Dass Russland, das bisher auch sehr auf eigenem Territorium unter den Terroristen zu leiden hatte und als erstes Land energische Schritte unternimmt, diese Verbrecher endgültig auszulöschen, nun alleine die Kastanien aus dem Feuer holen soll? Gegen die Banden, die alle Europäer mit herangezüchtet haben, soll es seine Menschen in den Kampf schicken, unter denen bestimmt mancher ist, der auch Familienmitglieder in Russland verloren hat. Ist es das, was sich die Leute vorstellen? Oder was sonst?

Nun, ich gebe zu, dass es eine noch bessere Idee gäbe. Dass Deutschland zum Beispiel für den Anfang mehrere hundert Bautrupps nach Syrien schickt, um hunderttausend Wohnungen zu bauen, wodurch eine halbe Million Syrer auf der Stelle zurückkehren könnten. Natürlich ausgerüstet mit Baumaschinen, Material, Werkzeug und wirklich kompetenten Leuten, die sich auch anständig zu benehmen wissen. Das wäre die richtige Reaktion auf den Flüchtlingsstrom. Und alle jungen, arbeitsfähigen Männer könnte man gleich mitnehmen und bei der Arbeit bei ordentlicher Bezahlung einsetzen.

Die Russen – man höre und staune - haben schon Pläne für den Wiederaufbau Syriens gemacht. Aber das will man wohl auch gerne allein den Russen überlassen nicht wahr? Ich wüsste aber noch einige Aufgaben, die Deutschland gut zu Gesicht stünden. Z. B. Experten für die Wiederherstellung der Infrastruktur, der zerstörten, ausgeraubten (u. a. von der Türkei) Fabriken, Schulen, Krankenhäuser, der zerstörten Wasserwerke, Erdölindustrie – ach ja und der zerstörten und geplünderten Museen. Die Deutschen sind doch solche Museumsfreaks. Und da könnten sie gleich auch eine kompetente Arbeitsgruppe dransetzen, die versucht, die gestohlenen Schätze wiederzufinden und an Syrien zurückzugeben.

Selbstverständlich kostet das, aber nur einen Bruchteil dessen, was man den Bankstern vorn und hinten reingeschoben hat. Also nur keine Ausflüchte. Geld ist massenweise vorhanden. Man muss nur an der richtigen Stelle suchen. Nicht bei den Hartz4-Empfängern oder den Putzfrauen. Aber ich weiß ja, dies alles sind ganz abartige Ideen, die unter Garantie noch keiner der Betonköpfe in den Regierungen auf Landes- oder höchster Ebene gehabt hat. Dazu fehlten ein paar Millionen Leute, die es ihnen in die Schädel klopfen müssten. Nur – wo findet man die denn?

Kommentare:

  1. "Und es dürfte allen Beteiligten klar sein, dass das Oberkommando dabei in der Hand der Russen läge, die dafür Sorge tragen würden, dass keiner in Syrien sein eigenes Süppchen kochen würde. "
    WER SAGT DAS?
    "nun aber gibt es ein Geschrei auch bei Leuten, die bislang eine vernünftige Haltung gegenüber Russland eingenommen haben, die für Verständigung und Kooperation eingetreten waren. Und die sind nun gegen den Syrien-Einsatz der Bundeswehr, obwohl es der erste Einsatz wäre, der wahrlich gerechtfertigt wäre."
    Ja, falls mit Russland abgesprochen. Im Irak ist das Hauptkommando, Planung und die koordinieren jetzt Russland, Iran, Irak, Hezbola etc ....???????

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  2. Alexander Schnorfeil3. Dezember 2015 um 01:45

    Es wäre ja wirklich schön, wenn Deutschland, Frankreich und Russland zusammen das von der USA und seinen willigen
    Helfern geschaffene IS-Monster zerschlagen würden. Ein schöner Traum - leider eine vollkommene Illusion !
    D u. F. sehen wegen der Erfolge von Russland ihre Felle den Jordan runter schwimmen und hoffen nun mit Ihrer anti-IS
    Retorik noch einen Fuß in die Tür zu bekommen, und wenn das klappt , ins Haus zu stürmen und über die russischen und
    syrischen Armeekräfte herfallen.
    Wenn dann noch einer der Natoflieger vom Himmel " fällt " , schreit der ganze Natogesangsverein : Die bööösen Russen haben
    es abgeschossen.
    Also : Die DrecksNato hat in Syrien nichts verloren und man kann nur hoffen, daß Russland wie bisher die Lage im Griff behält .
    Das man dem Schleimscheisser Hollande und dem Merkelpack nicht trauen kann, haben sie gerade mal wieder durch die ver-
    längerung der Russlandsanktionen bewiesen. Einem wiklichen Partner würde niemand versuchen so auf die Füße zu scheißen !
    Gruss.
    Alexander Schnorfeil.

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    1. Nun wollte ich mal etwa optimistisch sein! Und da machst du alles kaputt. Nun, ich traue der Story auch nicht richtig. Aber ein bisschen Hoffnung darf man ja haben.

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    2. Hallo Einar,
      ich sehe es genau so wie Alexander. Der einzige ehrliche und achtenswerte französische Politiker war Charles de Gaulle, der Rest Abschaum und amerikahörig.
      Die Zusammenarbeit der Franzmänner, Engländer und Merkel ist nur vordergründig und dazu gedacht, die Russen in Syrien einzukreisen. Amerikaner, die gleimigen Franzmänner, die Briten und die hündisch ergebenen Deutschen werden alles versuchen, damit Putin etwas gegen diese Allianz macht um doch noch zu ihrem langersehnten Schlagabtausch zu kommen. Und das weit weg vom Boden Mütterchen Russlands, so das Kalkül.

      Die Zeit arbeitet gegen Obama und seine Köter. Die VSA sind pleite und ab nächstem Jahr im Herbst soll der Renmimbi Weltreservewährung werden. Dass würde heißen: adee Dollar, adee VSA.

      Dann können auch wir Europäer, insbesondere die Deutschen uns auf brutale Zeiten einstellen. Denn gleichzeitig ist auch der EURO wertloser als eine Rolle Klopapier und die Phase der finanziellen und materiellen Enteignung der Bürger steht an.

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  3. Also ich sehe das so, dass D, F und GB auf den fahrenden Zug aufspringen wollen, um hinterher herumzulügen, dass sie es waren, die den IS besiegt haben. Mit diesem Argument werden sie fordern, dass sie angemessen in die zwingend zu verabschiedende Nachkriegsordnung eingebunden werden müssen.
    Deshalb wäre es m.E. besser, wenn Russland, Iran und Hisbolla ganz alleine gewinnen und bestimmen würden. Aber das wird man unter keinen Umständen zulassen. Deshalb wird der Krieg, offen oder verdeckt, weiter gehen bis der Dreckswesten ausgerottet ist.

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  4. Einar - Probleme sind Folgende: Es fehlt die völkerrechtliche Legitimation. Russland hat diese, D nicht. D masst sich zudem an zu bestimmen, wer das syrische Volk zukünftig regiert. Wer garantiert zudem, dass D+Fr+GB nicht das Land spalten, sozusagen ihre eigene Besatzungszone bilden wollen. Alle genannte sind Verbündete des Imperiums, also der IS Ziehväter. Vertrauen - ich nicht!

    Einsatz gegen die Verrückten ja, aber dann unter dem Kommando der RF und nicht mit x-Kommandostellen und der Gefahr des Aufeinandertreffens. Daher die Skepsis.

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  5. Natürlich ist Skepsis angebracht. Andererseits glaube ich nicht, dass die Popels Hollande, Cameron, Merkel mit Russland/Putin Schlitten fahren können. Sie können sich ja ruhig gegen die Brust schlagen und sagen, wir haben auch gesiegt. Die Hauptsache, das Ungeziefer wird beseitigt und es entsteht der Beginn einer weiteren Zusammenarbeit mit Russland.

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  6. Mich erinnert das an den viel besungen D-Day ... ja, der Vergleich hinkt. Aber, als der Drops längst gelutscht war, wollten plötzlich noch ein paar Figuren was vom Kuchen. Die sahen auch die Felle davonschwimmen.

    Ich traue diesem ganzen NATO-Gesindel nicht so weit, wie ich einen Mann von 75 kg werfen könnte = vergiss es.

    Severa Snape

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